Kunstpreis

Zwei Werke prämiert

Annemarie Faupel und Andreas Jonak teilen sich den diesjährigen „FBZ art award“.

Am 8. Juli 2026 wurde im Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit (FBZ) der RUB zum neunten Mal der „FBZ art award“ verliehen. Er ging an Annemarie Faupel aus München mit ihrem Gemälde „fade“ und Andreas Jonak aus Düsseldorf mit seiner Skulptur „two or one“. Die beiden erhalten mit 5.000 Euro je die Hälfte des mit 10.000 Euro dotierten Preises.

Insgesamt hatten sich 409 Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland und dem europäischen Ausland um den Preis beworben. Eine Jury hat alle Arbeiten bewertet und zunächst eine Vorauswahl getroffen. 15 Kunstwerke – von Gemälden über Fotografien bis hin zu spektakulären Installationen – haben es dadurch auf die Shortlist geschafft. Diese Arbeiten sind bis zum 31. Juli 2026 in den Räumen des FBZ im Bochumer Fenster (Massenbergstraße) zu sehen.

Geführte Rundgänge

Da der „FBZ art award 2026“ psychische Störungen von ihrem Stigma befreien soll, findet die Ausstellung im laufenden Betrieb der Psychotherapie-Ambulanzen des FBZ statt. Wer sie bei einem geführten Rundgang anschauen möchte, meldet sich per E-Mail an fbz-art-award@rub.de oder unter Tel. +49 234 3223169.

Über die prämierten Kunstwerke

Annemarie Faupels ausgezeichnete Arbeit ist ein Aktbild, das die Großmutter der Künstlerin zeigt. Die Darstellung des nackten Körpers fördere die Spuren eines langen Lebens zutage, ohne zu sentimentalisieren, erläuterte Jurymitglied Dr. Alexia Pooth in ihrer Laudatio. „Die Künstlerin verlangt von uns den Mut, einem Menschen zu begegnen, den wir in unserer auf Jugend und Perfektion ausgerichteten Bildkultur allzu oft übersehen“, betonte die wissenschaftliche Leiterin der RUB-Kunstsammlungen. Mit seinem Verweis auf Altern und Vergänglichkeit erinnere das Kunstwerk zugleich an die Endlichkeit des Lebens – „doch nicht mit Pathos oder Schrecken, sondern leise und mit großer emotionaler Kraft“, so Pooth.

Demgegenüber schlage Andreas Jonak – zumindest auf den ersten Blick – den entgegengesetzten Weg ein. Sein Werk „two or one" besteht aus zwei technisch anmutenden Objekten, die – dicht nebeneinanderstehend – von einem Stoff umhüllt wurden. „Wir sehen nicht, was unter der Hülle verborgen liegt“, erklärte Alexia Pooth. „So bleibt uns nichts Anderes übrig, als zu versuchen, das Unsichtbare aus dem Sichtbaren zu erschließen.“ Genau darin liege die Stärke von „two or one": „Indem etwas entzogen wird, beginnt der Betrachter, es innerlich zu ergänzen. Das Werk entsteht so ein zweites Mal – nämlich im Kopf der Betrachtenden.“

Die Jury habe vor allem der Dialog der beiden gegensätzlichen Kunstwerke überzeugt: „Die eine Arbeit schenkt uns Nähe. Die andere schafft Distanz. Die eine berührt uns emotional. Die andere fordert uns intellektuell heraus. Und gerade deshalb ergänzen sie einander auf wunderbare Weise“, sagte Pooth.

Veröffentlicht

Freitag
10. Juli 2026
11:19 Uhr

Von

Anne Petersohn
Arne Dessaul (ad)

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