Eröffnung

Neues Zentrum für Psychologie und Translationale Neurowissenschaften

Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen Gehirn, Körper und Verhalten besser zu verstehen und diese Erkenntnisse für Krankheitsprävention und Therapie nutzbar zu machen.

Am 13. Mai 2026 fand das Eröffnungssymposium des Zentrums für Medizinische Psychologie und Translationale Neurowissenschaften in Bochum statt. Es verstärkt Forschung, Lehre und Versorgung rund um Schmerz, Furcht und Lernen, Placebo- und Noceboeffekte, Einsamkeit, Stress und Trauma. Zur Gründung dieses neuen Zentrums veranstaltete das Gründungsdirektorium Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch, Prof. Dr. Adriane Icenhour und Prof. Dr. Dirk Scheele von der Ruhr-Universität Bochum ein fachübergreifendes Symposium an der Jahrhunderthalle Bochum. Mit rund 100 geladenen Gästen aus der Medizin, der Psychologie und den Neurowissenschaften bot die Veranstaltung ein vielseitiges Programm aus Fachvorträgen von international bekannten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaflern, Posterbeiträgen und wissenschaftlichem Austausch zu den fachlichen Schwerpunkten des Zentrums. 

Mechanismen der Wahrnehmung und Schmerzmodulation

An der Schnittstelle von Medizinischer Psychologie und Neurowissenschaften entsteht an der Ruhr-Universität Bochum das Zentrum für Medizinische Psychologie und Translationale Neurowissenschaften. Es vereint drei Abteilungen, die in Forschung, Lehre und klinischer Versorgung ein gemeinsames, integratives Konzept verfolgen. Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen Gehirn, Körper und Verhalten besser zu verstehen und diese Erkenntnisse für Krankheitsprävention und Therapie nutzbar zu machen.

Im Fokus der Forschung stehen Mechanismen der Wahrnehmung und Schmerzmodulation, Furchtlernen und Extinktionsprozesse, Placebo- und Noceboeffekte sowie soziale Bindung, Einsamkeit, Stress und Trauma. Um diese komplexen Zusammenhänge zu erforschen, kombiniert das Zentrum experimentelle Ansätze mit aktuellen neurowissenschaftlichen Verfahren wie struktureller und funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT), funktioneller Nahinfrarotspektroskopie (fNIRS), quantitativer Magnetresonanzspektroskopie (qMRS) und transkranieller Hirnstimulation. Diese Methoden werden mit psychophysiologischen Messungen und Ansätzen der Psychoneuroendokrinologie und -immunologie integriert. Ergänzt wird das Methodenspektrum durch experimentelle Schmerzmodelle und differenzierte Verhaltensmaße, die sowohl bei gesunden Proband*innen als auch bei klinischen Stichproben von Patient*innen, insbesondere mit chronischen Schmerzen, zum Einsatz kommen.

Klinische Versorgung verstärken

Neben der Forschung baut das Zentrum auch den Bereich der klinischen Versorgung aus. Mit der neu etablierten Hochschulambulanz für Psychotherapie (Schwerpunkt kognitive Verhaltenstherapie, insbesondere bei chronischen Schmerzen) wird die enge Verzahnung von Forschung und klinischer Anwendung weiter gestärkt. Die Ambulanz bietet nicht nur eine verbesserte Versorgung, sondern ermöglicht auch die systematische Untersuchung von Krankheitsverläufen, die Analyse von Therapieantworten und die gezielte Weiterentwicklung evidenzbasierter Behandlungsansätze.

Ergänzend bietet eine integrierte psychologische Studierendenberatung dezidiert Unterstützung für Medizinstudierende in Belastungssituationen.

Akademische Lehre

Auch die universitäre Lehre ist ein integraler Bestandteil des Zentrums und fest im integrierten Reformstudiengang Medizin (iRM) verankert. Sie vermittelt eine bio-psycho-soziale Perspektive auf Gesundheit und Krankheit und verbindet theoretische Grundlagen mit praxisnaher Reflexion. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Arzt-Patienten-Interaktion sowie der Bedeutung psychosozialer Faktoren im medizinischen Alltag.

Kooperationspartner

Das Zentrum bildet sich aus dem Zusammenschluss der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie (Leitung: Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch), der Abteilung für Affektive Neurowissenschaften (Leitung: Prof. Dr. Adriane Icenhour) sowie der Abteilung für Soziale Neurowissenschaften (Leitung: Prof. Dr. Dirk Scheele), die zugleich zum Research Center One Health Ruhr gehört.

Veröffentlicht

Montag
18. Mai 2026
13:37 Uhr

Von

Philipp Blömeke
Meike Drießen

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