Public History
Untertage, Übertage, Heutzutage – Unterwegs im Ruhrgebiet
Der 10. Public History-Jahrgang beschäftigt sich im Kontext des Projekts AKTIV mit den facettenreichen Folgen rund um den Ruhrbergbau und bringen so bislang verborgene Geschichten zu Tage.
„Ziel des Lehr-Lern-Forschungsprojekts AKTIV ist es, die Studierenden für die Geschichte vor der eigenen Haustür zu sensibilisieren und sie zu ermutigen, ihre Umgebung lesen zu lernen“, so Projektleiterin Jana Lena Jünger. Gemeinsam mit ihrem Projektpartner Stefan Zeppenfeld warb sie 2025 über die Freiraum-Förderung25 der Stiftung Innovation Hochschullehre Mittel für dieses Projekt ein, welches nun schon auf die zweite erfolgreiche Abendveranstaltung zurückblicken kann. Die Ergebnisse des ersten Semesters wurden im Frühjahr auf dem Gelände des Umspannwerkes Recklinghausen präsentiert.
Verborgenes ans Tageslicht holen
Das Projekt AKTIV umfasst insgesamt vier Semester und läuft noch bis März 2027. Studierende wählen aus den verschiedenen geschichtswissenschaftlichen Studiengängen Orte mit vom Ruhrbergbau geprägter Vergangenheit aus, beleuchten diese und holen dabei verborgene Geschichten ans Tageslicht. „Wir wollen Leerstellen sichtbar machen und bestehende Narrative ergänzen.
Neben der dominanten Meistererzählung vom wirtschaftlichen Strukturwandel und weithin sichtbaren Monumenten der Industriekultur wie etwa der Zeche Zollern, gibt es so viele unbekannte Orte und Narrative – denken wir an den Bereich Umweltgeschichte oder Gendergeschichte – die viel zu lange nicht erzählt wurden. Etwa solche, die nicht stark männlich geprägt sind oder unmittelbar mit Kohle und Stahl zu tun haben“, führt Jünger aus. Dabei kommen unter anderem Fragen auf wie: „Was erzählt ein ehemaliges Kaufhaus über den Strukturwandel in Bochum?“ oder „Wie kommt eine Autobahn in eine Kleingartenanalage?“.
Großes Interesse der Öffentlichkeit
Bei den Menschen im Ruhrgebiet stößt das Projekt auf großes Interesse: Mehr als 120 Interessierte kamen zur Abendveranstaltung auf Zeche Zollern in Dortmund, die aus einer mehreren Podiumsgesprächen sowie einer anschließenden Posterausstellung bestand. Auch Jana Golobek und Anne Kugler-Mülhofer, die Leiterinnen der Zeche Zollern, begrüßen das Projekt sehr und äußerten großes Interesse an der studentischen Forschung.
Durch den Abend geführt hat Markus Dichmann, bekannt aus dem Podcast „Eine Stunde History“. Als Moderator der Podiumsgespräche ließ er die Studierenden mit ihren jeweiligen Forschungsergebnissen, die inhaltlich von Backstube bis Grubenpferd reichten, zu Wort kommen.
Die bunte Auswahl der Themen kommt durch die selbstständige Wahl der Studierenden zustande, bei denen das Interesse teils aus der eigenen Biografie, der direkten Umgebung oder dem Wunsch, die Geschichte mit migrantischen und weiblichen Perspektiven zu diversifizieren, entsteht. Bei Currywurst und Schorle konnten die Gäste im Anschluss an die Podiumsgespräche mit den Studierenden ins Gespräch kommen und mehr über die jeweilige Forschung erfahren.
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