Andreas Rienows Spezialität sind Geodaten.
Geografie
Andreas Rienow blickt in die Zukunft von Mensch-Umwelt-Systemen
Der Geograf bringt Geodaten verschiedenster Herkunft zusammen und leitet daraus Szenarien für die Zukunft ab. Seine Faszination teilt er gerne, unter anderem mit Schülerinnen und Schülern.
Satellitenbilder der Erdoberfläche verraten eine Menge über die Veränderungen, die der Mensch verursacht. Prof. Dr. Andreas Rienow möchte in die Zukunft blicken und berechnen, wie die Satellitenbilder in einigen Jahren oder Jahrzehnten aussehen werden. Dazu zieht er jede Menge weiterer Daten heran und bedient sich Künstlicher Intelligenz. Sein Wunsch: Fortsetzen, was er in den vergangenen sechs Jahren als Juniorprofessor an der Ruhr-Universität Bochum aufgebaut hat. Rienow wurde zum 1. Januar 2026 zum Professor für Interdisziplinäre Geoinformationswissenschaften ernannt.
Wie viel Land täglich versiegelt wird
Geodaten aller Art sind sein tägliches Geschäft: Wetterinformationen, Bevölkerungszahlen, Landoberfläche, Bodenrichtwerte, Daten zur Bodenbeschaffenheit und vieles mehr werden erhoben und sind entweder frei zugänglich oder werden es über spezielle Schnittstellen. So lassen sich die verschiedenen Werte miteinander in Beziehung setzen und erlauben die Gewinnung neuer Erkenntnisse. „Aus Luftbildaufnahmen können wir zum Beispiel mittels Künstlicher Intelligenz berechnen, wie viel Land in Nordrhein-Westfalen jeden Tag versiegelt wird“, erzählt der Forscher von einem seiner Projekte.
Künftig plant er, aus einem Zusammenspiel verschiedener Daten auch in die Zukunft zu blicken. „Unterschiedliche Landnutzungen haben unterschiedliche Antriebskräfte“, erklärt er. „Alles ist im Fluss, die Landoberfläche verändert sich täglich und der Hauptgrund dafür ist: der Mensch.“ Aus der Zusammenschau von Angaben zum Beispiel zu Hangneigung, Distanzvariablen und Bodenrichtwerten sowie Bevölkerungsdichte möchte er errechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass eine bestimmte Fläche in Zukunft auf bestimmte Art im Satellitenbild in Erscheinung treten wird. „Auf Basis der Erkennung von Mustern der Vergangenheit kann man wahrscheinliche Szenarien für die Zukunft abschätzen“, sagt er. Aus diesen Bildern wiederum kann man künstliche spektrale Signaturen berechnen: die Reflektion des Sonnenlichts in den verschiedenen Spektralbereichen, wie auch Satelliten sie aufnehmen. So entstehen künstliche Satellitenbilder der Zukunft, aus denen man zum Beispiel ablesen kann, wo künftig mit Hitzeinseln zu rechnen ist.
Bürgerinnen und Bürger forschen mit
Daneben hofft Andreas Rienow, auch andere Datenquellen einbeziehen zu können, zum Beispiel solche, die von Handys ständig aufgezeichnet werden, oder Informationen, die im Rahmen von Citizen-Science-Projekten durch Bürger und Bürgerinnen erhoben werden. „Da verfolgen wir einen urbanen Schwerpunkt und könnten zum Beispiel Hochwasserrisiken in Städten besser abschätzen.“
Die Faszination für Daten will der Forscher auch Schülerinnen und Schülern nahebringen. Dazu engagiert er sich unter anderem für das Weltraum-Bildungsbüro der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Deutschland, ESERO Germany (European Space Education Resource Office). Das Projekt wird seit 2018 in Rienows Arbeitsgruppe an der Ruhr-Universität koordiniert und von der ESA zunächst bis 2029 verlängert.