Von Studierenden für Studierende: Im Sommersemester unterrichten die Masterstudentinnen Viola Olschewski (links) und Sirin-Nur Öremis Bachelorstudierende in Geschichte.
Lehrprojekt
Erinnerungskultur im Ruhrgebiet
Die Studentinnen Viola Olschewski und Sirin-Nur Öremis haben mit ihrem Lehrkonzept zur Erinnerungskultur den studentischen Initiativwettbewerb der RUB gewonnen und dürfen sich ab April als Dozentinnen ausprobieren.
Was haben das Steigerlied und der Nordbahnhof Bochum gemeinsam? Beides sind sogenannte Erinnerungsorte, die uns im Ruhrgebiet an vergangene Zeiten, etwa die Zeit des Nationalsozialismus oder des Bergbaus erinnern. „Viele Studierende kennen die Erinnerungsorte hier in der näheren Umgebung nicht, wissen nicht um ihre Bedeutung. Und haben auch im Studium keine Berührungspunkte damit. Das wollen wir mit unserem Seminar ändern“, betonen Viola Olschewski und Sirin-Nur Öremis.
Über die Personen
Über die Personen
Die beiden Masterstudentinnen haben mit ihrem innovativen Lehrkonzept zur Erinnerungskultur im RUB-Ideenwettbewerb überzeugt und freuen sich sehr, ab dem Sommersemester 2026 ihre Lehridee in die Tat umzusetzen. „Es hat uns beiden viel Spaß gemacht, dieses Seminar auf die Beine zu stellen. Und es haben sich bereits 15 Studierende angemeldet. Das freut uns total“, so Olschewski.
Geschichte vor Ort erleben
Die beiden Studentinnen wollen im Seminar vor allem lokalgeschichtlich arbeiten: „Unsere Studierenden sollen aus dem Seminar mitnehmen, dass es hier vor Ort total viel Geschichte gibt. Viele Orte kennt man einfach nicht“, so Viola Olschewski. „Wir wollen uns mit der Erinnerungskultur hier im Ruhrgebiet beschäftigen: Was wird erinnert – und was wird bewusst ausgeblendet?“ ergänzt Sirin-Nur Öremis. Thematische Schwerpunkte bilden dabei der Erste Weltkrieg, der Nationalsozialismus, die Industriekultur und deren gegenwärtige Formen der Erinnerung.
Wie sieht es eigentlich in 100 Jahren aus, wenn die Erinnerung an Zechen verblasst?
„Zu jedem Schwerpunkt haben wir dann Erinnerungsorte herausgesucht. Unsere Studierenden befassen sich dann jeweils ausführlich mit einem dieser Orte“, erklären die Dozentinnen. Die beiden hoffen, dass sie im Seminar auch ins Gespräch über den Wandel von Erinnerungskultur kommen. Gern würden sie zum Beispiel die Zukunft von Industriedenkmälern diskutieren: Wie sieht es eigentlich in 100 Jahren aus, wenn die Erinnerung an Zechen verblasst? Lässt man alle Industriedenkmäler stehen? Wie wandelt sich Erinnerungskultur mit der Zeit?
Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentieren
Wichtig ist den beiden studentischen Dozentinnen, dass ihre Studierenden nicht nur historische Kompetenzen, sondern auch wissenschaftliche Methoden kennen und anwenden lernen. „Wir wollten ein innovatives Lehr-Lern-Format auf die Beine stellen. Unsere Studierenden sollen sowohl mit Recherchearbeit, aber auch mit der wissenschaftlichen Darstellung ihrer Ergebnisse, dem Präsentieren und Schreiben in Berührung kommen“, betonen Viola Olschewski und Sirin-Nur Öremis. Am Ende wird es deswegen eine öffentliche Ergebnispräsentation am Institut für soziale Bewegung geben, sowie eine begleitende Webseite mit einer interaktiven Karte, auf der alle Erinnerungsorte mit kurzen Infos verzeichnet sein werden. Außerdem ist eine wissenschaftliche Publikation im Klartext Verlag geplant, an der neben den beiden Dozentinnen und den Mentoren Prof. Dr. Stefan Berger und Dirk Urbach OStR. i. H., die Studierenden mit eigenen Beiträgen beteiligt sind.
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