Kaid Darwiche will die enge Vernetzung zwischen universitärer Medizin und hochspezialisierter Patientenversorgung fördern.
Pneumologie
Kaid Darwiche gibt Menschen die Luft zum Atmen zurück
Der Chefarzt der renommierten Lungenklinik Hemer bringt seine Expertise im RUB-Klinikum in Forschung und Lehre ein.
Prof. Dr. Kaid Darwiche ist Spezialist für Krebserkrankungen des Brustraums. Er hat verschiedene minimalinvasive und roboterunterstützte Verfahren zu ihrer Diagnostik mitentwickelt. Diese Verfahren möchte er verfeinern und auch für die Therapie nutzen. Seine Erfahrung bringt der Chefarzt an der Lungenklinik Hemer künftig insbesondere in Forschung und Lehre am St. Josef Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, ein. Am 29. Juni 2026 wurde er zum Professor für interventionelle Endoskopie thorakaler Tumore ernannt.
Unmittelbar helfen
„Die Pneumologie ist ein spannendes Feld mit vielfältigen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten“, begründet er seine Begeisterung für das Fach. Aber noch wichtiger: Atemnot als eines der schlimmsten Symptome überhaupt lindern zu können. „Jeder weiß, dass Atemnot große Angst und Unsicherheit bedeutet“, beschreibt er. „Hier unmittelbar helfen zu können, zum Beispiel durch die Entfernung eines Tumors in den Bronchien, ist sehr befriedigend für mich als Therapeut.“
Die Verfahren zur Erkennung und Therapie solcher Tumore hat Darwiche über viele Jahre mitentwickelt. Es ist ihm ein Anliegen, sie weiter zu verfeinern. „Mit Roboterunterstützung können wir heute schon sehr kleine Tumore in der Lunge untersuchen“, erklärt er. „Es wäre wünschenswert, sie auch gleich behandeln zu können, indem wir sie direkt veröden.“ Seine Erfahrung möchte er auch Studierenden zugänglich machen. „Die Pneumologie ist im Medizinstudium unterrepräsentiert“, stellt er fest. „Es gibt zu wenige Lehrstühle für Pneumologie, sodass das Fach häufig durch andere Fachrichtungen vertreten wird.“ Daher möchte er sich für das Fach einsetzen und auch die Lehre weiterentwickeln. Zwar wird er weiterhin schwerpunktmäßig als Chefarzt der Pneumologie in der Lungenklinik Hemer tätig sein, aber insbesondere für Lehre und Forschung regelmäßig auch am Standort Bochum präsent sein und so die enge Vernetzung zwischen universitärer Medizin und hochspezialisierter Patientenversorgung fördern.
Sinnvolles Screening
Dass das Lungenkrebsscreening für bestimmte Risikogruppen 2026 in die Regelversorgung aufgenommen wurde, hält Darwiche aus Expertensicht für richtig. „Da die Lunge keine Schmerzrezeptoren hat, bemerkt man tumoröse Veränderungen nicht sofort, sodass Lungenkrebs häufig erst dann entdeckt wird, wenn es für eine Heilung zu spät ist“, sagt er. Wichtig sei es nun, Raucher*innen beziehungsweise Ex-Raucher*innen zwischen 50 und 75 davon zu überzeugen, das Vorsorgeangebot auch wahrzunehmen. Erfahrungen mit dem Screening aus England zeigen, dass 60 Prozent der dabei entdeckente Tumore Frühstadien sind, die noch heilbar sind.
Alarmierend viele Raucher
Darüber hinaus beobachtet der Mediziner mit Sorge, dass seit der Corona-Pandemie die Anzahl der Raucherinnen und Raucher wieder zunimmt, auch unter jungen Menschen. „E-Zigaretten, die genau auf die junge Zielgruppe zugeschnitten werden, sind zum einen ungesund, vor allem aber auch häufig der Einstieg ins Rauchen“, berichtet er. „50 Prozent derer, die vapen, rauchen später auch Zigaretten.“ Angesichts der Tatsache, dass in Deutschland über 50.000 Menschen jährlich an Lungenkrebs sterben, der meistens mit Rauchen in Verbindung steht, eine alarmierende Tatsache. „Hier müsste unbedingt stärker reguliert werden“, fordert er. „Es ist ein Skandal, dass wir es einer Industrie, deren Produkte bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Leben verkürzen, erlauben, Produkte für Kinder und Jugendliche herzustellen.“