Der nächtliche Blick auf die Erde erfasst anhand der künstlichen Lichtemissionen die menschlichen Aktivitäten auf der östlichen Hemisphäre des Planeten. Das Bild basiert auf Satellitenaufnahmen, die in den vergangenen zehn Jahren täglich aufgenommen wurden, und bildet die Dynamik der nächtlichen menschlichen Aktivitäten ab: Goldene Bereiche weisen eine Zunahme der Helligkeit auf, violette Bereiche eine Abnahme und weiße Bereiche beides.

© Michala Garrison/NASA Earth Observatory

Geografie

Satelliten erfassen den leuchtenden Puls der menschlichen Zivilisation

Die Corona-Lockdowns und die Energiesparmaßnahmen aufgrund es Ukraine-Kriegs haben Europa sichtlich gedimmt. Das zeigt eine neue Auswertung von Satellitendaten.

Aus großer räumlicher und zeitlicher Entfernung betrachtet nimmt das nächtliche Leuchten bewohnter Bereiche der Erde stetig zu. Wie schwankend dieses Leuchten in Wirklichkeit ist, hat ein Forschungsteam der University of Connecticut gemeinsam mit der NASA und weiteren Forschenden in den USA und Deutschland anhand einer neuen Analyse von Satellitendaten gezeigt. „Zum ersten Mal wurden zu diesem Zweck auf globaler Ebene tägliche Satellitenbilder verwendet“, sagt Prof. Dr. Christopher Kyba, Professor für Nachtlichtfernerkundung an der Ruhr-Universität Bochum, der an der Studie beteiligt war. Die Daten zeigen erneut, dass die Lichtemissionen insgesamt zwar zugenommen haben. Doch die wichtigste neue Erkenntnis ist, dass Schwankungen sehr häufig vorkommen und nicht nur auf Faktoren wie die COVID-19-Lockdowns oder den Krieg in der Ukraine zurückzuführen sind. Die Forschenden berichten in der Zeitschrift Nature vom 8. April 2026.

Die Auswertung der Daten des Satelliteninstruments VIIRS DNB aus den Jahren 2014 bis 2022 zeigen, dass die nächtliche Beleuchtung global um rund zwei Prozent pro Jahr zunimmt. „Zwar ist weltweit ein Anstieg von insgesamt 16 Prozent zu verzeichnen, doch das bedeutet nicht, dass es überall zu einer Aufhellung kommt“, erklärte Christopher Kyba. „In den Gebieten, in denen eine Aufhellung zu beobachten ist, stiegen die Emissionen um 34 Prozent. Dies wurde durch einen Rückgang der Emissionen um 18 Prozent in anderen Gebieten ausgeglichen.“ Damit war die Zu- und Abnahme der Beleuchtung wesentlich dynamischer als zuvor angenommen. Während China und Indien durch die Urbanisierung im Auswertungszeitraum immer heller leuchteten, nahm die Beleuchtung in anderen Industriestaaten eher ab, weil sie zum Beispiel auf LED-Beleuchtung umstellen oder die nächtliche Beleuchtung regulieren, um Lichtverschmutzung einzudämmen.

Und noch ein anderer, sehr frischer Blick von weit oben: Der NASA-Astronaut und Kommandant der Mission Artemis II, Reid Wiseman, hat dieses Foto der Erde aus dem Fenster des Raumschiffs Orion aufgenommen.

© NASA / Reid Wiseman / Daniel Fischer

Ein dramatischer Rückgang der Beleuchtung war in der Ukraine nach Beginn der russischen Angriffe zu beobachten. Aber auch Frankreich leuchtet nachts deutlich schwächer (minus 33 Prozent), da viele Kommunen dort nach Mitternacht die nächtliche Straßenbeleuchtung abschalten, um Energie zu sparen und Lichtverschmutzung zu vermeiden. „In Deutschland blieben die Lichtemissionen trotz lokaler Veränderungen insgesamt konstant“, berichtet Kyba. „Während in einigen Gebieten des Landes die Lichtemissionen um 8,9 Prozent anstiegen, sanken sie in anderen Gegenden um 9,2 Prozent ab.“ Insgesamt ging das nächtliche Leuchten in Europa um vier Prozent zurück – wobei dieser kleine Rückgang nicht ganz den menschlichen Eindruck widerspiegelt, da es Unterschiede zwischen der Empfindlichkeit von Satelliten und dem menschlichen Sehvermögen gibt.

