SERIE Neu ernannt

Joachim Horvath war zuvor Juniorprofessor an der RUB und hat seit September 2026 eine Heisenberg-Professur.

© RUB, Marquard

Heisenberg-Professur

Joachim Horvath erforscht die Methoden der Philosophie

Mit einer allgemeinen Theorie der Methoden will der Bochumer Forscher eine Lücke in der Philosophie schließen.

Sind Sie bereit für ein Gedankenexperiment? Stellen Sie sich bitte vor, dass Sie einen Zug steuern, der außer Kontrolle gerät und nicht mehr bremsen kann. Auf dem Gleis, auf dem er fährt, sind in der Ferne fünf Arbeiter am Werk, die den Zug weder sehen noch hören. Wenn Sie nichts tun würden, würden die Arbeiter überfahren werden. Es besteht aber noch die Möglichkeit, einzuschreiten und eine Weiche so umzulegen, dass der Zug auf ein Nebengleis fährt. Dort steht ein Arbeiter, der dann sterben würde. Was ist hier moralisch das Richtige? Was ist zulässig?

Dieses Gedankenexperiment, ein sogenannter Trolley Case (Trolley bedeutet im amerikanischen Englisch Straßenbahn), steht beispielhaft für Methoden in der Philosophie – und viele dieser etablierten Methoden sind jede für sich genommen gut erforscht, nur eben nicht die allgemeinen Grundlagen von Methoden. „Es mangelt an einer allgemeinen Theorie der Methoden in der Philosophie“, sagt Prof. Dr. Joachim Horvath. Er setzt mit seiner Arbeit an diesem Manko an. Seit dem 1. September 2026 hat Horvath eine Heisenberg-Professur für Metaphilosophie und Erkenntnistheorie an der Ruhr-Universität Bochum inne. Die Professur auf Lebenszeit wird in den ersten fünf Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. 

Verlässlichkeit von Gedankenexperimenten erforscht

Zuvor war Horvath bereits acht Jahre lang Juniorprofessor an der RUB und leitete in dieser Zeit unter anderem die Emmy-Noether-Gruppe „Experimental Philosophy and the Method of Cases“, die von 2018 bis 2025 ebenfalls von der DFG gefördert wurde. Horvath und sein Team erforschten die sogenannte Methode der Fälle, deren Verlässlichkeit durch empirische Belege in die Diskussion geraten war.

Es gibt auch wesentlich esoterischere und kompliziertere oder auch abstraktere Fälle von Gedankenexperimenten.

Die Methode der Fälle ist seit der Antike zentral für die Philosophie von der Ethik bis zur Metaphysik, das eingangs geschilderte Gedankenexperiment ist prototypisch für alle Gebiete der Philosophie. „Es gibt auch wesentlich esoterischere und kompliziertere oder auch abstraktere Fälle von Gedankenexperimenten“, so Horvath über diese weit verbreitete Methode. Eine weitere ist die Argumentation. „Das ist vielleicht sogar die einzige, die bei fast allen Philosophinnen und Philosophen anerkannt ist.“

Wichtig ist die Anwendungsvoraussetzung

Gemein haben sie, dass sie nicht im luftleeren Raum existieren, sondern dass es einen Kontext und bestimmte Anwendungsvoraussetzungen gibt. „Nehmen wir an, die Methode wäre, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Das funktioniert in Amsterdam zum Beispiel sehr gut – aber in Houston, Texas, nicht wirklich. Das ist ein Beispiel dafür, dass eine Methode in einer bestimmten Umwelt oder Umgebung eben sehr gut funktioniert und in einer anderen vielleicht gar nicht oder nur ganz schlecht.“

Für solche unterschiedlichen Anwendungsvoraussetzungen sucht Horvath einen allgemeinen Ansatz. Dabei schaut er auch in die Geschichte der Philosophie auf unterschiedliche Konzeptionen von Methoden zu besonders markanten Zeitpunkten, etwa in der frühen Moderne. „Mit dem Beginn der modernen Naturwissenschaften gab es auch viel Methodendiskussion, bei Descartes zum Beispiel oder auch bei Empiristen wie Francis Bacon. Aus einer heutigen, systematischen Perspektive werde ich diese Methodenkonzeptionen analysieren und herausarbeiten, wie man sie in einen größeren Zusammenhang einordnen kann.“

Kooperation an einem der größten deutschen Philosophie-Standorte

Die Voraussetzungen sind dafür an der RUB so gut wie an kaum einem anderen Standort: „Was viele nicht wissen, ist, dass wir in Bochum in der Philosophie eine der fünf größten Universitäten in Deutschland sind“, so Horvath. „Dadurch habe ich natürlich viele Kolleginnen und Kollegen, die auch Interesse an methodischen Fragen haben. Da gibt es viele Berührungspunkte. Wenn der allgemeine Ansatz einer Methodentheorie erst einmal ein Stück weit ausgearbeitet ist, will ich auch verschiedene Fallstudien zu bestimmten Methoden oder methodischen Ansätzen machen, dafür bieten sich Kooperationen innerhalb des Fachs und auch darüber hinaus an.“

Zur Person
  • Jahrgang 1975, geboren in Nürnberg
  • 1996 bis 2000: Studium an der Hochschule der Medien Stuttgart, Fakultät für Information und Kommunikation; Abschluss: Diplom (FH)
  • 2000 bis 2006: Masterstudium, Universität Tübingen, Fachbereich Philosophie und Institut für Soziologie; Abschluss: Magister Artium
  • 2006 bis 2011: Doktorand an der Universität Tübingen (bis 2007) und an der Universität zu Köln
  • 2011: Dissertation an der Universität zu Köln mit dem Titel „In Defense of Conceptual Analysis“ (summa cum laude)
  • 2016 bis 2018: Geschäftsführer der Gesellschaft für Analytische Philosophie e.V. (GAP)
  • 2018 bis 2026: Juniorprofessor für Metaphilosophie und Experimentelle Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum
  • 2018 bis 2025: Leiter der Emmy-Noether-Gruppe „Experimental Philosophy and the Method of Cases“ an der RUB
  • Seit 1. September 2026: Professor für Metaphilosophie und Erkenntnistheorie, Institut für Philosophie II, Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft der RUB
     

Veröffentlicht

Freitag
25. September 2026
10:49 Uhr

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