Seit August leitet Annegret Pinhack das Sprachenzentrum.
Interview mit Annegret Pinhack
„Der Zusammenschluss macht beide stärker“
Die Leiterin der neuen Zentralen Betriebseinheit „Sprachenzentrum“ zieht eine erste Zwischenbilanz.
Am 1. August 2026 hat Dr. Annegret Pinhack die Leitung der neuen Zentralen Betriebseinheit „Sprachenzentrum“ übernommen. Das Sprachenzentrum setzt seit Januar 2026 die Arbeit des Landesspracheninstituts der Ruhr-Universität (LSI) und des Zentrums für Fremdsprachenausbildung (ZFA) inklusive des Bereichs Deutsch als Fremdsprache (DaF) fort.
Frau Dr. Pinhack, Sie sind jetzt seit rund zwei Monaten im Ruhrgebiet. Wie ist Ihr erster Eindruck von Bochum und der Ruhr-Universität?
Als Kölnerin darf ich es ja eigentlich nicht laut sagen, aber ich bin schockverliebt in die Stadt und die Universität. Ich bin begeistert von der pragmatischen und energiegeladenen Art, Ziele zu verfolgen und miteinander ehrlich und wertschätzend im Gespräch zu bleiben. Freilich schlägt mein Herz vor allem auch für die Internationalisierung der RUB. Das hat nicht nur etwas mit meiner Rolle im Sprachenzentrum zu tun, sondern auch damit, dass ich in den letzten 16 Jahren stark international tätig war.
Die Zentrale Betriebseinheit „Sprachenzentrum“ hat man erst ein halbes Jahr vor Ihrem Eintreffen gegründet. Läuft aus Ihrer Sicht bereits vieles reibungslos?
Unbedingt. Ich hatte mit viel mehr Reibungspunkten gerechnet, aber dank der hohen Professionalisierung des Teams läuft in der Tat vieles weiter reibungslos oder hat sich neu etabliert. Trotzdem haben wir natürlich noch einen Weg vor uns, um uns als gemeinsames Team zu finden.
Synergiepotenziale heben
Welche Ziele setzen Sie sich für die kommenden Monate?
Aktuell bündeln wir zuvor parallel verlaufende Prozesse, um Synergiepotenziale zu heben und Kapazitäten für innovative Vorhaben freizusetzen. Rechnungsprozesse beispielsweise, die vorher parallel gelaufen sind, oder die Buchung der unterschiedlichen Kursräume. Ein zentrales Ziel ist, eine integrierte Teamstruktur zu etablieren, die über die bisherige Zusammenarbeit zweier Institute hinausgeht.
Es ist mir wichtig, dass wir als einheitliches, leistungsstarkes Team agieren können und auch so wahrgenommen werden. Im kommenden Jahr planen wir eine Neupositionierung unseres Angebots – vermutlich unter einem neuen Namen –, um unser Profil und unsere Sichtbarkeit weiter zu schärfen. In enger Abstimmung mit unseren Partner-Netzwerken evaluieren wir deshalb auch, welche Angebotsbereiche wir ausbauen und welche wir gegebenenfalls etwas zurückfahren.
Kommen wir zum bisherigen Angebot der zusammengeführten Einrichtungen: Bislang konnten sich Studierende und Beschäftigte, die ihr Englisch oder Spanisch verbessern wollten, an das ZFA wenden. Dort besuchten sie kostenlose Sprachkurse. Hat sich daran etwas geändert?
Daran hat sich nichts geändert und dies bleibt ein zentraler Baustein unseres Portfolios: Studierende und Beschäftigte mit kostenlosen Angeboten dabei zu unterstützen, zum Beispiel ihr Englisch oder Spanisch zu verbessern, wofür sie außerhalb der Universität kostspielige Angebote suchen müssten.
Gleich bleibt auch, dass wir mit fachsprachlichen Angeboten die spezifischen Anforderungen der Studiengänge direkt adressieren, zum Beispiel in Englisch oder Deutsch als Fremdsprache. Das ist meiner Meinung nach ein Auftrag, der über Credit Points hinaus geht: Das Angebot trägt inhaltlich und mit akkreditierten Zertifikaten entscheidend zur späteren „employability“ unserer Absolventen und Absolventinnen bei. Um aktuelle und zukünftige Bedarfe noch präziser abzudecken, überlegen wir außerdem, das Angebot noch mit themenspezifischen und kompetenzorientierten Kursen zu erweitern. Es lohnt sich also, das Programm weiter genau zu studieren.
Eine Universität hat ja einen gesellschaftlichen Auftrag, der über die Grenzen des Hörsaals oder Labors hinausgeht.
Am LSI hingegen waren die Kurse in Arabisch, Chinesisch und weiteren Sprachen kostenpflichtig. Beispielsweise Astronautinnen und Astronauten haben diese Kurse besucht. Ist das so geblieben?
Dass Sprachkurse für Nicht-Universitätsangehörige kostenpflichtig angeboten werden, bleibt bestehen. Unser externes Angebot richtet sich nicht nur an Unternehmen, sondern auch an Privatpersonen, die berufliche Interessen in den einzelnen Zielländern haben, wie beispielsweise Journalisten und Ärztinnen, sowie an den öffentlichen Sektor, also etwa internationale Universitäten, Stiftungen und staatliche Behörden. Dieses Umfeld ist politisch bedingt aktuell teilweise schwierig, aber auch hochrelevant.
Eine Universität hat ja einen gesellschaftlichen Auftrag, der über die Grenzen des Hörsaals oder Labors hinausgeht. Besonders in einer Zeit, in der internationale Beziehungen schwieriger werden, ist es entscheidend, dass wir Wissen über andere Länder zugänglich machen und mit der Sprache das Instrumentarium für erfolgreiche Beziehungen bereitstellen. Hier trägt das Sprachenzentrum mit den Angeboten des LSI dazu bei, dass die RUB überregional als Anbieter akademischer Weiterbildung bekannt ist.
Durch den Zusammenschluss in der Universität können wir uns nun noch stärker an den strategischen Partnerschaften und der Sprachenpolitik der RUB ausrichten.
LSI und ZFA waren für sich schon starke Organe der Universität, wie Herz und Niere.
Angesichts des gleichgebliebenen Angebots mögen sich nun einige wundern, warum LSI und ZFA zusammengelegt wurden. Was würden Sie diesen Menschen antworten?
LSI und ZFA waren für sich schon starke Organe der Universität, wie Herz und Niere. Der Zusammenschluss macht beide stärker und damit auch den Körper „RUB“. Wir haben es schon vorher geschafft, Menschen über die eigene Kultur und den eigenen Studienbereich hinaus miteinander zu vernetzen. Wir können jetzt noch stärker den Austausch zwischen Studierenden der RUB, Studierenden anderer Universitäten und anderer externer Partner fördern und sind dabei viel agiler in der Nutzung unserer Kapazitäten. Das wiederum stärkt unsere Position als strategischer Partner für externe Bildungskooperationen und die RUB als zentrale Schnittstelle für internationale Weiterbildungsanliegen.
Tag der Sprachen