Tauben lernen in den Versuchen Gegenstände zu kategorisieren.
Update
Vorwürfe zu Versuchen mit Tauben
In einer Kampagne ziehen Kritiker gegen Forschung an Tauben an der Ruhr-Universität Bochum zu Felde und erheben zahlreiche Anschuldigungen. Hier sind die Fakten.
Update vom 16. Januar 2026
In einer erneuten Kampagne gegen die Ruhr-Universität Bochum erheben die Ärzte gegen Tierversuche Anschuldigungen und haben eine Petition gegen die Forschung mit Tauben gestartet. Die unberechtigten Vorwürfe decken sich mit denen von vor einigen Monaten. Wir weisen daher noch einmal auf unsere Stellungnahme zu dem Thema hin.
Ursprüngliche Meldung vom 7. Juli 2025:
Kritiker haben in den vergangenen Tagen die Experimente der Biopsychologie der Ruhr-Universität Bochum mit Tauben verurteilt. Das stiftet Verunsicherung auf dem Campus und darüber hinaus. Hier sind die Fakten zu den Versuchen:
Die Versuche mit Tauben sind der Grundlagenforschung zuzuordnen. Sie haben das Ziel, die neuronalen Mechanismen von Denkprozessen zu verstehen. Dem liegt der ultimative Wunsch zugrunde, das Entstehen menschlicher Gehirnerkrankungen zu verstehen. Hierfür müssen aber zuerst Basismechanismen des Denkens identifiziert werden.
Welche Regeln gelten?
Alle Tierversuche an der Ruhr-Universität müssen nach dem deutschen Tierschutzgesetz sowie der EU-Richtlinie 2010/63/EU genehmigt werden. Dabei werden Leiden der Tiere, wissenschaftlicher Nutzen und mögliche Alternativen sorgfältig gegeneinander abgewogen (Schaden-Nutzen-Analyse).
Wo immer möglich, setzen wir Zell- und Computermodelle oder bildgebende Versuchsverfahren ein (nach dem 3R-Prinzip: Replace – Reduce – Refine). Tiere werden nur dann eingesetzt, wenn dieses Wissen anders nicht gewonnen werden kann und der erwartbare Erkenntnisgewinn das Belastungsmaß rechtfertigt. Für viele Fragen der Hirnforschung existieren heute noch keine vollwertigen Ersatzmethoden.
Der Leiter der Biopsychologie, Prof. Dr. Onur Güntürkün, hat als weltweit erster eine Methode entwickelt, um die Anzahl der Versuchstauben drastisch zu reduzieren: Er trainiert Tauben, in einem MRT-Gerät Intelligenzaufgaben zu lösen. Dabei kann er die Aktivitäten des ganzen Gehirns mit hoher Auflösung bei der Lösung dieser Aufgabe beobachten. Da die Tiere an vielen Experimenten dieser Art teilnehmen können, wird die Versuchstierzahl deutlich reduziert. Eine zusätzliche Reduktion erfolgt dadurch, dass das ganze Gehirn zeitgleich untersucht werden kann, ohne dass für jede Hirnregion ein eigenes Experiment durchgeführt werden muss.
Was geschah bei den Versuchen?
Die Forschenden haben über ins Gehirn implantierte Elektroden die elektrischen Signale von Nervenzellen im Taubenhirn abgeleitet, während die Tauben sich zwischen verschiedenen sehr unterschiedlich aussehenden Symbolen entscheiden mussten. Einige davon führten zu einer Belohnung, andere nicht.
So gelang der Nachweis, dass, wenn die Tauben lernten, dass bestimmte, unterschiedlich aussehende Symbole mit der gleichen Belohnung einhergingen, diese in der visuellen Prozessierung verschieden, in der kognitiven Verarbeitung aber identisch verarbeitet wurden. Das heißt, dass sich in den kognitiven Regionen schon eine gemeinsame, die Bedeutung signalisierende Verarbeitung etablierte. Dieser Mechanismus war bis dahin nicht bekannt. Weitere Versuche zeigen, wie kleine Verbände von Nervenzellen Kategorien lernen. All diese Erkenntnisse tragen dazu bei, die Grundmechanismen des Denkens zu verstehen. Ohne dieses Wissen werden wir Störungen dieser Prozesse niemals therapeutisch behandeln können.