Viele Eltern sind besorgt darüber, wie ihre Kinder soziale Medien nutzen. 

© RUB, Kramer

Psychologie

Die Mehrheit der Eltern befürwortet Social-Media-Schutz für Kinder

Eine große Befragung zeigt: Eltern machen sich Sorgen um die Social-Media-Aktivitäten ihrer Kinder. Und ihre eigene problematische Nutzung überträgt sich auf die der nächsten Generation.

Soll die Politik die Nutzung sozialer Kanäle für Kinder und Jugendliche reglementieren? Darüber wird weltweit debattiert; einzelne Länder haben bereits Maßnahmen ergriffen. Eine Studie des Deutschen Gesundheitsbarometers zeigt die Perspektive der Eltern: Die Mehrheit wünscht sich Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche wie etwa eine Altersuntergrenze für die Nutzung. „Eine verbindliche Altersbeschränkung könnte den sozialen Druck mindern, der dazu führt, dass Eltern entgegen ihrer Überzeugung ihren jungen Kindern erlauben, soziale Medien zu nutzen, weil deren Freunde dort auch aktiv sind“, meint Prof. Dr. Julia Brailovskaia vom Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit (FBZ) an der Ruhr-Universität Bochum. Daneben raten die Forschenden zu Unterstützungsmaßnahmen für besonders gefährdete Familien. 

Das Wichtigste in Kürze

  • 1.639 Elternteile wurden über die Social Media-Nutzung ihres ältesten Kindes befragt
  • Über 40 Prozent der Kinder zeigen suchtähnliches oder riskantes Verhalten
  • Mehr als drei Viertel der Kinder begannen mit unter 13 Jahren mit der Social Media-Nutzung
  • Über 80 Prozent der Eltern wünschen sich ein altersangepasstes Design der Plattformen
  • Zwei Drittel der Eltern befürworten ein generelles Social Media-Verbot unter 13
  • Drei Viertel der Eltern möchten eine begleitete Nutzung für 13- bis 15-Jährige
  • Die eigene Social Media-Nutzung der Eltern und die Ausprägung ihrer psychischen Gesundheit hängen positiv mit der Nutzung ihrer Kinder ein Jahr später zusammen.

Die Eltern

Zur Onlinebefragung im Herbst/Winter 2025 eingeladen wurden Erwachsene, die ein Jahr zuvor bereits an einer Befragung des Deutschen Gesundheitsbarometers zu ihrer eigenen Social Media-Nutzung und psychischen Gesundheit teilgenommen hatten, und minderjährige Kinder hatten. Insgesamt 1.639 Elternteile nahmen an der Befragung teil. Fast alle – 97,1 Prozent – nutzten selbst soziale Medien, im Durchschnitt etwa drei Stunden täglich. Knapp 30 Prozent der Befragten zeigten selbst suchtähnliche Symptome in Bezug auf Social Media. Etwa 15 Prozent zeigten depressive Symptome, je etwa 23 Prozent zeigten Angst- oder Stresssymptome. Die Eltern bewerteten in der Befragung die Nutzung von sozialen Medien ihres ältesten oder einzigen Kindes. 

Die Kinder

YouTube, Instagram und TikTok waren die Top drei der von den Kindern genutzten Kanäle. Etwa ein Drittel der Eltern fand, dass ihr Kind zu viel Zeit mit diesen Kanälen verbringt. Für TikTok schätzten das mehr als die Hälfte der Eltern. Über 40 Prozent der Kinder zeigten suchtähnliches oder riskantes Nutzungsverhalten. Mehr als drei Viertel der Kinder (76,5 Prozent) waren jünger als 13 Jahre, als sie mit der Nutzung von sozialen Medien begonnen hatten; über 15 Prozent sogar erst fünf Jahre alt oder noch jünger. 

