Der Philosoph Bernhard Waldenfels starb am 23. Januar. 

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Nachruf

Trauer um Bernhard Waldenfels

Der bedeutende Philosoph starb am 23. Januar im Alter von 91 Jahren.

Die Ruhr-Universität trauert um Prof. Dr. Bernhard Waldenfels. Der bedeutende Philosoph starb am 23. Januar 2026 im Alter von 91 Jahren in München. Waldenfels war von 1976 bis 1999 Professor für Philosophie an der Ruhr-Universität. Für sein Werk wurde er unter anderem mit dem Sigmund-Freud-Kulturpreis und dem Dr.-Leopold-Lucas-Preis ausgezeichnet.

Bernhard Waldenfels gilt als wichtiger Akteur in der zeitgenössischen Philosophie und gehört zu den bedeutendsten Autoren im Bereich der Phänomenologie. Sein umfangreiches Werk widmet sich hauptsächlich der Entwicklung einer Phänomenologie des Fremden. Viele seiner Werke wurden übersetzt, unter anderem ins Englische, Französische, Italienische, Japanische, Spanische, Türkische, Serbokroatische und Russische.

Waldenfels hat sich einschlägig um den deutsch-französischen Dialog verdient gemacht, indem er Denker wie Merleau-Ponty und Emmanuel Levinas mit seinem inzwischen zu einem Klassiker gewordenen Werk „Phänomenologie in Frankreich“ (1983) beim deutschsprachigen Publikum einführte. Sein eigenes Denken kristallisierte sich über Untersuchungen von Leiblichkeit, Ordnung und Alterität in einer „responsiven Phänomenologie“, die davon ausgeht, dass wir immer schon auf etwas antworten, das uns vorausgeht. Dieser Ansatz wurde in mehr als 30 Monografien und Sammelbänden, vor allem jedoch in den Hauptwerken „Antwortregister“ (1994) und „Bruchlinien der Erfahrung“ (2002), entwickelt.

Über Bernhard Waldenfels

Geboren wurde Bernhard Waldenfels am 17. März 1934 in Essen. Er studierte Philosophie, Psychologie, klassische Philologie und Geschichte in Bonn, Innsbruck und München, gefördert durch die Studienstiftung des deutschen Volkes. Nach der Promotion 1959 in München absolvierte Waldenfels sein Staatsexamen in den Fächern Griechisch, Latein und Geschichte. Nach einem Studienaufenthalt in Paris bereitete er sich als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) auf die Habilitation vor. Diese erfolgte 1967 in München, wo er anschließend seine Lehrtätigkeit als Universitätsdozent und außerordentlicher Professor aufnahm.

1976 nahm er einen Ruf an die Ruhr-Universität an. Hier war er bis zu seiner Emeritierung 1999 Professor für Philosophie. Er leitete unter anderem eines der ersten philosophischen DFG-Graduiertenkollegs („Phänomenologie und Hermeneutik“, 1992 bis 1998). 2012 ernannten ihn gleich zwei Hochschulen zum Ehrendoktor: die Universitäten Freiburg und Rostock. 2017 verlieh ihm die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung/Gesellschaft den Sigmund-Freud-Kulturpreis und 2021 die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Tübingen den Dr. Leopold Lucas-Preises.

Veröffentlicht

Freitag
30. Januar 2026
10:01 Uhr

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