Christina Lechtermann (links) und Susanne Fengler sind Sprecherinnen des Potenzialbereichs „Engaging Complexity".
Podcast
Einfache Antworten greifen zu kurz
Komplexität macht uns zu schaffen, lässt uns einfache Antworten suchen. Doch das greift zu kurz. Wie damit umgehen? Darum geht es in „Think. Try. Transform.“, dem Podcast zur Bewerbung in der Exzellenzstrategie.
Es gibt Menschen, die keine Nachrichten mehr lesen – ihnen ist alles zu komplex und deswegen zu bedrohlich. Komplexität kann Themen und Menschen wegschieben. Ist sie überhaupt etwas, das gegeben ist? Oder nehmen wir etwas als komplex wahr? Was ist eigentlich Komplexität? Diesen Fragen gehen Forschende des Ruhr Innovation Lab in einer neuen Konstellation auf den Grund. Medienwissenschaften, Philologie, Journalistik, Sozial-, Religions- und Ostasienwissenschaften haben sich zusammengeschlossen, um alle ihre Perspektiven zusammenzubringen. „Das hat zu vielen Aha-Momenten geführt“, freut sich Prof. Dr. Susanne Fengler, eine der Sprecherinnen der Area of High Potential: „Engaging Complexity – Knowledge, Media & Society“.
Wie die Forschenden sich begegnen, eine gemeinsame Sprache finden und sich in ihrer Vielfalt organisieren, berichten Fengler und Prof. Dr. Christina Lechtermann, ebenfalls Sprecherin des Potenzialbereichs, von der Ruhr-Universität Bochum im Podcast „Think. Try. Transform.“ bei Moderator Sven-Daniel Gettys.
Ratlosigkeit in der Vormoderne
Christina Lechtermann ist Komplexität in der Vormoderne auf der Spur, als man schwer durchschaubare Dinge noch nicht so nannte. „Man war zum Beispiel überzeugt, dass Metalle im Boden auf der Basis von Schwefel und Quecksilber entstünden, wenn bestimmte Gegebenheiten zutrafen: Planetenkonstellationen etwa, die Anwesenheit von Wasser oder Sand, aber auch Himmelsrichtung oder Steigung des Bodens. „Wollte man im Boden graben und Beobachtungen machen, veränderte man diese Gegebenheiten“, berichtet die Forscherin aus ihrer Arbeit an verschiedenen Handschriften. Komplexität nannte man das zwar damals noch nicht. „Aber es werden andere Formulierungen der Ratlosigkeit gefunden.“
Wie viel Komplexität muss man Menschen zumuten?
Susanne Fengler und das Team der Journalistik an der TU Dortmund richten den Blick auf gegenwärtige Reaktionen auf Komplexität: Der Journalismus ist seit jeher gehalten, sie zu reduzieren. Aber kann er dann noch der Sache gerecht werden? Verzerrt die Vereinfachung nicht eher den Blick auf komplexe Sachverhalte, etwa Migration? Wie viel Komplexität muss man Menschen zumuten? „Da hat der Journalismus dasselbe Problem wir die Politik", sagt die Forscherin.
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