Schulprojekt
Ein ganz besonderes Bochum-Bike
Zwei Schuljahre lang begleiten besondere Fahrräder zwei Chemie-Klassen des Neuen Gymnasiums Bochum. Die Klassen haben sie nicht nur selbst gebaut, sondern auch den Rahmen verkupfert.
Da hängt es, das erste fertiggestellte Rad, in all seinem Glanz, in der RUB-Versuchshalle hinter Tor 13. Umgeben von seinen stolzen Schöpferinnen und Schöpfern, den Schülerinnen und Schülern des Neuen Gymnasiums Bochum. Dieses Rad ist keins von der Stange. „Wir haben es aus Einzelteilen von einem Bochumer Fahrradbauer anfertigen lassen und den Rahmen selbst stromlos verkupfert“, berichtet Tobias Schilling, Lehrer der beteiligten Klassen. In der achten Klasse geht es im Chemieunterricht um Metalle, und beindruckende Versuche zum Selbermachen sind im Lehrplan rar. „Das fand ich schade“, sagt Schilling. Und so wurde der leidenschaftliche Radler selbst aktiv.
An dem Tag hat keiner gefragt, wann endlich Feierabend ist.
Viel Freizeit und Nerven hat es ihn gekostet, Sponsoren zu gewinnen und die Fahrradteile für die Experimente herbeizuschaffen. Die RUB-Fakultäten für Chemie und Biochemie sowie Maschinenbau waren gleich gemeinsam dabei. Los ging es mit zwei ganztägigen Workshops im Herbst 2025 in den Versuchshallen IAN auf dem Campus der RUB für beide Klassen. „Es sollte ein Tag wie im Leben eines Studierenden sein“, erzählt Schilling, und das ist gelungen.
RUB-Forscher Felix Großwendt kam selbst mit dem Fahrrad in die Halle gefahren, hatte alle Experimente vorbereitet und führte die Teilnehmenden durch den Tag voller Spaß und Spannung. Nach kurzem Auftauen ergaben sich Gespräche zwischen Forschenden und Schüler*innen auf Augenhöhe, trauten sich die Kinder an Messinstrumente und Mikroskope heran, waren begeistert vom Zugversuch, bei dem Metalle so weit gedehnt werden, bis sie reißen. „Das Team der RUB hatte uns ein Laborbuch vorbereitet, das einfach der Hit ist“, sagt Tobias Schilling. „An dem Tag hat keiner gefragt, wann endlich Feierabend ist.“
Beschichtung im Planschbecken
Zurück in der Schule folgte dann die schützende Beschichtung des Stahlrahmens. Die Wahl des Materials wurde demokratisch bestimmt. „Wir hätten auch einfach eine Lackierung nehmen können“, berichtet Jonas, aber es sollte ja auch gut aussehen. „Gold oder Silber wären viel zu teuer gewesen, so sind wir auf Kupfer gekommen“, sagt Sophia. In einem Planschbecken wurden also Kupferionen von Prof. Dr. Ulf-Peter Apfel aus der Fakultät für Chemie und Biochemie der RUB in Wasser gemischt und der Radrahmen kurz eingetaucht – weniger als eine Minute, und der Überzug war schon fertig. Nach dem Trocknen kam eine Klarlackschicht drüber.
Heute sind die Teilnehmenden zum zweiten Mal zu Gast bei Prof. Dr. Sebastian Weber in der Werkstoffforschung. Es geht darum, die Werkstoffe zu bestimmen, aus denen die einzelnen Bestandteile des Rades sind. Ein mobiles Röntgenspektrometer kann die nötigen Informationen liefern und zeigt die Kupferschicht und die darunter liegende Stahlbasis an. Sie kann auch den Titananteil des ultraleichten Wasserflaschenhalters identifizieren und das Material der Bremssättel und -Scheiben benennen. „Chemie macht Spaß“, sagt Greta, „und in einem Labor zu forschen, ist toll.“
Organisatoren träumen von der Fortsetzung
Kein Wunder, dass Schilling und die RUB-Professoren davon träumen, das Angebot für weitere Klassen und andere Schulen erneut anbieten zu können. Das Fahrrad wird die Schülerinnen und Schüler im Fach Chemie noch weiter begleiten, die Experimente zur Untersuchung des optimalen Schmiermittels für eine Fahrradkette sind aktuell in Planung. „In der zehnten Klasse sind Kunststoffe dran“, sagt Tobias Schilling, „da nehmen wir uns zum Beispiel den 3D-gedruckten Sattel vor.“