Erste globale Auswertung in voller Auflösung

Möglich wurden diese Erkenntnisse durch die Auswertung von auf einzelne Tage bezogenen Daten. Bisherige Beobachtungen basieren auf monatlicher oder jährlicher Auswertung, wodurch es aufgrund instrumenteller Faktoren schwieriger war, Veränderungen zu erkennen und zu messen. „Bislang wurde noch keine globale Analyse unter Verwendung der nächtlichen Daten in voller Auflösung durchgeführt“, unterstreicht Kyba. Zudem basiert die aktuelle Analyse auf einem eigens entwickelten Algorithmus, der den Blickwinkel des Satelliten mit einrechnet: Wenn man ein Wohngebiet von der Seite betrachtet, wirkt es heller, als wenn man direkt von oben darauf herabblickt; in Stadtzentren ist es meist umgekehrt. Schwankungen der Position des Satelliten, die seinen Blickwinkel verändern, wurden somit erstmals berücksichtigt. 

Der Satellit

Die in der Studie ausgewerteten Daten stammen vom Instrument „Visible Infrared Imaging Radiometer Suite (VIIRS) Day/Night Band“ (DNB) aus Satelliten Suomi NPP, NOAA-20 und NOAA-21 der amerikanischen Behörden NOAA und NASA. Der Satellit beobachtet nach Mitternacht, gewöhnlich zwischen ein und vier Uhr örtlicher Zeit. Er erfasst nächtlich den gesamten Planeten zwischen 70° Nord und 60° Süd. Ein einzelnes Satellitenpixel deckt eine Fläche von etwa 0,5 Quadratkilometern ab. In dieser Analyse wurden nur Gebiete mit künstlichem Licht untersucht; Waldbrände und Polarlichter werden vom Satelliten erfasst, wurden aus der Analyse aber ausgeschlossen.

Ein neuer Satellit für Europa

„Künstliches Licht ist nachts ein wichtiger Stromverbraucher, und Lichtverschmutzung beeinträchtigt Ökosysteme“, sagt Christopher Kyba. „Es ist wichtig zu verstehen, wie sich beides verändert.“ Er leitet ein Team, das der Europäischen Weltraumorganisation ESA einen hochmodernen europäischen Satelliten zur Beobachtung des nächtlichen Lichts als „Earth Explorer 13“ vorschlagen wird. Dieser neue Satellit würde wesentlich empfindlichere Beobachtungen liefern als bestehende Satelliten und dank seiner hohen Auflösung die Unklarheiten darüber, was sich genau verändert, erheblich verringern. „Während die USA und China über Satelliten verfügen, die das nächtliche Licht beobachten, gibt es in Europa derzeit keinen Satelliten, der für diesen Zweck ausgelegt ist“, so Kyba.

Förderung

Die Arbeit wurde durch die Programme Terra, Aqua, Suomi-NPP und NOAA-20 der NASA (Förderkennzeichen 80NSSC22K0199) sowie durch das Programm „Remote Sensing Theory for Earth Science“ der NASA (Förderkennzeichen 80NSSC20K1748) unterstützt. Christopher Kyba wurde durch das Programm „New Earth Observation Mission Ideas“ der Europäischen Weltraumorganisation ESA (Vertrag 4000139244/22/NL) und durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt (Fördernummer 545098235). Die Rechenarbeiten für das Projekt wurden unter Verwendung von Ressourcen des Storrs High-Performance-Computing-Clusters durchgeführt.

Originalveröffentlichung

Tian Li, Zhuosen Wang, Christopher C. M. Kyba, Miguel O. Román, Karen C. Seto, Yun Yang, Shi Qiu, Theres Kuester, Michail Fragkias, Xiang Chen, Thomas H. Meyer, Chadwick D. Rittenhouse, Xiaonan Tai, Mari Cullerton, Falu Hong, Ashley Grinstead, Kexin Song, Ji Won Suh, Xiucheng Yang, Virginia L. Kalb, Chengbin Deng & Zhe Zhu: Satellite imagery reveals increasing volatility in human night-time activity, in Nature, 2026, DOI: 10.1038/s41586-026-10260-w

Pressekontakt

Prof. Dr. Christopher Kyba
Nachtlichtfernerkundung
Fakultät für Geographie und Geowissenschaften
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 32 18088
E-Mail: christopher.kyba@ruhr-uni-bochum.de

Prof. Dr. Zhe Zhu
Remote Sensing
Department of Natural Resources & the Environment
University of Connecticut
USA
Tel. +1 860 486-6885
E-Mail: zhe@uconn.edu

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Veröffentlicht

Mittwoch
08. April 2026
18:20 Uhr

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