Ausgründung

Gewohnheiten schaffen, Selbstmanagement stärken.

Ein Start-up aus dem Bereich Betriebswirtschaftslehre unterstützt beim Selbstmanagement.

„Es lag nie an den Studieninhalten. Oder den intellektuellen Fähigkeiten unserer Studierenden“, beginnt Robin Matz, Mitarbeiter am Zentrum für Wissenschaftsdidaktik und Gründer des Instituts für Selbstmanagement GmbH. „Während der Pandemie stellten wir fest, dass sie vielmehr mit der Schnelllebigkeit unserer heutigen Zeit und ihren Herausforderungen, der immer komplexeren Umwelt, dem Selbststudium, der Selbstorganisation zu kämpfen hatten“, so Matz weiter.

Matz lehrte und promovierte damals am Lehrstuhl für Human Resource Management von Prof. Dr. Stefan Winter. Um ihren Studierenden den Studienalltag daheim zu erleichtern, entwickelten Matz und Winter kurzerhand das Modul „Selbstmanagement“ für Management und Economics-Bachelorstudierende, das ihnen nicht nur Hintergrundwissen, sondern auch nützliche Strategien und Tools vermittelte. „Das Modul kam überragend gut an. Die Nachfrage war riesig. 500 meldeten sich am Ende zur Klausur an – das war Rekord“, erinnert sich Matz. „Die Studierenden waren total dankbar. Sie schrieben, sie hätten in dem Kurs „etwas fürs Leben gelernt“, „ihre Einstellungen überdacht“, der Kurs habe „nachhaltig etwas bewirkt.“

Die eigenen Verhaltensweisen verstehen

Das von Matz und Winter entwickelte Modul wird bis heute angeboten. Es beinhaltet dreizehn 90-minütige Vorlesungen zu verschiedenen Themen des Selbstmanagements. „Alle Inhalte, die wir hier vermitteln, speisen sich hauptsächlich aus den Disziplinen der Verhaltensökonomie, der Gehirnforschung und der Psychologie“, erklärt Matz. So beginnt der Kurs mit einer generellen Einführung in die neusten Forschungsergebnisse zum menschlichen Verhalten: Welche Verhaltensweisen sind angeboren, welche ahmen wir nach, welche können wir neu erlernen? Welche Entscheidungssysteme gibt es? Welche Rolle spielen etwa Emotionen, Reize, unsere Willenskraft und Disziplin? Wie etablieren wir neue Gewohnheiten?

„Uns war wichtig, dass unsere Studierenden im ersten Schritt ihr eigenes Verhalten bewusst wahrnehmen und wissenschaftlich fundiert reflektieren können“, erklärt Matz. Im Kurs unterscheiden Matz und Winter unter anderem zwischen fünf verschiedenen Entscheidungssystemen. „Wir leiten pro Entscheidungssystem unterschiedliche Strategien ab. Wir wollen praktische Handlungsempfehlungen geben können“, so Matz weiter.

Von der Idee zur Gründung

Aus dem Modul für Studierende erwuchs schließlich auch die Idee, die Inhalte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. „Wir haben überlegt, dass diese ganzen Thematiken, die wir entwickelt haben, also das innovative Selbstmanagement-Konzept, nicht nur für Studierende exklusiv relevant sein würde.“ Im Juni 2025 gründeten Matz und Winter das Institut für Selbstmanagement GmbH, das Unternehmen und Organisationen die Inhalte der ursprünglichen Vorlesungen in Form von Workshops bereitstellt.

„Wir bieten mittlerweile Workshops, Beratung und Coachings zu verschiedenen Themenbereichen des Selbstmanagements an. Aktuell hauptsächlich im B2B-Bereich, das heißt in den Weiterbildungsabteilungen und Akademien von Unternehmen, die uns dann buchen“, so Matz. Thematische Schwerpunkte seien zum Beispiel Gewohnheitsbildung, Unterbrechungsmanagement, Nein-sagen, aber auch Ernährungsverhalten und Schlaf. „Einige unserer Tagesworkshops haben wir mittlerweile als Video-Online-Kurse aufgezeichnet“, so Matz weiter. Die Angebote würden gut nachgefragt. „Wir sind in der Wachstumsphase, stellen demnächst mehr Trainer ein und entwickeln unsere Inhalte weiter. Die Buchungen laufen oft über persönliche Empfehlungen“, berichtet Matz.

Exklusiv für RUB-Angehörige

Alle RUB-Studierenden haben ab sofort auch Zugriff auf die Tipps und Tools mithilfe eines Moodle-Kurses. Auch Beschäftigten soll der 90-minütige Basiskurs künftig bereitgestellt werden. „Wir loten aktuell Möglichkeiten aus, wie diese Videokurse allen Mitarbeitenden der Ruhr-Uni kostenlos zur Verfügung gestellt werden können“, so Matz. Die Redaktion informiert dann hier und im Serviceportal. Bis es so weit ist, teilt Robin Matz hier seine Top-3-Selbstmanagement-Tipps mit uns (die sich nicht nur ausschließlich an Erstsemesterstudierende richten):

Drei Selbstmanagement-Tipps für Studierende

  1. Nutze den „Unterbrechungseffekt“ des Studienstarts
    Der Start an einer neuen Universität ist eine der besten Chancen für Verhaltensänderungen. 
    Der Tipp: Da du dich in einem neuen Umfeld bewegst, ist dein Gehirn gezwungen, neu nachzudenken und Automatismen zu unterbrechen. Nutze diesen „Reset“, um dir von Tag eins an konstruktive Lern- und Sportroutinen zuzulegen, bevor sich neue, ungünstige Routinen (wie stundenlanges Social Media oder Fast Food) einschleifen.
  2. Formuliere konkrete „Implementierungsintentionen“ (Wenn-Dann-Pläne)
    Vage Vorsätze wie „Ich werde mehr lernen“ funktionieren nicht, weil das Gehirn nicht weiß, was es tun soll.
    Der Tipp: Erstelle Wenn-Dann-Pläne für dein Studium. Zum Beispiel: „Wenn ich um 14 Uhr aus der Vorlesung komme, dann gehe ich direkt für 60 Minuten in die Bibliothek, um das Skript nachzubereiten“. Das delegiert das „Daran-Denken“ an die Situation und spart wertvolle Willenskraft.
  3. Kontrolliere deine „Auslösereize“ – insbesondere das Smartphone
    Gewohnheiten werden oft durch unbewusste Reize in deinem Umfeld ausgelöst. 
    Der Tipp: Gestalte deine Lernumgebung aktiv um. Schalte dein Smartphone beim Lernen in den Flugmodus und lege es in eine Tasche oder Schublade, wo du es nicht siehst. Den Auslösereiz zu eliminieren ist viel einfacher und effektiver, als mit purer Disziplin gegen den Drang anzukämpfen, ständig draufzuschauen.

Kontakt

Dr. Robin Matz
Hochschuldidaktik
Tel.: +49 234 32 15222
E-Mail: robin.matz@rub.de
LinkedIn

Veröffentlicht

Mittwoch
08. Juli 2026
09:44 Uhr

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