Die Physikerin Anna Grünebohm forscht und lehrt an der Fakultät für Maschinenbau.
Maschinenbau
Anna Grünebohm sucht Werkstoffe mit besonderen Fähigkeiten
Die Physikerin ist Mitglied bei ICAMS und in der Fakultät für Maschinenbau.
Prof. Dr. Anna Grünebohm interessiert sich für ferroelektrische Werkstoffe, die in der Lage sind, sich unter bestimmten Bedingungen selbst abzukühlen, aus Bewegung Strom zu gewinnen und die auch in Sensoren und neuen Computerkonzepten eingesetzt werden. Sie hat seit Anfang Januar 2026 die Professur für „Modelling and Simulation for Materials Design“ inne. Anna Grünebohm ist Mitglied der Fakultät für Maschinenbau und des Interdisciplinary Centres for Materials Simulation (ICAMS). Dort war sie zuvor Juniorprofessorin. Darüber hinaus ist sie kooptiertes Mitglied der RUB-Fakultät für Physik und Astronomie.
Zur Person
Im Mittelpunkt von Anna Grünebohms Forschung stehen Oxide mit Perovskitstruktur, in die man wie in einem Legobaukasten verschiedene Ionen und somit unterschiedliche Eigenschaften einfügen kann. In einigen Perovskiten, den sogenannten Ferroelektrika, existieren geordnete elektrische Dipole, die durch das Anlegen eines elektrischen Feldes ausgerichtet werden können. Dabei findet im Material eine elastische Verzerrung statt. Auf diese Weise kann man nicht nur kleine Bewegungen steuern, sondern auch elektrische Energie ernten: Man kann Strom aus Temperaturänderungen oder Bewegungen gewinnen, die ohnehin vorhanden sind. Beispiele dafür sind Abwärme oder ein Funklichtschalter, bei dem die Bewegung zum Drücken der Taste gleichzeitig den Strom für das Funksignal erzeugt.
Eine besonders interessante Möglichkeit ist die ferroische Kühlung: Dabei kühlen sich Festkörper durch das Anlegen eines Felds ab, wenn sich die Kristallstruktur oder die Ordnung von Dipolmomenten ändert. Nachhaltige neue Kühltechnologien benötigt man dringend, da es weltweit einen steigenden Bedarf gibt und die gängigen Technologien wegen der Freisetzung von treibhausaktiven Kühlmitteln problematisch sind. Zusätzlich steigt der Bedarf an innovativen Kühlkonzepten für Batterien, kleine elektronische Geräte und Sensoren. Genau für diese Kühlung auf kleinen Skalen ist die ferroische Kühlung sehr vielversprechend.
Am ICAMS begeistert mich der ausgeprägte interdisziplinäre Ansatz.
Auch in der Lehre ist Anna Grünebohm an der Schnittstelle zwischen Festkörperphysik und theoretischer Materialwissenschaft aktiv, sie lehrt in den Masterprogrammen Material Science and Simulations und Physics sowie im Bachelorprogramm Materialwissenschaft. „Sowohl in der Forschung als auch in der Lehre begeistert mich am ICAMS der ausgeprägte interdisziplinäre Ansatz“, sagt die Physikerin. „Die Materialwissenschaft bildet für mich darüber hinaus die ideale Brücke zwischen Grundlagenforschung und Anwendungsbezug. Kein Wunder, dass ich mich hier als Wissenschaftlerin so wohl fühle.“