Besonders im Dunkeln ist der Schriftzug an den Kunstsammlungen ein echter Hingucker.
KUNST AM BAU
Die Rückkehr eines Kunstwerks
Die Arbeiten am Schriftzug an den Kunstsammlungen sind abgeschlossen. Jetzt bringen LED-Buchstaben die Südseite der Universitätsbibliothek zum Leuchten.
Wer den Campus der Ruhr-Universität von der Campusbrücke aus betritt, wird vom leuchtenden Schriftzug an der Universitätsbibliothek begrüßt. Er bildet den Gegenpart zum Schriftzug an der Südseite, über den Kunstsammlungen, mit Blick aufs Audimax. Beide Kunstwerke hat der Düsseldorfer Licht- und Konzeptkünstler Mischa Kuball realisiert. Doch die filigranen Neonleuchtröhren an den Kunstsammlungen sind in der Vergangenheit besonders stark von Witterung, Vandalismus und sogar nistenden Vögeln in Mitleidenschaft gezogen worden. Mit der Zeit zerbrachen immer mehr Elemente. Nun strahlt das Kunstwerk wieder – doch der Weg dahin war langwierig.
Herausforderungen erschwerten die Arbeiten
Der Schaden am Schriftzug war so groß, dass die Buchstaben vollständig erneuert werden mussten. Die Instandsetzung sollte nachhaltig, energiesparend und langlebig sein und so fiel die Entscheidung für den neuen Schriftzug auf LED-Technik. Ein Unternehmen zu finden, das die Buchstaben mit der benötigten Widerstandsfähigkeit fertigt, stellte sich als schwierig heraus. Daniel Soistmann, Sachgebietsleiter für Elektrotechnik im Dezernat 5, hat das Projekt maßgeblich begleitet und erinnert sich: „Der erste Musterbuchstabe war nach nicht einmal zwei Wochen kaputt.“
Weitere technische Herausforderungen waren die Elektrik, die ebenfalls erneuert werden musste, aber auch die Beschaffenheit des Untergrunds für das Gerüst. Die Waschbetonplatten auf dem Forum sehen zwar alle identisch aus, unterscheiden sich jedoch immens in ihrer Dicke. „Zum Glück sind die Platten dort, wo das Gerüst stehen sollte, sechs Zentimeter dick“, erklärt Soistmann. „Nur zwei Meter weiter weisen die Platten nur die Hälfte der Traglast auf und wären durch das Gerüst durchgeknackt. Dann hätten wir alle Platten anheben und das Gerüst auf dem Betondach des Verkehrsbauwerks aufstellen müssen.“
Ein weiterer unvorhergesehener Rückschlag machte sich bei der Demontage der alten Buchstaben bemerkbar. Denn im wellenförmigen Muster der Fassade befanden sich Risse. Das Material war teilweise so porös, dass sich durch bloßes Vorbeigehen große Stücke lösten. Gemeinsam mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb wurde die gesamte Fassade im entsprechenden Bereich mit einem Hammer abgeklopft und alle porösen Teile entfernt.
Härtetest für neue Technik
Das persönliche Highlight der Instandsetzung war für Daniel Soistmann – und hier spricht er sicherlich für alle Beteiligten – der Moment, als Spannung auf den Schriftzug gegeben wurde: „Alles leuchtete, alles funktionierte. Es war einfach brutal an, auf Deutsch. Das war ein erhabener Moment.“
Was hinter dem Kunstwerk steckt
Ihren Ursprung findet die Lichtinstallation in der Idee, das Forum zwischen Bibliothek, Kunstsammlungen und Audimax zu bespielen. Der Platz selbst wurde wegen seiner besonderen Topografie schnell als Standort für eine dauerhafte Installation verworfen. Kuball entschied sich, mit seinem Werk auf die Kunstsammlungen selbst einzugehen und von außen für Sichtbarkeit zu sorgen. Über 65 Meter gleichmäßig verteilt stehen die Buchstaben, die scheinbar nur die Bezeichnung eines Ortes sind. „Architektur, Inhalt und Bedeutung werden eins“, bringt es Kuball auf den Punkt. Übrigens ist der Gegenpart auf der Nordseite in Spiegelschrift gestaltet, da er vom Standpunkt des Forums aus betrachtet wird – so stehen beide Schriftzüge in Verbindung.
Der Schriftzug an den Kunstsammlungen ist allerdings nicht statisch. In endlosen Zufallskombinationen leuchten drei oder mehr Buchstaben gemeinsam auf und bilden Akronyme. „In der Wissenschaftswelt ebenso wie im Alltag haben sich Abkürzungen durchgesetzt“, erklärt Kuball, „sodass wir ‚usw.‘, ‚etc.‘ und viele weitere benutzen, um etwas Komplexeres auszudrücken. Wir können mit einem Alphabet aus sechsundzwanzig Buchstaben ein Universum an Sprache abbilden.“ Sein Werk bilde daher nicht einfach mimetisch als Bezeichnung seinen Inhalt ab, sondern lasse weitere, implementierte Bedeutungszusammenhänge erkennen.