Im Rat der kreisfreien Stadt Bochum beträgt der Frauenanteil 36,96 Prozent. Bochum liegt damit auf Platz 5 der kreisfreien Städte in NRW, hinter Köln, Bonn, Münster und Düsseldorf.
Studie zur Kommunalwahl 2025
Rückgang des Frauenanteils in Stadt- und Kreisräten
Ein Forschungsteam der Ruhr-Universität hat die aktuelle Verteilung nach der Kommunalwahl vom Herbst 2025 analysiert.
Ernüchternde Bilanz der NRW-Kommunalwahl im September 2025: Trotz anhaltender Gleichstellungs- und Paritätsdebatten in Bund und Ländern ist der Frauenanteil in den kommunalen Vertretungen NRWs gegenüber 2020 um über einen Prozentpunkt gesunken. Zu diesem Ergebnis kommt eine an der Ruhr-Universität durchgeführte Studie vom Marie Jahoda Zentrum für internationale Geschlechterforschung und dem Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung. Ohne Wahlrechtsreform, so das Forschungsteam, könne man eine paritätische Besetzung auf kommunaler Ebene in den nächsten Jahren nicht erreichen. Vielmehr ließen die aktuellen politischen Entwicklungen sogar einen weiteren Rückgang des Frauenanteils befürchten.
Das Forschungsteam
Der Frauenanteil auf kommunaler Ebene wird bundesweit anhand der Zahl von Frauen in Kreistagen und in Stadträten kreisfreier Städte bestimmt. Der Zeitvergleich für Nordrhein-Westfalen zeigt, dass in den vergangenen 20 Jahren keine signifikanten Veränderungen erreicht wurden. Nach einer Steigerung im Jahr 2020 ist der Frauenanteil wieder rückläufig. Konkret betrug er 2004 29,2 Prozent, 2009 28,8 Prozent, 2014 30,1 Prozent, 2020 34,4 Prozent und 2025 33,2 Prozent.
Dabei bestehen Unterschiede zwischen kreisfreien Städten und Landkreisen. In kreisfreien Städten liegt der durchschnittliche Anteil etwa drei Prozentpunkte über dem der Kreise. Nur Köln, Bonn und Münster erreichen einen Frauenanteil von über 40 Prozent, während alle Kreise unterhalb dieser Grenze bleiben. Die Anteile der kreisfreien Städte variieren von 43,3 Prozent in Köln bis zu 27,6 Prozent in Krefeld, sowie von 38,7 Prozent im Kreis Mettmann bis hin zu 24 Prozent im Kreis Herford.
Parteipolitische Zusammensetzung der Räte spielt entscheidende Rolle
Eine entscheidende Rolle für den Frauenanteil spielt die parteipolitische Zusammensetzung der Räte. Die Grünen setzen seit Jahren konsequent auf eine innerparteiliche Frauenquote und erzielen auch 2025 mit knapp 55 Prozent Frauen in ihren Ratsfraktionen der kreisfreien Städte das höchste Ergebnis. Dahinter folgen LINKE mit 49,8 Prozent und SPD mit 40,2 Prozent – beide verfügen ebenfalls über parteiinterne Geschlechter- beziehungsweise Frauenquoten. Die CDU liegt mit 28,1 Prozent auf Platz vier, es folgen FDP (22,3 Prozent) und AfD (20,2 Prozent). Übertragen auf den Frauenanteil in einem kommunalen Rat bedeutet dies in etwa: Je besser die Grünen abschneiden, desto mehr Frauen im Rat. Oder andersherum: Je besser die AfD abschneidet, desto weniger Frauen im Rat.
So ist es keine Überraschung, dass Kommunen, in denen die Grünen im Vergleich zur letzten Wahl Sitze verloren haben, tendenziell auch einen Rückgang der Frauenrepräsentanz verzeichnen; das trifft zum Beispiel auf Leverkusen und Aachen zu. Das Forschungsteam erklärt den Rückgang unter anderem mit der politischen Debattenlage im Land. Es stünde zu befürchten, so das Team, „dass durch den Rollback in Sachen Gleichstellung und einer zusehends rauer werdenden Streitkultur Frauen von einem kommunalpolitischen Engagement nachhaltig abgeschreckt werden oder – wie schon vor der Kommunalwahl 2025 zu beobachten war – von einer erneuten Kandidatur absehen. Um dies zu verhindern, ist das Land gefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen.“
Eine umfassende kommunale Wahlrechtsreform würde helfen
Das Forschungsteam schlägt konkrete Maßnahmen vor, um die Repräsentanz von Frauen in der Kommunalpolitik nachhaltig zu erhöhen und zu sichern. Besonders erfolgversprechend ist laut den Forschenden eine umfassende kommunale Wahlrechtsreform inklusive Einführung eines reinen Verhältniswahlrechts ohne Wahlkreise. Da die Chancen dafür derzeit ungewiss sind, fördert das NRW-Gleichstellungsministerium seit 2024 das Programm „Be the Change. Frauen für Demokratie“, das an der RUB koordiniert wird.
Um langfristig die 30-Prozent-Hürde für Frauen in der nordrhein-westfälischen Kommunalpolitik zu überwinden, bedarf es laut der Forschenden einer konsequenten und kontinuierlichen Förderung solcher Programme – auch über Legislaturen hinweg. Dies eröffne die Chance, Stakeholder in den Parteien in NRW für die spezifischen Hürden von Frauen in der Kommunalpolitik kontinuierlicher zu sensibilisieren und politisch interessierte Frauen aktiv anzusprechen – auch jenseits klassischer Parteilogiken. Zur Gewinnung von kommunalpolitischem Nachwuchs stellen unter anderem Hochschulen einen geeigneten Ort dar, dies zeigt beispielsweise das erfolgreiche Programm „Misch dich ein, mach Politik vor Ort“ – entwickelt von der EAF Berlin, das derzeit in NRW im Rahmen einer Kooperation der RUB und der Universität Duisburg-Essen mit den kommunalen Gleichstellungsstellen durchgeführt wird.