Lukas Aust (links) und Jan Miksch durften als Lehramtsstudierende ein Einführungsseminar von Grund auf neu aufsetzen. Eine große Chance.
Sportwissenschaft
„Wir wollen vermitteln, dass Studium kein Einzelkampf sein muss.“
Zwei Masterstudierende haben ein Einführungsmodul in der Sportwissenschaft generalüberholt.
Jedes Seminar beginnt mit einer Aufwärmübung, inhaltlich vermittelt werden das wissenschaftliche Arbeiten, aber auch der reflektierte Umgang mit KI – und Raum für persönlichen Austausch gibt es auch. So gestaltet sich von nun an das Einführungsseminar „Einführung in das Forschende Lernen und wissenschaftliche Arbeiten in der Sportwissenschaf“. Zwei Lehramtsstudierende – Lukas Aust und Jan Miksch – haben es in Zusammenarbeit mit vier Dozierenden der Fakultät für Sportwissenschaft generalüberholt. Im Interview erzählt Aust von seinen Erfahrungen.
Herr Aust, Sie sind selbst noch Masterstudent: Wie kommt es, dass Sie unterrichten?
Unsere Studiendekanin kam auf meinen Kommilitonen Jan und mich zu. Die Idee war, das Pflichtmodul zum Forschenden Lernen für Erstis in der Sportwissenschaft inhaltlich und methodisch von Grund auf neu zu konzipieren. Die Dozierenden haben uns dabei viele Freiheiten gelassen und uns großes Vertrauen entgegengebracht.
Worum geht es in dem Seminar?
Inhaltlich soll das Seminar einen guten Einstieg ins Studium ermöglichen. In dem Seminar führen wir in die Prinzipien des Forschenden Lernens und wissenschaftlichen Arbeitens in der Sportwissenschaft ein: Wie entwickelt man eine Forschungsfrage? Wie funktioniert wissenschaftliches Schreiben? Was gehört zu einer Hausarbeit dazu? Wie kommt man überhaupt in den Schreibprozess hinein? Uns ist wichtig, diese Themen nicht nur theoretisch zu erklären, sondern möglichst praxisnah und zugänglich zu vermitteln. Wir wollen unseren Studierenden dabei auch zeigen, wie eng Forschendes Lernen mit den eigenen Interessen und biografischen Erfahrungen verbunden sein kann. Ein besonderer Schwerpunkt liegt zudem auf einem reflektierten Umgang mit generativer KI im wissenschaftlichen Arbeiten.
Was ist neu?
Neu sind die kognitiv-emotionalen Warm-up- und Reflexionsphasen zu Persönlichkeitsentwicklung, Austausch und Beziehungsarbeit sowie die Vorstellung des Scaffoldings als Methode, da Jan und ich damit selbst sehr gute Erfahrungen im Studium gemacht haben.
Sie beginnen also jede Lehreinheit mit einer Warm-up-Übung: Woher kam die Idee dazu?
Die Idee zu den Warm-up-Übungen entstand zunächst einmal ganz pragmatisch daraus, dass das Seminar freitagmorgens um 8.15 Uhr stattfindet. Beim Warm-up geht es aber dabei weniger um ein sportliches Aufwärmen, sondern eher um eine kognitive und emotionale Aktivierung.
Was bedeutet das konkret?
Es geht darum, erst einmal anzukommen, präsent zu werden und eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Gerade diese ersten fünf bis zehn Minuten haben oft einen großen Einfluss darauf, wie offen, konzentriert und gemeinschaftlich ein Seminar anschließend erlebt wird.
Wir wollen zugleich zeigen, dass Hochschullehre persönlicher und didaktisch vielfältiger sein darf – und sein muss.
Wir wollen zugleich zeigen, dass Hochschullehre persönlicher und didaktisch vielfältiger sein darf – und auch sein muss. Universität ist schließlich nicht nur ein Ort, an dem Inhalte vermittelt werden, sondern ein Raum, in dem Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten, Unsicherheiten, Interessen und Lebenswegen zusammenkommen.
