Immunfluoreszenzbilder des HEV-Eintritts: Hepatitis-E-Virus-RNA (rot), endolysosomale Kompartimente (grün) und Zellkerne (blau).

© Molekulare und Medizinische Virologie

Virologie

Neuer zellulärer Angriffspunkt verhindert Hepatitis-E-Infektion 

Statt das Virus direkt anzugreifen, setzt die Verbindung bei der Wirtszelle an und verhindert die Infektion.

Ein internationales Forschungsteam hat einen vielversprechenden neuen Ansatz zur Behandlung von Infektionen mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV) identifiziert. Im Zentrum der Studie steht der Wirkstoff Apilimod, der gezielt den Eintritt des Virus in menschliche Leberzellen blockiert und damit eine Infektion bereits in einem frühen Stadium unterbindet. Der Wirkstoff richtet sich gegen einen Mechanismus der Wirtszelle, sodass die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass das Virus dagegen Resistenzen entwickelt. Apilimod ist bereits klinisch untersucht. Das könnte seine Weiterentwicklung zu einem Medikament gegen Hepatitis E beschleunigen. Die Studie, an der die Abteilung Molekulare und Medizinische Virologie der Ruhr-Universität Bochum beteiligt ist, ist in der Zeitschrift eGastroenterology vom 31. März 2026 veröffentlicht. 

Ein unabdingbares Enzym

Um sich zu vermehren, muss ein Virus zunächst in eine Wirtszelle eindringen. Genau an diesem Punkt setzt die Studie an: Die Forschenden untersuchten gezielt Prozesse der Wirtszellen, die HEV für eine erfolgreiche Infektion benötigt. Dabei identifizierten sie das Enzym PIKfyve als entscheidenden Faktor für den Viruseintritt. PIKfyve spielt eine zentrale Rolle in intrazellulären Transportprozessen, insbesondere im endolysosomalen System – einem Netzwerk von Zellkompartimenten, das von vielen Viren als Eintrittsweg genutzt wird.

In ihren Experimenten identifizierten die Forschenden den PIKfyve-Inhibitor Apilimod als besonders wirksam. Der Wirkstoff verhinderte effizient das Eindringen des Virus in die Zellen. Im Gegensatz zu klassischen antiviralen Substanzen greift Apilimod nicht direkt das Virus an, sondern blockiert einen zellulären Mechanismus, den das Virus für sich nutzt. „Das ist ein entscheidender Vorteil“, sagt Koautorin Sarah Schlienkamp. „Da wir auf einen Wirtsfaktor abzielen, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass das Virus Resistenzen entwickelt“, ergänzt Koautor Julian Ring.

Sicherer und verträglicher Wirkstoff

Die Wirksamkeit von Apilimod wurde in verschiedenen Modellsystemen bestätigt – darunter Zellkulturen, primäre menschliche Leberzellen sowie ein Tiermodell mit infizierten Ratten. In allen Versuchen konnte die Viruslast deutlich reduziert werden.

„Besonders interessant ist, dass Apilimod bereits klinisch untersucht wurde und ein bekanntes Sicherheitsprofil besitzt“, betont Koautorin Maria Darido. „Das könnte die Weiterentwicklung für die Behandlung von Hepatitis E erheblich beschleunigen.“

Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass die Hemmung von PIKfyve gezielt den Viruseintritt unterbindet, ohne zentrale Zellfunktionen wesentlich zu beeinträchtigen. Dies spricht für eine potenziell gute Verträglichkeit – ein wichtiger Aspekt für zukünftige klinische Anwendungen.

Insgesamt unterstreichen die Befunde das Potenzial von Therapien, die gegen Wirtsfaktoren gerichtet sind. Statt das Virus selbst anzugreifen, zielen diese Strategien auf zelluläre Prozesse ab, die für die Virusinfektion essenziell sind. Dadurch könnten sie auch gegenüber neu auftretenden Virusvarianten wirksam bleiben.

Künftige Studien müssen nun klären, inwieweit sich die vielversprechenden Ergebnisse in klinische Anwendungen übertragen lassen.

Hepatitis E

Das Hepatitis-E-Virus zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen akuter viraler Hepatitis. Besonders gefährdet sind immungeschwächte Personen sowie Schwangere, bei denen schwere Krankheitsverläufe auftreten können. Die therapeutischen Möglichkeiten sind bislang eingeschränkt: Der derzeit eingesetzte Wirkstoff Ribavirin ist nicht für alle Patientinnen und Patienten geeignet und kann zudem erhebliche Nebenwirkungen verursachen.

Förderung

Die Arbeiten wurden gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung, die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung und die Ruhr-Universität Bochum im Rahmen des InnovationsFoRUM. 

Originalveröffentlichung

Julian J. Ring et al.: Phosphoinositide Kinase PIKfyve Inhibitor Apilimod Blocks Hepatitis E Virus Infection, in eGastroenterology, 2026, DOI: 10.1136/egastro-2025-100348 

Pressekontakt

Dr. Yannick Brüggemann
Molekulare und medizinische Virologie
Medizinische Fakultät
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 32 24692
E-Mail: yannick.brueggemann@ruhr-uni-bochum.de

Download hochauflösender Bilder
Der Download der gewählten Bilder erfolgt als ZIP-Datei. Bildzeilen und Bildnachweise finden Sie nach dem Entpacken in der enthaltenen HTML-Datei.
Nutzungsbedingungen
Die Verwendung der Bilder ist unter Angabe des entsprechenden Copyrights für die Presse honorarfrei. Die Bilder dürfen ausschließlich für eine Berichterstattung mit Bezug zur Ruhr-Universität Bochum verwendet werden, die sich ausschließlich auf die Inhalte des Artikels bezieht, der den Link zum Bilderdownload enthält. Mit dem Download erhalten Sie ein einfaches Nutzungsrecht zur einmaligen Berichterstattung. Eine weitergehende Bearbeitung, die über das Anpassen an das jeweilige Layout hinausgeht, oder eine Speicherung der Bilder für weitere Zwecke, erfordert eine Erweiterung des Nutzungsrechts. Sollten Sie die Fotos daher auf andere Weise verwenden wollen, kontaktieren Sie bitte redaktion@ruhr-uni-bochum.de

Veröffentlicht

Donnerstag
23. April 2026
09:20 Uhr

Teilen