Kooperation

Studierende erforschen Bochums Sprachvielfalt

Wie sichtbar ist Mehrsprachigkeit im Bochumer Alltag? Ein Kooperationsprojekt von Ruhr-Universität und Stadt zeigt beispielhaft, wie durch das RUB Centre for City Futures Transfer zwischen Wissenschaft und Stadt gelingt.

Wie mehrsprachig ist Bochum? Um das zu ermitteln, waren RUB-Studierende ein Semester lang in der Stadt unterwegs. Sie fotografierten und analysierten Schilder im öffentlichen Raum sowie die analogen und digitalen Angebote von Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie der Stadtverwaltung. So wollten die Studierenden herausfinden, wie sichtbar Mehrsprachigkeit im Bochumer Alltag ist.

Entstanden ist das dazugehörige Seminar „Angewandte Linguistic Landscape-Forschung vor unserer Haustür: Sichtbare Mehrsprachigkeit in Bochum“ unter Leitung von Prof. Dr. Tanja Anstatt (Slavistik) und Prof. Dr. Sara Matrisciano-Mayerhofer (Romanistik) in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Bochum. Michael Weckop vom Centre for City Futures der Ruhr-Universität (RUB CCF) brachte die Lehrenden mit ihren Projektpartnerinnen und -partnern der Stadt zusammen und begleitete die Entwicklung des Seminars.

„Es macht Spaß, die Uni zu verlassen und in unsere Stadt hineinzugehen“, sagt Tanja Anstatt. Sara Matrisciano-Mayerhofer unterstreicht: „Für uns Leiterinnen wie für die Studierenden war es eine bereichernde Erfahrung, die Perspektive der Stadt kennenzulernen und in unsere Veranstaltung einzubinden.“ Das Projekt zeige beispielhaft, so der Tenor, wie alle Beteiligten von diesem Transfer profitieren: Studierende sammeln Praxiserfahrungen, Lehrende greifen gesellschaftlich relevante Fragen auf und die Stadt erhält wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse für ihre Arbeit.

Gemeinsam an einer Zukunftsfrage arbeiten

Den Anstoß für die Zusammenarbeit gab die europäische Hochschulallianz UNIC, in der die Ruhr-Universität Gründungsmitglied ist. Im Rahmen der gemeinsamen City Futures Roadmap identifizierten die Stadt Bochum und das RUB CCF das Zukunftsthema Fachkräftesicherung und Integration internationaler Fachkräfte. Eine zentrale Frage lautete: Wie kann Bochum als offene und internationale Stadt noch attraktiver werden? Aus einem ersten Austauschtreffen zwischen Forschenden der RUB und Vertreterinnen und Vertretern der Stadtverwaltung entwickelte sich schließlich die Idee, ein bereits geplantes linguistisches Seminar gezielt an den Bedarfen der Stadt auszurichten.

Das Seminar war von Beginn an eng mit der Stadt Bochum verzahnt. Zum Auftakt besuchten die Studierenden das Rathaus und lernten dort ihre Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner kennen. Während des Semesters begleiteten diese das Projekt unter anderem mit Hintergrundinformationen, der gemeinsamen Entwicklung der Forschungsfragen und der Vermittlung von Kontakten. Den Abschluss bildete die Präsentation der Ergebnisse an der Ruhr-Universität, an der auch die Beteiligten der Stadt teilnahmen.

Bochum aus einer neuen Perspektive betrachten

In Zweierteams hatten die Studierenden Bochums Sprachlandschaft aus unterschiedlichen Blickwinkeln untersucht. Sie dokumentierten die sichtbare Mehrsprachigkeit auf Straßen und Plätzen, analysierten Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie deren Online-Auftritte und testeten anhand fiktiver Alltagssituationen, wie zugänglich verschiedene Verwaltungseinrichtungen für Menschen ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen sind.

Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild: Deutsch dominiert erwartungsgemäß den öffentlichen Raum, Englisch ist die wichtigste weitere Sprache und wird häufig kommerziell eingesetzt. Herkunftssprachen sind dagegen meist nur in bestimmten Kontexten sichtbar. Gleichzeitig zeigte sich, dass viele Kultur- und Bildungseinrichtungen zwar mehrsprachige Angebote bereithalten, diese jedoch nach außen kaum erkennbar sind. In der Stadtverwaltung existieren insbesondere in Einrichtungen mit internationaler Zielgruppe bereits gute mehrsprachige Angebote – vor allem online –, während vor Ort teilweise noch Hürden bestehen.

Praxisnahe Forschung mit Mehrwert

„Die Kooperation mit der Stadt Bochum hat das Seminar sehr praxisnah gemacht. Besonders interessant war für mich die Möglichkeit, die sprachliche Zugänglichkeit verschiedener Einrichtungen direkt vor Ort zu untersuchen, die Ergebnisse anschließend auszuwerten und mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadt zu diskutieren“, sagt Ranya Gneed, Studentin der Empirischen Mehrsprachigkeitsforschung.

Auch Emily Knippschild hebt den Praxisbezug hervor: „Es war eine sehr spannende und wertvolle Aufgabe, im Auftrag der Stadt Bochum unterwegs zu sein und die verschiedenen Bochumer Stadtteile durch die Perspektive der ‚Linguistic Landscape‘ zu betrachten und zu analysieren. Besonders in Erinnerung wird mir die ausgeprägte Sticker-Kultur am Bermuda3Eck bleiben. Es ist beeindruckend, wie viele verschiedene Sprachen sich auf den Stickern finden lassen, wenn man mal genauer hinsieht.“

Für die Lehrenden war das Projekt ebenfalls ein Gewinn. Besonders gefreut habe sie, dass die Ergebnisse auf echtes Interesse der Stadtverwaltung gestoßen seien und sie so zu einem gemeinsamen Anliegen beitragen konnten: einer mehrsprachigen und offenen Stadt.

Kontakt

Lehrende an der Ruhr-Universität, die Interesse an einer Kooperation mit der Stadt Bochum oder an einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit einer europäischen UNIC-Partneruniversität oder Partnerstadt haben, können sich gerne an Michael Weckop, Leiter des neuen RUB Centre for City Futures, wenden:

Das Seminar zeige beispielhaft, so das Fazit der Beteiligten, welches Potenzial entsteht, wenn wissenschaftliche Expertise und konkrete Herausforderungen der Stadtgesellschaft zusammenkommen. Als Schnittstelle zwischen Universität und Stadt bringt das RUB Centre for City Futures solche Kooperationen auf den Weg und begleitet sie von der ersten Idee bis zur Umsetzung. So entstehen Transferprojekte, von denen Studierende, Lehrende, Forschung und kommunale Praxis gleichermaßen profitieren.

Veröffentlicht

Freitag
24. Juli 2026
12:47 Uhr

Von

Jasmin Hihat

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