Aus der Begeisterung für Japan wurde ein Studienwunsch. Heute studiert Manuel Noack „Sprachen und Kulturen Ostasiens“ an der Ruhr-Universität.
Studieren ohne Abitur
„Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal studiere“
Auch ohne Abi studiert Manuel Noack im ersten Semester Sprachen und Kulturen Ostasiens an der Ruhr-Universität.
Nach Ausbildung, Berufserfahrung und mehreren Aufenthalten in Japan studiert Manuel Noack nun im ersten Semester Sprachen und Kulturen Ostasiens an der Ruhr-Universität Bochum. „Mein Weg an die Ruhr-Universität war tatsächlich relativ komplex“, erzählt der Student rückblickend. Nach einer längeren Krankheitsphase begann er aus persönlichem Interesse, sich mit der japanischen Sprache zu beschäftigen, zunächst ganz ohne Studienpläne. Ein Abitur hatte er zu diesem Zeitpunkt nicht und studieren war für ihn lange kein Thema. Stattdessen absolvierte er eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik und arbeitete mehrere Jahre im Beruf.
Ich habe mich von Anfang an in die Sprache verliebt. Japanisch wirkt erstmal unmöglich, mit all den Schriftzeichen. Aber eigentlich ist es wie Lego aufgebaut: ein ganz eigenes System, und absolut lernbar.
Der entscheidende Impuls kam durch eine Reise nach Japan. „Ich habe mich dort wirklich ins Land verliebt“, sagt Noack. Kultur, Gesellschaft und Alltag hätten ihn tief beeindruckt. „Da kam langsam der Gedanke auf: Ich möchte länger hier sein. Und vielleicht auch beruflich etwas mit der Sprache machen.“ Es folgten ein längerer Aufenthalt in Tokio, ein Sprachschulbesuch und Kontakte zu Institutionen wie dem Goethe-Institut und der Ostasiengesellschaft. Erst dort erfuhr er, dass ein Studium auch ohne Abitur möglich ist.
Voraussetzungen längst erfüllt
Zurück in Deutschland informierte er sich intensiver und wandte sich schließlich an die Studienberatung der Ruhr-Universität. „Da stellte sich relativ schnell heraus, dass ich die Voraussetzungen längst erfülle: eine abgeschlossene Ausbildung und mehrere Jahre Berufserfahrung.“
In Nordrhein-Westfalen ist der Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte klar geregelt. Für ihn bedeutete das: Bewerbung möglich und erfolgreich. „Der Studiengang war NC-frei. Die Bewerbung war fast Formsache.“ Auch die Nähe zur Heimat spielte eine Rolle: „Ich musste nicht weit wegziehen – das war ein großer Pluspunkt für Bochum.“
Der Start ins Studium verlief organisatorisch unkompliziert: Wohnung über das AKAFÖ, Einschreibung, Semesterstart. Inhaltlich war der Übergang jedoch eine Umstellung. „Die Universität ist etwas völlig anderes als Schule. Der größte Unterschied ist die Eigenverantwortung.“
Besonders für Studierende, die lange nicht im Bildungssystem waren, sei das herausfordernd: „Man muss verstehen: Das Studium findet nicht nur in den Vorlesungen statt. Mindestens die gleiche Zeit arbeitet man zu Hause weiter.“
Erster Akademiker in der Familie
Diese Lernkultur sei nicht immer transparent genug kommuniziert. Dennoch hebt er das Umfeld in Bochum positiv hervor: „Die Professorinnen und Professoren sind unglaublich offen. Hier wird klar gesagt: Wenn ihr Fragen habt, kommt zu uns. Das ist sehr herzlich.“
In seiner Familie ist Manuel der Erste mit einem Studium, eine besondere Erfahrung. „Das ist eine Achterbahn der Gefühle. Nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie.“ Dass er, nachdem er schon viele Jahre im Beruf gearbeitet hat, nochmal von vorne anfängt, sei von außen für viele schwer nachvollziehbar: „Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen darüber hören und es selbst erleben.“
Der Bachelor ist ein wichtiger Schritt, aber ich weiß, dass ich sprachlich noch viel investieren muss. Schritt für Schritt.
„Ich würde ein Studium auf jeden Fall empfehlen. Ein akademischer Abschluss eröffnet beruflich ganz andere Möglichkeiten.“ Gerade im Sprachbereich sei ein Hochschulabschluss oft entscheidend: „Wenn zwei Leute gleich gut sind, entscheidet man sich am Ende fast immer für die Person mit akademischem Grad.“ Gleichzeitig rät er zu realistischer Vorbereitung: „Man sollte wissen, worauf man sich einlässt. Das Studium erfordert viel Eigenarbeit und Frustrationstoleranz.“
Blick in die Zukunft
Beruflich ist Manuel Noack offen, sowohl für Deutschland als auch für Japan. Langfristig zieht es ihn in Richtung Selbstständigkeit, etwa als Übersetzer, Japanischlehrer oder Reiseleiter. Perspektivisch denkt er sogar an einen spezialisierten Masterstudiengang im Bereich Konferenzdolmetschen.