Was sollen die Studierenden aus Ihrem Seminar mitnehmen?
Wir wollen vermitteln, dass Studium kein Einzelkampf sein muss. Viele Studierende starten mit dem Gefühl ins erste Semester, allein zu sein, Niemanden zu kennen oder mit ihren Unsicherheiten allein klarkommen zu müssen. Deshalb haben wir versucht, durch viel Austausch erste „soziale Auffangnetze“ zu schaffen.
Wir wollen Räume schaffen, in denen sich Studierende nicht nur fachlich, sondern auch persönlich mit sich selbst auseinandersetzen können.
Wir wollen Räume schaffen, in denen sich Studierende nicht nur fachlich, sondern auch persönlich mit sich selbst auseinandersetzen können: Wo möchte ich eigentlich hin? Was sind meine Stärken? Was begleitet mich vielleicht auch im Studium? Worauf kann ich mich bei mir selbst verlassen? Gerade diese Verbindung aus wissenschaftlicher Orientierung und persönlicher Entwicklung ist uns besonders wichtig.
Warum ist es Ihnen so wichtig, sich aktiv in die Weiterentwicklung der Lehre einzubringen?
Das hat sich im Laufe meines Studiums entwickelt. Einen großen Einfluss hatte dabei die Studierendeninitiative „Kreidestaub e. V.“, die sich mit Fragen rund um innovative Hochschullehre beschäftigt. Darüber durfte ich bereits verschiedene Formate und Seminare mitgestalten und begleiten – unter anderem in der Lehramtsausbildung. Dabei habe ich gemerkt, wie erfüllend es sein kann, Lehre selbst mitzugestalten und hinter die Kulissen von Hochschullehre zu schauen.
Was motiviert Sie?
Mich motiviert dabei vor allem der Gedanke, Dinge nicht nur zu kritisieren, sondern aktiv mitzugestalten. Gerade in der Lehrkräftebildung habe ich häufig das Gefühl, dass Lehre noch stärker praxisnah, gemeinschaftlich und studierendenorientiert gedacht werden könnte. Ich glaube, wenn man merkt, dass ein System an manchen Stellen Veränderung braucht, sollte man versuchen, selbst Verantwortung zu übernehmen und eigene Ideen einzubringen.
Dass uns als Studierenden zugetraut wurde, ein Seminar mitzuentwickeln, war eine enorme Wertschätzung.
Besonders motivierend war für mich die große Vertrauensbasis mit den Dozierenden. Dass uns als Studierenden zugetraut wurde, ein Seminar mitzuentwickeln und teilweise selbst umzusetzen, war eine enorme Wertschätzung.
Zum Schluss: Haben Sie noch einen Tipp für unsere Erstis?
Erstens: Traut euch! Traut euch, auf Menschen zuzugehen, Fragen zu stellen, Unsicherheiten auszusprechen und auch mal orientierungslos zu sein. Niemand startet perfekt ins Studium, auch wenn es manchmal so wirkt. Fehler gehören dazu – und oft sind es gerade die Fehler oder Umwege, aus denen man am meisten lernt und sich weiterentwickelt.
Verliert euch nicht im Studium! Genießt die Zeit!
Außerdem: Verliert euch nicht im Studium! Universität sollte nicht nur ein Ort von Leistung und Prüfungen sein, sondern auch ein Ort von Gemeinschaft, Entwicklung und Begegnung. Dort entstehen Freundschaften, neue Perspektiven und manchmal auch ganz neue Wege im Leben.
Deswegen: Genießt die Zeit! Studium bringt natürlich auch Stress, Unsicherheiten und Druck mit sich, aber gleichzeitig steckt darin unglaublich viel Potenzial – für persönliches Wachstum, neue Erfahrungen und dafür, sich selbst noch einmal ganz neu kennenzulernen.