Etwa die Hälfte der Eltern fand, dass ihre Kinder zu früh mit der Nutzung begonnen haben. Ebenso wünschte sich fast die Hälfte der Eltern, ihr Kind würde die Plattformen nicht nutzen. „Sie hatten dem häufig zugestimmt, weil die Freunde ihres Kindes die Plattformen ebenfalls nutzen durften“, berichtet Julia Brailovskaia. 

Welche Maßnahmen Eltern befürworten

In der Bewertung möglicher Maßnahmen, angelehnt an die Handlungsempfehlungen der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, sprachen sich über 80 Prozent der Eltern für ein altersangepasstes Design von Social Media aus. Darunter fällt zum Beispiel der Wegfall der Werbung für Alkohol und Tabak und von Features und Algorithmen, die ein Suchtverhalten fördern, wie etwa das Endlos-Scrollen und Push-Benachrichtigungen. Zwei Drittel der befragten Eltern befürwortete ein striktes Social Media-Verbot für unter 13-Jährige. Drei Viertel der Eltern befürwortete eine durch Eltern begleitete Nutzung für 13- bis 15-Jährige. Fast 80 Prozent waren dafür, dass Eltern der Erstellung eines Social Media-Accounts bei 13- bis 16-jährigen zustimmen müssten. Fast ebenso viele wünschten sich eine verpflichtende Alternskontrolle durch die Plattformbetreiber. 

Wie Eltern auf Kinder wirken

„Wir konnten durch statistische Auswertung zeigen: Je ausgeprägter das Suchtverhalten der Eltern gegenüber Social Media war und je schlechter es um ihre psychische Gesundheit bestellt war, desto stärker war die suchtartige Nutzung der Kinder“, berichtet Juila Brailovskaia. „Umgekehrt haben wir auch gesehen, dass das Suchtverhalten der Kinder schwächer war, je höher die Lebenszufriedenheit der Eltern war.“

Je stärker Angst, Depression und suchtartige Social Media-Nutzung der Eltern ausgeprägt war, desto geringer war ihre Unterstützung für politische Maßnahmen zum Schutz der Kinder, obwohl der Wunsch, ihre Kinder würden keine sozialen Medien nutzen, umso stärker war. 

Auf der Grundlage ihrer Ergebnisse sehen die Forschenden niederschwellige Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit als notwendig an, die sich insbesondere an die Gruppe besonders gefährdeter Eltern und deren Kindern richten, ebenso wie durchsetzbare Mindestaltersregelungen sowie eine altersgerechte Umgestaltung von Social Media. „Familien selbst können sich schon etwas Gutes tun, wenn alle Mitglieder ihre Social-Media-Nutzung täglich um etwa 30 Minuten reduzieren“, sagt Julia Brailovskaia. „Das schafft mehr Zeit für gemeinsames Spielen und Lesen, die eine sichere Bindung stärken.“

Das deutsche Gesundheitsbarometer

Das deutsche Gesundheitsbarometer ist eine neue bundesweite Online-Plattform, die das seelische Befinden sowie den Lebensstil in Deutschland regelmäßig erfasst. Es ist ein Frühwarnsystem für die psychische Gesundheit und hilft, passgenaue Maßnahmen bedarfsorientiert zu entwickeln. Alle sind eingeladen mitzumachen und dazu beizutragen, die psychische Gesundheit in Deutschland besser zu verstehen und gemeinsam zu verbessern.

Pressekontakt

Prof. Dr. Julia Brailovskaia
Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG), Standort Bochum-Marburg
Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit
Fakultät für Psychologie
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 32 21506
E-Mail: julia.brailovskaia@ruhr-uni-bochum.de

Prof. Dr. Silvia Schneider 
Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG), Standort Bochum-Marburg
Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit
Lehrstuhl Klinische Kinder- und Jugendpsychologie
Fakultät für Psychologie
Ruhr-Universität Bochum
E-Mail: silvia.schneider@ruhr-uni-bochum.de

Veröffentlicht

Donnerstag
16. Juli 2026
11:33 Uhr

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