Sebastian Jeworutzki und Cornelia Weins entwickeln das Methodenzentrum an der RUB stetig weiter.
Zehn Jahre Methodenzentrum
Impulse für das eigene empirische Projekt
Über 3.000 Studierende haben schon Workshops im Methodenzentrum besucht. Eine Bilanz zum zehnten Geburtstag.
Schon seit 2016 unterstützt das Team des Methodenzentrum Studierende, Promovierende und Lehrende bei methodischen Fragen rund um Datenerhebung und Datenanalyse. Dazu gibt es Workshops, Beratungen, E-Learning-Formate und weitere Lehr- und Unterstützungsangebote. Prof. Dr. Cornelia Weins, Leiterin, und Sebastian Jeworutzki, Geschäftsführer des Methodenzentrums, das eine Betriebseinheit der Fakultät für Sozialwissenschaft, der Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft und der Professional School of Education ist, blicken im Interview zurück und voraus.
Frau Weins, Herr Jeworutzki, was ist das Ziel des Methodenzentrums?
Cornelia Weins: Wir wollen Studierenden eine niedrigschwellige Anlaufstelle für ihre eigenen Forschungsprojekte sein – zum Beispiel bei Hausarbeiten, Abschlussarbeiten oder empirischen Studien. Unser Ziel ist es, methodische Kompetenzen fächerübergreifend zu stärken. Dabei unterstützt uns das Rektorat finanziell, damit die Angebote von Studierenden auf dem ganzen Campus wahrgenommen werden können.
Sebastian Jeworutzki: Wichtig ist uns, unterschiedliche methodische Zugänge gleichberechtigt zu vermitteln und Studierende darin zu unterstützen, die jeweils passenden Methoden für ihre Fragestellungen zu finden. Das Spektrum umfasst daher rekonstruktive und interpretative Methoden der qualitativen Sozialforschung ebenso wie quantitative Methoden der Datengewinnung und statistische/maschinelle Methoden zur Auswertung von Daten.
Cornelia Weins: Das ist auch eine Besonderheit des Methodenzentrums an der RUB: Wir haben von Anfang an quantitative und qualitative Methoden gleichberechtigt im Programm berücksichtigt – das war schon bei den studentischen Initiativprojekten so, die dem Methodenzentrum vorangegangen sind.
Wie viele Studierende nehmen die Angebote jedes Semester wahr?
Sebastian Jeworutzk: Wir haben unser zehnjähriges Jubiläum zum Anlass genommen, die Teilnahmezahlen seit den ersten Anfängen im Wintersemester 2016/17 genauer anzusehen. Mittlerweile haben über 3.000 Studierende an unseren Workshops teilgenommen, viele davon auch mehrfach. Im Wintersemester 2025/26 haben fast 300 Studierende die Workshops besucht. Die Teilnahmezahlen für den Sommer haben wir noch nicht auswerten können, weil wir gerade erst unsere „Methodenwoche“ beendet haben, in der wir zum Ende des Semesters die am stärksten nachgefragten Workshops noch einmal anbieten.
Unsere Bestseller sind vor allem die Einführungen in R, Python und MaxQDA.
Cornelia Weins: Unsere Methodenberatung wird pro Semester von rund 80 bis 150 Studierenden in Anspruch genommen. Sehr gut angenommen wird zudem das E-Learning-Angebot auf unserer Homepage, und zwar nicht nur RUB-intern. Unsere Materialien werden auch von Studierenden und Lehrenden vieler anderer Universitäten genutzt.
Was sind die Bestseller im Programm?
Cornelia Weins: Unsere Bestseller sind vor allem die Einführungen in R, Python und MaxQDA. Die beiden ersten Workshops machen Studierende mit der praktischen Umsetzung statistischer Auswertungen in den Programmiersprachen R und Python vertraut, und in unseren Einführungen zu MaxQDA lernen Studierende, wie sie verschiedene qualitative Auswertungsmethoden softwaregestützt umsetzten können.
