Franz-Josef Brüggemeier wird mit dem Bochumer Historikerpreis geehrt.
Geschichtswissenschaft
Franz-Josef Brüggemeier erhält 9. Bochumer Historikerpreis
Die Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets ehrt damit den renommierten Sozialhistoriker für dessen Verdienste.
Der renommierte Sozialhistoriker Prof. Dr. Franz-Josef Brüggemeier wird mit dem 9. Bochumer Historikerpreis ausgezeichnet. Der mit 30.000 Euro dotierte Preis würdigt das beeindruckende Lebenswerk des Historikers, der zuletzt an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg forschte und lehrte. Diese Entscheidung gab die Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets bekannt, die die Auszeichnung seit 2002 im Drei-Jahres-Rhythmus gemeinsam mit der Stadt Bochum, der Ruhr-Universität Bochum und der Evonik-Stiftung vergibt. Schirmherr des Bochumer Historikerpreises ist der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen Hendrik Wüst.
Der Vorsitzende des Vorstandes der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets, Prof. Dr. Stefan Berger, begründet die Entscheidung der Preisstifter wie folgt: „Mit Franz-Josef Brüggemeier zeichnen wir einen Historiker aus, der maßgeblich und innovativ in vielerlei Hinsicht zur Entwicklung der Ruhrgebietsgeschichte und der Geschichtskultur im Ruhrgebiet beigetragen hat und dessen Pionierstudien national wie international höchste Anerkennung finden.“ Seine Innovationskraft zeigte Brüggemeier bereits mit seiner Dissertation „Leben vor Ort“ über das Leben und Arbeiten der Ruhrbergleute in den letzten Jahrzehnten des Wilhelminischen Kaiserreiches, das am Beginn einer erfahrungsgeschichtlichen Erweiterung der Sozialgeschichte stand. Die Etablierung der Umweltgeschichte in der deutschen Geschichtswissenschaft ist eng mit dem Namen Franz-Josef Brüggemeier verbunden. Sein Ende der 2010er Jahre erschienenes Buch „Grubengold“ entfaltet aus der Perspektive der Steinkohle eine europäische Gesellschaftsgeschichte vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Lebendige regionale Geschichtskultur
Brüggemeier gehört zudem zu den führenden deutschen Großbritannien-Historikern und untermauerte diesen Ruf zuletzt mit einer viel beachteten Biografie über Margaret Thatcher. Neben seinen herausragenden wissenschaftlichen Leistungen hat Franz-Josef Brüggemeier auch große Verdienste um die Popularisierung der Ruhrgebietsgeschichte und das Wachsen einer lebendigen regionalen Geschichtskultur. Er wirkte als Berater der populären WDR-Fernsehproduktion „Rote Erde“, war Mitinitiator der für historische Publikumsaustellungen Maßstäbe setzenden Schau „Feuer & Flamme. 200 Jahre Ruhrgebiet“ im Gasometer Oberhausen und gab wichtige Impulse für Ausstellungen zur Fußball-, Bergbau- und Gesundheitsgeschichte.
Doyen der Umweltgeschichte
Christian Kullmann, Vorstandsvorsitzende von Evonik Industries und Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets, ergänzt: „Mit seiner Arbeit leistet Franz-Josef Brüggemeier einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Vergangenheit und Gegenwart. Aus der Geschichte lernen, um die Gegenwart zu gestalten. Das ist eine Maxime, der wir uns als ein regional verwurzelter, nachhaltiger Chemie-Konzern mit eigener, weitreichender Geschichte und Verantwortung verpflichtet haben. Professor Brüggemeier ist nicht nur ein Kind des Ruhrgebiets, er hat sich auch in besonderer Weise mit den Erfahrungsgeschichten der Menschen aus dem Revier beschäftigt. Diese Berichte wurden zu einer Grundlage seiner historischen Arbeit, die ihn zu einem Doyen der Umweltgeschichte des 19. und 20. Jahrhundert machen. Deshalb ist es uns ein besonderes Anliegen, seine vielfältige Arbeit mit dem Historikerpreis zu würdigen.“
Der Bochumer Historikerpreis
Mit der Vergabe des 9. Bochumer Historikerpreises an Franz-Josef Brüggemeier ehrt die Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets einen Wissenschaftler, dessen Werk insbesondere die Themenfelder Sozial- und Umweltgeschichte empirisch und methodisch in herausragender Weise bereichert und damit die bisherige historische Ruhrgebietsforschung maßgeblich mitgestaltet hat und auch für aktuelle und künftige Forschungsfragen in hohem Maß Orientierung und Anregung bereit hält.
Franz-Josef Brüggemeier folgt den bisherigen Preisträger*innen Frank Trentmann (2023), Lutz Raphael (2020/21), Catherine Hall (2017), Marcel van der Linden (2014), Christoph Kleßmann (2011), Eric Hobsbawm (2008), Jürgen Kocka (2005) und Lutz Niethammer (2002). Mit dem Preis werden alle drei Jahre herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte gewürdigt, die national wie international große Aufmerksamkeit gefunden haben.
Der Preis wird auf einer Festveranstaltung am 11. November 2026 im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets übergeben.