Jeder Mensch hat seine eigene Perspektive auf die Dinge. Ein „normal" gibt es vielleicht gar nicht. 

© RUB, Marquard

Moodle-Kurs

Einladung zum Perspektivwechsel

Wie erleben autistische Studierende und Mitarbeitende den Hochschulalltag? Ein neuer Moodle-Kurs lädt dazu ein, Autismus aus der Innenperspektive kennenzulernen und Hochschule aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Vielfalt gehört zum menschlichen Zusammenleben, auch in der Hochschule. Wer sie so mitgestalten will, dass alle dazugehören, sollte diese Vielfalt verstehen und anerkennen. In einem neuen Selbstlernkurs in Moodle können alle mehr über Neurodiversität lernen – also über neurologische Unterschiede in Wahrnehmung, Denken und Fühlen. Der Fokus liegt auf Autismus. 

Der Kurs, den Robin Bleser, Dr. Sabrina Fuths und Clara Birkenstaedt entwickelt haben, lädt dazu ein, die Perspektiven autistischer Studierender und Mitarbeitender auf den Hochschulalltag kennenzulernen. Grundlage sind zahlreiche Gespräche mit autistischen Studierenden und Mitarbeitenden der Ruhr Universität. Sie berichten von ihren Erfahrungen, ihrer Wahrnehmung, ihrem Denken und Fühlen sowie von den Barrieren, denen sie im Hochschulalltag begegnen. Gleichzeitig zeigen sie auf, welche Veränderungen zu mehr Teilhabe und einer inklusiveren Hochschule beitragen können.

Ausgangspunkt des Kurses ist das Paradigma der Neurodiversität. Es versteht neurologische Unterschiede als natürlichen Teil menschlicher Vielfalt und geht davon aus, dass alle Menschen Informationen auf unterschiedliche Weise wahrnehmen, verarbeiten und erleben. Einige Menschen, beispielsweise autistische Personen, weisen dabei eine neurodivergente Informationsverarbeitung auf, die sich von der neurotypischen Mehrheit unterscheidet. Autismus wird in diesem Kurs daher nicht als Diagnose oder Störung betrachtet, sondern als Ausdruck neurologischer Vielfalt.

Was sind die Inhalte des Kurses?

Der Selbstlernkurs umfasst fünf aufeinander aufbauende Stationen und verbindet wissenschaftliche Grundlagen mit den Erfahrungen autistischer Studierender und Mitarbeitender der Ruhr Universität.

Zu Beginn führt der Kurs in das Paradigma der Neurodiversität ein und setzt sich mit unterschiedlichen Perspektiven auf Behinderung auseinander. Dabei wird unter anderem die historische Entwicklung des Autismusverständnisses in den vergangenen 100 Jahren nachgezeichnet. In der zweiten Station steht die Wahrnehmung autistischer Menschen im Mittelpunkt. Anhand aktueller Informationsverarbeitungstheorien wird verständlich, warum bestimmte Situationen im Hochschulalltag herausfordernd sein können, gleichzeitig werden aber auch spezifische Stärken und Potenziale autistischer Menschen sichtbar.

Die dritte Station widmet sich den Barrieren, denen autistische Studierende und Mitarbeitende an Hochschulen begegnen können. In der vierten Station geht es um Autismus und psychische Gesundheit. Da viele autistische Menschen zusätzlich psychische Belastungen erleben, wird der Frage nachgegangen, welche Rolle Umweltbedingungen dabei spielen und wie psychische Gesundheit gefördert werden kann. Die abschließende Station richtet den Blick in die Zukunft. Sie zeigt konkrete Möglichkeiten auf, wie Mitstudierende und Lehrende dazu beitragen können, Barrieren abzubauen und die Ruhr Universität zu einem inklusiveren Ort zu machen, an dem autistische Menschen ihr Potenzial entfalten können.

Für wen ist der Kurs gedacht? 

Der Kurs richtet sich an Lehrende, die inklusivere Lehre gestalten wollen, Studierende, die sich für Neurodiversität interessieren und Mitarbeitende in Technik und Verwaltung, die Barrieren abbauen möchten. Zur Teilnahme sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Nach Durchführung erhalten Teilnehmende ein Zertifikat.

Veröffentlicht

Freitag
31. Juli 2026
09:46 Uhr

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