SERIE Unsere Gründerinnen

Das Team hinter Platypus Interactive (von links): Marius, Sarah, Fabian, Sarah und Adam

© Privat

EXIST-Förderung

Den Verlauf des Videospiels mitbestimmen

Weil nur zuschauen einsam ist, entwickelt das Start-up Platypus Interactive eine Schnittstelle, die es dem Publikum auf Streaming-Plattformen ermöglicht, das Videospiel des Streamenden live mitzugestalten. 

Zuschauen, wie jemand anderes ein Computerspiel spielt, bedeutet für Viele einen entspannenden Zeitvertreib. Plattformen wie Twitch ermöglichen es, Spielverläufe live zu verfolgen. Wem nur zuzusehen nicht genug ist, der kann demnächst ein wenig miteinsteigen: Das Start-up Platypus Interactive will eine Schnittstelle auf den Markt bringen, die es den Zuschauern des Streams erlaubt, live mitzugestalten, was im Spiel des Streamers oder der Streamerin als nächstes passieren soll. Mitgründerin Sarah Lomp erklärt die Hintergründe.

Frau Lomp, wie kam es zu der Gründungsidee und warum ist das Start-up nach einem Schnabeltier benannt? 
Das Schnabeltier stammt noch aus der Coronazeit. Da hatte ich mal eine gelbe FFP-2-Maske auf, die wie ein Schnabel aussah. Aus einer Maske wurde dann schnell eine ganze Packung gelber Schnabelmasken für die gesamte Uni-Freundesgruppe, und so ist das Schnabeltier unser Maskottchen geworden. 

Wir fünf Gründerinnen und Gründer kennen uns aus dem Informatikstudium. Besonders einer von uns, Fabian, hatte immer schon den Traum zu gründen und viele Ideen. Am liebsten wollte er etwas im Videospielbereich umsetzen. Zur Spielentwicklung hatten wir dann ebenfalls einen gemeinsamen Kurs an der Uni, und dabei haben wir gemerkt, dass wir auch als Team sehr gut zusammenpassen. Im Bereich der Gaming-Livestreams haben wir uns dann unsere Lücke gesucht. 

Unsere Idee ist, dass die Zuschauenden aktiver in das Geschehen eingebunden werden und das Spiel beeinflussen können.

Wie funktioniert das Streaming? Was ist die neue Idee? 
Beim Streaming schaut man anderen beim Spielen zu. Das geschieht live über Streamingplattformen wie Twitch. Ein*e Streamer*in spielt dann ein Videospiel und die Zuschauenden sehen dabei zu und können Nachrichten in den Chat schreiben.

Unsere Idee ist, dass die Zuschauenden aktiver in das Geschehen eingebunden werden und das Spiel beeinflussen können sollen über eine interaktive Oberfläche. Das kann man sich vorstellen wie ein zusätzliches Fenster, das neben dem eigentlichen Stream steht. Ähnlich wie eine App. So können die Zuschauenden gleichzeitig das Spiel im Stream verfolgen und live an ausgewählten Aktionen teilnehmen. Über unsere LiveInteractive Schnittstelle kann man so zum Beispiel an Abstimmungen oder Minispielen teilnehmen, deren Ausgang sich dann auf das Spielgeschehen auswirkt. Hat zum Beispiel der Großteil der Community ein Minispiel erfolgreich abgeschlossen, passiert als nächstes etwas Positives für den Streamer oder die Streamerin im Game.

Wann wird es soweit sein? 
Wir testen unsere neue LiveInteractive Technologie vorerst zusammen mit einem eigenen Videospiel. Das Videospiel befindet sich aktuell noch in der Entwicklung. Deshalb ist erstmal noch ein wenig Geduld gefragt. Aber so viel sei schon mal verraten: Als erstes Spiel, das unsere LiveInteractive Schnittstelle unterstützt, wird es sicher für viele lustige und unvorhergesehene Momente im Stream sorgen. Die Zuschauenden werden nämlich allerhand Möglichkeiten haben, Chaos im Spiel zu stiften, den Streamenden zu helfen oder ihnen sogar zu schaden. Wir werden das Spiel im Laufe des Jahres noch offiziell ankündigen.

Nach Release werden wir das Spiel auf herkömmlichen Online-Plattformen wie Steam verkaufen, und es richtet sich natürlich nicht ausschließlich an Streamer*innen. Auch Privatpersonen können es kaufen und spielen. Es ist nämlich sowohl mit als auch ohne unsere Streaming-Technologie vollständig nutzbar.

Wir kennen unsere Stärken und wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können.

Und wie kommt die Idee dann in die Streamingplattformen?
Damit unsere Anwendung beispielsweise auf Twitch genutzt werden kann, durchläuft sie zunächst einen Prüfprozess der Plattform. Nach erfolgreicher Freigabe kann sie mit wenigen Klicks in den eigenen Stream eingebunden werden. Unser Ziel ist es, den Streamer*innen ein unkompliziertes Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sie ihre Community stärker einbeziehen und neue gemeinsame Erlebnisse schaffen können.

Außerdem lizenzieren wir die Schnittstelle zukünftig für andere Videospielentwickler. Sie ist anpassungsfähig an viele verschiedene Spielszenarien, sodass die Entwickler ihre Spiele ebenfalls interaktiv gestalten können für die Livestreamnutzung. Wie ein universeller Baustein, den wir den Entwicklern an die Hand geben, und den sie nur noch mit ihrem eigenen Content verknüpfen müssen. 

Wie läuft Ihr Alltag als Team zurzeit während der Förderphase von EXIST? 
Wir haben die Förderung zum 1. Mai 2026 für ein Jahr erhalten. Sie ermöglicht es uns, uns Vollzeit auf das Projekt zu konzentrieren. Neben einem monatlichen Gehalt bekommen wir noch Sachmittel- und Coachingbudget. Jede und jeder von uns macht das, was er oder sie am besten kann. Wir kennen unsere Stärken und wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können. Im Großen und Ganzen es ist genauso wie ich es mir vorgestellt hatte. Zum Anfang des nächsten Jahres wollen wir das Unternehmen offiziell gründen. 

Viel Erfolg!

Veröffentlicht

Dienstag
11. August 2026
09:36 Uhr

Teilen