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Das sogenannte Jülicher Modell macht es möglich: Ruhr-Universität Bochum und Deutsches Bergbau-Museum haben Tina Asmussen gemeinsam berufen. 

© RUB, Marquard

Geschichtswissenschaft

Tina Asmussen interessieren Menschen, Georessourcen und Umwelt

Die Wissenschaftlerin untersucht diese drei Faktoren in ihren historischen Zusammenhängen.

Seit dem 1. Oktober 2026 ist Tina Asmussen Professorin für Wissens- und Ressourcengeschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Sie wurde gemeinsam von der RUB und dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum: Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen (DBM) berufen. Am Museum leitet sie seit 2020 den Forschungsbereich Bergbaugeschichte. Die gemeinsame Berufung führt eine Zusammenarbeit fort, die bereits mit ihrer Juniorprofessur an der RUB begonnen hat.

Was die Wissens- und Ressourcengeschichte erforscht

„Ich untersuche längerfristige Zusammenhänge und historische Umbrüche in der Beziehung zwischen Menschen, Ressourcen und Umwelt – von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart“, erklärt Tina Asmussen. „Besonders interessieren mich Georessourcen: Dazu gehören mineralische Rohstoffe wie Erze ebenso wie Grundwasser. Ein wichtiges Anliegen meiner Forschung ist es, die Archive der Gesellschaft und der Natur zusammenzulesen: Schrift-, Bildquellen und Objekte ebenso wie Spuren in Landschaften und Böden.“

Was als Ressource gelte und wie diese bewertet, erschlossen und genutzt werde, sei laut Asmussen historisch wandelbar. Materialien werden erst durch bestimmte Wissensbestände, technische Praktiken und gesellschaftliche wie kulturelle Vorstellungen als Ressourcen wahrgenommen und genutzt. Zugleich beeinflussen ihre stofflichen Eigenschaften und die geologischen oder hydrologischen Bedingungen, welche Nutzungen möglich seien und welche Folgen diese haben.

Zur Person
  • 2001–2007: Studium der Allgemeinen Geschichte und Germanistik an der Universität Basel
  • 2012: Promotion an der Universität Luzern
  • 2014–2017: Postdoctoral Research Fellow am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin
  • 2017–2020: Ambizione Research Fellow des Schweizerischen Nationalfonds an der Professur für Wissenschaftsforschung, ETH Zürich
  • März bis Juni 2018: Visiting Fellow am Center for Science and Society der Columbia University, New York 
  • 2020–September 2026: Juniorprofessorin für frühneuzeitliche Bergbaugeschichte an der RUB
  • Seit 2020: Leiterin des Forschungsbereichs Bergbaugeschichte am Deutschen Bergbau-Museum Bochum
  • März bis Juni 2025: Fellowship am Forum Basiliense der Universität Basel zum Jahresthema „Leben im Anthropozän“
  • Seit 1. Oktober 2026: Professorin für Wissens- und Ressourcengeschichte an der Ruhr-Universität Bochum

Ein Beispiel für Asmussens Forschung ist das DFG/AHRC-geförderte Projekt „Toxic Heritage“, an dem sie gemeinsam mit Prof. Dr. Peter Oakley vom Royal College of Art in London arbeitet. Das Projekt untersucht, wie Bergbau, Verhüttung und ihre Rückstände die Landschaften und Lebenswelten im Harz sowie in Cornwall und West Devon langfristig verändert haben. „Bei der Vermittlung von Bergbaulandschaften als industrielles Erbe werden wirtschaftliche und technische Leistungen häufig besonders hervorgehoben“, berichtet Tina Asmussen. „Toxic Heritage erweitert diese Perspektive, indem das Projekt auch die ökologischen Veränderungen und langfristigen Folgen des Bergbaus in die Auseinandersetzung mit diesem Erbe einbezieht. Es untersucht, wie materielle Hinterlassenschaften bis heute fortwirken, und erprobt neue Wege, diese ökologischen und auch gesundheitliche Dimensionen in der Vermittlung sichtbar zu machen.“

Asmussen wirkt auch in Forschungsverbünden der RUB und des DBM mit. Unter anderem ist sie Principal Investigator im DFG-Graduiertenkolleg 2945 „Wissen – Glauben – Behaupten: Wahrheitsproduktion und Wahrheitsdurchsetzung in der Vormoderne“ sowie im Leibniz ScienceCampus „Resources in Transformation“ (ReForm). Sie engagiert sich auch intensiv für wissenschaftsgeleitetes Publizieren und Open Access und ist seit 2026 Mitglied im DFG-Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme.

Forschung, Lehre und Wissenstransfer verbinden

Die enge Verknüpfung von Forschung, Lehre und Wissenstransfer ist ein zentraler Grundsatz der akademischen Arbeit von Tina Asmussen. „Mein Büro ist am Deutschen Bergbau-Museum. Gerne führe ich Lehrveranstaltungen direkt im Museum durch: Dort lernen Studierende, objekt- und sammlungsbezogen zu forschen. Zugleich erhalten sie Einblicke in die Vermittlung von Wissen und in den Wissenstransfer an unterschiedliche Öffentlichkeiten.“

Wenn immer möglich baut Asmussen Exkursionen in ihre Lehrveranstaltungen ein. Im Blockseminar „Toxic Heritage Ruhr“ verbanden die Studierenden die in Text- und Bildquellen überlieferte Industriegeschichte der Region mit Erkundungen vor Ort. Sie nahmen Bodenproben an ehemaligen Industriestandorten, in Naturschutzgebieten oder im eigenen Kleingarten und waren mit dem Zechenförster auf Zollverein unterwegs, um Bodenbildungsprozesse und Vegetationssukzession zu studieren. „Historische Quellen liegen nicht nur in Bibliotheken und Archiven: Auch die Landschaft ist ein Archiv“, ordnet Asmussen ein. „Böden und sichtbare Spuren in der Landschaft können Hinweise auf frühere Nutzungen und ihre Folgen geben – Fragen, denen sich die Studierenden in interdisziplinärer Zusammenarbeit näherten.“

Veröffentlicht

Mittwoch
28. Oktober 2026
09:26 Uhr

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