SERIE Neu ernannt

Die Physikerin Anna Grünebohm forscht und lehrt an der Fakultät für Maschinenbau. 

© RUB, Marquard

Maschinenbau

Anna Grünebohm sucht Werkstoffe mit besonderen Fähigkeiten

Die Physikerin ist Mitglied bei ICAMS und in der Fakultät für Maschinenbau.

Prof. Dr. Anna Grünebohm interessiert sich für ferroelektrische Werkstoffe, die in der Lage sind, sich unter bestimmten Bedingungen selbst abzukühlen, aus Bewegung Strom zu gewinnen und die auch in Sensoren und neuen Computerkonzepten eingesetzt werden. Sie hat seit Anfang Januar 2026 die Professur für „Modelling and Simulation for Materials Design“ inne. Anna Grünebohm ist Mitglied der Fakultät für Maschinenbau und des Interdisciplinary Centres for Materials Simulation (ICAMS). Dort war sie zuvor Juniorprofessorin. Darüber hinaus ist sie kooptiertes Mitglied der RUB-Fakultät für Physik und Astronomie.

Zur Person
  • 2008: Diplomabschluss in Physik an der Universität Duisburg-Essen
  • 2008 bis 2012: Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich 445 „Nanoparticles from the Gas Phase“ an der Universität Duisburg-Essen
  • 2012: Promotion an der Universität Duisburg-Essen
  • 2012 bis 2018: Postdoc im Schwerpunktprogramm 1599 „Ferroic cooling“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • 2015 bis 2019: Leitung des Projekts „First-principles simulation of magnetocaloric and electrocaloric effects in nano structured films”
  • 2019 bis 2025: Leitung der Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe „Scale-bridging computational design of multifunctional ferroelectric composites“, die von der DFG gefördert wird
  • 2020 bis 2025: Juniorprofessur für „Modelling and Simulation for Materials Design“ an der Fakultät für Maschinenbau der RUB
  • Seit 2026: Professur für „Modelling and Simulation for Materials Design“ am genannten Ort

Im Jahre 2020 erhielt Anna Grünebohm den NRW-Innovationspreis Land NRW.

Im Mittelpunkt von Anna Grünebohms Forschung stehen Oxide mit Perovskitstruktur, in die man wie in einem Legobaukasten verschiedene Ionen und somit unterschiedliche Eigenschaften einfügen kann. In einigen Perovskiten, den sogenannten Ferroelektrika, existieren geordnete elektrische Dipole, die durch das Anlegen eines elektrischen Feldes ausgerichtet werden können. Dabei findet im Material eine elastische Verzerrung statt. Auf diese Weise kann man nicht nur kleine Bewegungen steuern, sondern auch elektrische Energie ernten: Man kann Strom aus Temperaturänderungen oder Bewegungen gewinnen, die ohnehin vorhanden sind. Beispiele dafür sind Abwärme oder ein Funklichtschalter, bei dem die Bewegung zum Drücken der Taste gleichzeitig den Strom für das Funksignal erzeugt.

Eine besonders interessante Möglichkeit ist die ferroische Kühlung: Dabei kühlen sich Festkörper durch das Anlegen eines Felds ab, wenn sich die Kristallstruktur oder die Ordnung von Dipolmomenten ändert. Nachhaltige neue Kühltechnologien benötigt man dringend, da es weltweit einen steigenden Bedarf gibt und die gängigen Technologien wegen der Freisetzung von treibhausaktiven Kühlmitteln problematisch sind. Zusätzlich steigt der Bedarf an innovativen Kühlkonzepten für Batterien, kleine elektronische Geräte und Sensoren. Genau für diese Kühlung auf kleinen Skalen ist die ferroische Kühlung sehr vielversprechend.

Am ICAMS begeistert mich der ausgeprägte interdisziplinäre Ansatz.

— Anna Grünebohm

Auch in der Lehre ist Anna Grünebohm an der Schnittstelle zwischen Festkörperphysik und theoretischer Materialwissenschaft aktiv, sie lehrt in den Masterprogrammen Material Science and Simulations und Physics sowie im Bachelorprogramm Materialwissenschaft. „Sowohl in der Forschung als auch in der Lehre begeistert mich am ICAMS der ausgeprägte interdisziplinäre Ansatz“, sagt die Physikerin. „Die Materialwissenschaft bildet für mich darüber hinaus die ideale Brücke zwischen Grundlagenforschung und Anwendungsbezug. Kein Wunder, dass ich mich hier als Wissenschaftlerin so wohl fühle.“

Veröffentlicht

Freitag
13. Februar 2026
09:29 Uhr

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