In Gesteinen ist die Geschichte der Erde abgespeichert.
GeoMin-Tagung
Vom Bergbau zur Energiewende
Die geowissenschaftliche Fachtagung GeoMinBochum 2026 findet mit über 400 Teilnehmenden vom 20. bis zum 25. September 2026 an der Ruhr-Universität Bochum statt.
In über 40 Sessions und Workshops diskutieren mehr als 450 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vier Tage lang über aktuelle Forschung aus den Bereichen europäische Rohstoffpolitik, Lagerung von radioaktiven Abfällen, Geothermie, Materialwissenschaften und Klimawandel. Organisiert wird die Tagung von den großen wissenschaftlichen Fachgesellschaften aus Geologie (DGGV) und Mineralogie (DMG) gemeinsam mit der Fakultät für Geographie und Geowissenschaften der Ruhr-Universität Bochum. Ein eigener Workshop zur Lehrkräftefortbildung „System Erde“ ergänzt das wissenschaftliche Programm der Veranstaltung.
„Die Fachtagung GeoMinBochum zeigt, wie breit das Spektrum der Geowissenschaften ist und wie eng Grundlagenforschung, angewandte Forschung und aktuelle gesellschaftliche Fragen miteinander verbunden sind.“, so Prof. Dr. Adrian Immenhauser, Leiter des Organisationskomitees. „Rohstoffe, Materialien, Geothermie, Energieversorgung oder Carbon Capture and Storage sind nur einige der Themen, bei denen geowissenschaftliche Expertise gefragt ist.“
Bochum steht dabei selbst für diesen Wandel: Aus einer vom Bergbau geprägten Region ist ein wichtiger Wissenschafts- und Innovationsstandort geworden. Die GeoMinBochum unter dem Motto „Celebrating Planet Earth“ bringt diese unterschiedlichen Perspektiven zusammen und bietet Gelegenheit zum fachlichen Austausch über die Grenzen der einzelnen Disziplinen hinweg.
Highlights
Highlights der Tagung sind die vier Plenarvorträge von internationalen Spitzenwissenschaftlern, die die thematische Breite der GeoMinBochum unterstreichen:
Michiel van der Meulen (TNO Utrecht) spricht über neue Ansätze der geologischen Erkundung und Nutzung des Untergrundes und hebt zwei zentrale Aspekte der Nutzung des Untergrundes in den Niederlanden hervor. Ein erster Aspekt ist das Gleichgewicht zwischen Grundwasserschutz, Geothermie und der Speicherung von CO2 oder Wasserstoff im Untergrund. Der zweite Fokus liegt auf kritischen Rohstoffen und deren Verfügbarkeit in der Zukunft. Bisherige Ansätze lassen sich nur schwer auf die Herausforderungen der Gegenwart anwenden. Der Geologische Dienst der Niederlande strebt eine flexibilisierte Strategie an, die es ermöglicht, rasch auf eine sich verändernde geopolitische Lage zu reagieren Für uns in Deutschland eine große Chance von den Erfahrungen in den Niederlanden direkt zu profitieren.
Theresa Nohl (Universität Wien) diskutiert die grundlegende Herausforderung der präzisen Zeitbestimmung der geologischen Vergangenheit. Die Geschichte des Planeten Erde und des Lebens wird in Gesteinen aufgezeichnet, die bis heute erhalten sind. Vergleichbare Aufzeichnungen bestehen auch auf erdähnlichen Planeten unseres Sonnensystems. Allerdings ist dieses Gesteins-Archiv unvollständig erhalten und wird durch Veränderungen nach der Ablagerung überprägt. Somit erinnert diese „Bibliothek der Erde” an ein lückenhaftes Archiv, dessen Bruchstücke durch Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftler in akribischer Arbeit zusammengetragen und ergänzt werden müssen. Die Wissenschaftlerin berichtet von ihren neuartigen Ansätzen, wie die Geschichte unseres Planeten besser gelesen und interpretiert werden kann.
Paolo Sossi (ETH Zürich) zeigt, warum die sehr frühe Entwicklungsphase des Planeten Erde dazu geführt hat, dass die Erde heute Leben ermöglicht, während die erdähnlichen Nachbarplaneten im Sonnensystem entweder sehr heiß oder sehr kalt, trocken und lebensfeindlich sind. Um diese Fragen zu klären, verwendet er komplexe geochemische Ansätze, um die frühen Phasen in der Planetenentwicklung und der Atmosphäre zu rekonstruieren.
Christopher Kyba (Ruhr-Universität Bochum) widmet sich sehr grundsätzlichen Fragen und schlägt in seinem Vortrag einen weiten Bogen der Astronomie, Biologie, Erdwissenschaften und Physik einschließt. Als Nachtlichtforscher spricht er über die Rolle von Licht, oder vielmehr Photonen, den kleinsten, unteilbaren Einheiten der elektromagnetischen Strahlung, die von der Sonne ausgeht und von uns als Licht oder Wärme empfunden werden. Der Wissenschaftler nimmt die Zuhörer auf eine Reise mit, die grundlegende Naturgesetze aus Sicht des Lichtes betrachtet und darlegt, wie diese Interaktion das Leben auf unserem Planeten ermöglicht.
Organisation
Die Tagung wird von der Deutschen Geologischen Gesellschaft – Geologischen Vereinigung (DGGV) und der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft (DMG) getragen und gemeinsam mit der Fakultät für Geographie und Geowissenschaften der Ruhr-Universität Bochum ausgerichtet. Beide Fachgesellschaften stehen für zentrale Bereiche der Geowissenschaften: Die DGGV verbindet Forschung und Praxis in der Geologie und setzt sich für die Bedeutung geologischer Erkenntnisse in Gesellschaft und Politik ein, während die DMG die mineralogische Forschung und deren Bedeutung für Rohstoffe, Materialien und die Entwicklung neuer Technologien vertritt.