3G-Kontrollen entfallen zwar, es soll jedoch weiterhin regelmäßig getestet werden. © RUB, Marquard

Medizin Bochumer Universitätsmedizin gegen Covid-19

Die Kliniken sind an vier nationalen Verbundprojekten beteiligt, die Wissen rund um das Virus sammeln und organisieren.

Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko für Sars-Cov-2 bei Veranstaltungen oder in studentischen Wohnheimen? Welche Rolle spielen gesellschaftliche Faktoren? Lassen sich Langzeitfolgen vorhersagen? Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt von vier Projekten des Nationalen Forschungsnetzwerks der Universitätsmedizin, kurz NUM, an denen Kliniken der RUB beteiligt sind. Insgesamt erhalten die Forscherinnen und Forscher dafür rund 1 Million Euro Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

„Das NUM ist ein Großprojekt mit einem gänzlich neuen Ansatz. Im Gegensatz zu den meisten Fördermaßnahmen liegt der Fokus nicht etwa auf kompetitiver Forschung, sondern ganz klar auf kooperativen und strukturbildenden Projekten. Denn nur durch optimale Abstimmung und Zusammenarbeit können wir der aktuellen Corona-Pandemie schnell und effektiv entgegentreten“, so Prof. Dr. Eike Steinmann, NUM-Koordinator in Bochum und Inhaber des Lehrstuhls Molekulare und Medizinische Virologie.

Das Nationale Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin NUM

Unter dem Dach des Netzwerks vereinen die 34 deutschen Uni-Klinika ihre Expertise. Konkret bedeutet das beispielsweise, dass alle Uni-Klinika die Daten ihrer Covid-19-Patienten systematisch erfassen und in eine gemeinsame Datenbank einpflegen. Das geteilte Wissen und der aktive Austausch untereinander sollen dazu beitragen, die Versorgung von Menschen mit einer Sars-Cov-2-Infektion schnell zu verbessern und das medizinische Personal bestmöglich zu schützen. Die 13 geförderten Verbundprojekte wurden aus Hunderten eingereichter Vorschläge ausgewählt. Koordiniert wird das NUM von der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Wohnheime und Veranstaltungen

Im NUM-Verbundprojekt „B-FAST“ wollen die Forschenden ergründen, wie es um das Ansteckungsrisiko mit Sars-Cov-2 bestellt ist, wenn Menschen eng zusammenleben wie in Studierendenwohnheimen oder wenn sie Veranstaltungen wie Theater- und Musikveranstaltungen oder Sportevents wie Fußball-Bundesligaspiele besuchen. Die Testung in Bochumer Wohnheimen ist bereits angelaufen. „Über 800 Bochumer Studierende haben sich zur Teilnahme bereiterklärt und werden seit mehr als zwei Monaten regelmäßig von uns untersucht. Wir erwarten interessante Erkenntnisse über das Infektionsgeschehen in dieser uns besonders am Herzen liegenden Gruppe“, so Projektkoordinator Prof. Dr. Wolfgang Schmidt, Internist und Infektiologe am Universitätsklinikum St. Josef Hospital.

Daten sammeln und auswerten

Bei zwei weiteren Projekten geht es vor allem um die Sammlung von Daten von Covid-19-erkrankten Patienten. Im Nationalen Pandemie-Kohorten-Netz, kurz Napkon, in Bochum ebenfalls geleitet von Wolfgang Schmidt, werden qualitativ hochwertige klinische Daten von Covid-19-erkrankten Patienten gesammelt, einschließlich Biomaterial wie etwa Blutproben. „Wir möchten noch besser verstehen, welche Menschen ein besonderes Risiko für einen schweren, lebensbedrohlichen Verlauf haben oder ob Langzeitfolgen der Erkrankung anhand bestimmter Basis-Risikofaktoren voraussagbar sind“, erläutert Schmidt das Ziel dieser bundesweit einmaligen Datensammlung zu einer bestimmten Erkrankung.

Ähnliche Ziele verfolgt das Radiological Cooperative Network, kurz Racoon, unter Bochumer Leitung von Prof. Dr. Volkmar Nicolas vom Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil. Hier werden die Ergebnisse bildgebender Untersuchungen von Covid-19-Patientinnen und -Patienten gesammelt.

Soziale Faktoren

Prof. Dr. Horst Christian Vollmar aus der Abteilung für Allgemeinmedizin der RUB ist zudem beratendes Mitglied des Methodennetzwerks zur Unterstützung von Covid-19-Forschungsprojekten bei der Messung sozialer und kontextueller Faktoren, kurz Method-Cov.

Coronaforschung an der RUB

Seit Beginn der Coronapandemie wird an der RUB zu Covid-19 geforscht –  über alle Fächergrenzen hinweg. Beteiligt sind deshalb nicht nur Medizin und Lebenswissenschaften, sondern beispielsweise auch Psychologie, Soziologie, Rechts-, Erziehungs- und Geschichtswissenschaft. Einen Überblick der Forschungsprojekte findet sich hier.

Veröffentlicht

Mittwoch
13. Januar 2021
09:16 Uhr

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