Materialforschung
Schülerinnen und Schüler simulieren und experimentieren
So ein Schnürsenkel hält viel mehr aus als man meint. Die 24 Teilnehmenden der Summer School Materialforschung haben das geprüft.
Gebannt fixieren 24 Schülerinnen und Schüler der zehnten bis zwölften Klasse einen weißen Schnürsenkel. Er ist an zwei Stellen in eine Apparatur geklemmt, die ihn millimeterweise auseinanderzieht. Wer genau hinschaut, kann sehen, dass er immer dünner und länger wird. Wie viel Zug wird er aushalten? Fünf Kilo war die erste vorsichtige Schätzung, bis auf 30 Kilo bot man sich hoch. Doch der Senkel hält immer noch.
Genauso gespannt wie die Schüler*innen, die aus Bochum und umliegenden Städten für zwei Tage die Summer School Materialforschung besuchen, sind deren Organisatoren aus dem Institut für Werkstoffe der Ruhr-Universität und dem Interdisciplinary Centre for Advanced Materials Simulation ICAMS. In ihrem Alltag befassen sie sich weniger mit Textilien als vielmehr mit metallischen Werkstoffen, die unter anderem dafür sorgen, dass Autos sicher, Flugzeuge leicht und Katalysatoren leistungsstark sind.
Diese Arbeit veranschaulichen sie an den beiden Tagen der Summer School den Teilnehmenden, die nicht im Klassenverband angereist sind, sondern sich eigenständig angemeldet haben. „Meine Mutter hat das Angebot im Internet gesehen“, erzählt Sam aus Herne. „Ich habe mich dann angemeldet und wurde gegen Vorlage einer gestempelten Bestätigung von der Schule freigestellt.“ Sein Interesse richtet sich auf den Maschinenbau. „Materialforschung ist auch interessant, aber sehr speziell“, so sein Fazit nach dem ersten Tag.
Die Ausstellung
Die Ausstellung
In der Summer School stehen verschiedene Themen auf dem Programm, die in kleinen Gruppen zunächst im ICAMS per Simulation untersucht und dann später im Experiment ausprobiert werden. Seit neuestem stehen dafür neun Versuchsstände einer Ausstellung zur Verfügung, die man nach einer kurzen Einführung auch selbst bedienen kann, so wie der Zugversuch, in dem der Schnürsenkel inzwischen schon über 50 Kilo Zug aushält. Andere Versuchsstände laden zum Mikroskopieren ein, ermitteln die Wärmeverteilung in Werkstoffen oder erlauben es, sie mittels Röntgenspektrometrie zu untersuchen.
Superstarker Senkel
„Mir macht das richtig Spaß“, sagt Djamy aus Bochum, die mit einer Freundin aus der Hildegardis-Schule kommt, wo sie eine Chemielehrerin auf das Angebot der Summer School aufmerksam gemacht hat. „Ob ich das mal studiere oder mehr so nebenbei machen möchte, weiß ich noch nicht.“
Organisator Prof. Dr. Sebastian Weber ist zufrieden: „Wir bieten die Summer School jedes Jahr an, und dieses Mal haben wir 24 Teilnehmende, das ist ein schöner Erfolg.“
Der Zugversuch war dann schließlich auch erfolgreich: Bei einer Belastung von 750 Newton riss der Senkel doch noch. Er kann also mehr als 75 Kilo tragen, wer hätte das gedacht?