Hätten Sie sich selbst für Ihr Studium ein Methodenzentrum gewünscht?
Sebastian Jeworutzk: Auf jeden Fall. Während meiner Diplomarbeit bin ich vom Statistikprogramm SPSS auf R umgestiegen, weil ich ein neues Simulationsverfahren für meine Analyse einsetzen wollte, was mit SPSS nicht realisierbar war. Mein Betreuer war aber auch nicht mit R vertraut, so dass ich damals ziemlich auf mich allein gestellt war. Die Methodenberatung des Methodenzentrums hätte ich da gerne wahrgenommen.
Welche Workshops hätten Sie damals belegt?
Sebastian Jeworutzk: Vor allem Angebote zu R und zur praktischen Umsetzung statistischer Verfahren wären für mich damals sehr hilfreich gewesen. Gerade beim Einstieg in eine neue Programmiersprache ist es wertvoll, eine Anlaufstelle zu haben, an der man konkrete Fragen stellen und Unsicherheiten klären kann. Vermutlich hätte ich außerdem unseren Workshops zur Visualisierung von statistischen Ergebnissen belegt, weil mich dieses Thema schon damals sehr begeistert hat.
Was ist das schönste Feedback von Studierenden, an das Sie sich erinnern können?
Cornelia Weins: Das schönste Feedback ist für das Methodenzentrumsteam, wenn Studierende uns zurückmelden, dass sie nach einem Workshop oder einer Beratung mit neuen Impulsen an ihrem Projekt weiterarbeiten konnten. Viele kommen mit sehr konkreten methodischen Fragen im Zusammenhang mit ihren Abschlussarbeiten. Wenn sie danach sagen, dass sie nun wieder Orientierung haben und wissen, wie sie weitermachen können, ist das für uns besonders wertvoll. Es zeigt, dass unsere Angebote nicht nur Wissen vermitteln, sondern Studierende ganz konkret in ihrer Forschungspraxis unterstützen.
Maschinelles Lernen wird stärker Thema
Was wird sich in den kommenden Jahren im Methodenzentrum tun?
Sebastian Jeworutzk: Wir beschäftigen uns im Team seit Längerem mit zwei Themenbereichen, die wir in Zukunft stärker in den Fokus nehmen wollen. Zum einen möchten wir in unsere Angebote stärker auf Machine-Learning-Verfahren für nicht-standardisierte Daten wie Text, Bilder oder ähnliches ausweiten. Mit dem Freiraum-Projekt „Digital Humanities Ruhr“, das wir gemeinsam mit der Fakultät für Philologie umgesetzt haben, haben wir erste Schritte unternommen und möchten diesen Weg fortführen. Eng damit verknüpft ist die enorme Entwicklung im Bereich der KI in den letzten Jahren. Wir werden in Zukunft verstärkt auch das Thema künstliche Intelligenz in unsere Workshops miteinbeziehen – sowohl als Analyseinstrument als auch als Hilfsmittel beim Codeschreiben und bei der Datenaufbereitung.
Wenn Sie sich für das Zentrum etwas wünschen dürften, was wäre das?
Cornelia Weins: Ich würde mir wünschen, dass wir den Bekanntheitsgrad unserer Angebote weiter steigern und noch mehr Studierende aus Fächern erreichen, in denen empirische Methoden traditionell curricular nicht verankert sind. Gerade weil methodische Fragen in fast allen Disziplinen eine Rolle spielen, ist ein Ort wichtig, an dem Studierende niedrigschwellig Unterstützung finden und verschiedene methodische Zugänge kennenlernen können.
Sebastian Jeworutzk: Ich würde mir darüber hinaus wünschen, dass wir es schaffen, die Kooperationen am Campus weiter auszubauen und künftig noch stärker mit Kolleg*innen aus der UA Ruhr zusammenzuarbeiten.
Wie alles begann