Matthias Kleff und Christian Kullmann (Evonik), Fynn Janßen und Marie-Sophie Wiedemann (Studierende), Christian Pokropp und Guido Kerkhoff (Klöckner und Co SE), Prof. Dr. Stephan Paul und Prof. Dr. Nicola Werbeck (Wiwi-Fakultät)
Wirtschaftswissenschaft
Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Umbruch
Bei der Abschlussveranstaltung des Sommersemesters sprachen illustre Gäste über die derzeitigen Entwicklungen.
„Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Umbruch“, das war der Fokus der Semesterabschlussveranstaltung der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der Ruhr-Universität in Kooperation mit dem ikf institut für kredit- und finanzwirtschaft am 15. Juli 2026 in Bochum. Christian Kullmann, CEO der Evonik Industries AG, beschrieb die dramatische wirtschaftliche Situation: „Die jetzige Krise ist erst der Anfang.“ Er sah jedoch auch einen Ansatzpunkt für die Unternehmen hierzulande, sich gegenüber der scheinbar übermächtigen internationalen Konkurrenz zu behaupten: „Allein werden wir die die Welt nicht gewinnen, wir müssen uns mit Gleichgesinnten zusammentun. Und bei allen wirtschaftlichen Nachteilen und Rückständen haben wir in Deutschland und Europa einen unfassbaren Wettbewerbsvorteil: Freiheit!“ Für sein Unternehmen bedeute dies: „Für uns bei Evonik gibt es nur zu zwei Leitprinzipien: Toleranz und Liberalität in jeder Hinsicht sowie Leistung und Wertschaffung.“ Vor allem appellierte er eindringlich an die rund 400 Studierenden: „Demokratie fällt nicht wie Manna vom Himmel. Engagieren Sie sich, damit unser politisches System, das die Grundlage für Wirtschaftswachstum ist, keinen Schaden nimmt.“
Er ließ es sich daher auch nicht nehmen, gemeinsam mit Guido Kerkhoff, CEO von Klöckner & Co. SE, Vertreterinnen und Vertreter der Beumer Group, der Sparkasse Bochum und des VfL Bochum erstmals die besten Studierenden des Jahrgangs für ihre Aufnahme in die neu von der Fakultät ins Leben gerufenen Dean’s List zu ehren sowie fünf Doktoranden und Doktorandinnen auszuzeichnen. Damit solle – so die Dekanin Prof. Dr. Nicola Werbeck – die besondere Wertschätzung der Fakultät für den Einsatz und die Entschlossenheit der Studierenden sowie der Doktoranden und Doktorandinnen zum Ausdruck gebracht werden, die die ausgezeichneten Spitzenleistungen ermöglicht hätten.
Im Umbruch – so Prof. Dr. Stephan Paul, Geschäftsführender Vorstand des ikf und Prodekan der Fakultät – sei derzeit auch aufgrund von Abbaumaßnahmen in den USA und Reformvorschlägen in Europa die Regulierung der Banken. Michael Theurer, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, knüpfte in seinem Impulsvortrag über diesen Paradigmenwechsel an den von Christian Kullmann benutzten Begriff der Überregulierung an und stellte heraus, dass „gute Regulierung nicht einzelne Anbieter begünstigen, sondern faire Wettbewerbsbedingungen schaffen“ solle. Seines Erachtens sei die Regulierung der Kreditwirtschaft „reif, aber auch komplex“ und bedürfe daher dringend der Weiterentwicklung durch „mehr Einfachheit und Proportionalität.“
In der sich anschließenden Podiumsdiskussion strichen Dr. Florian Müller, Mitglied des Vorstands, Volksbank Sauerland eG, und Marco Steinbach, Mitglied des Vorstands der Kreissparkasse Köln, ihren Wunsch nach größeren unternehmerischen Handlungsspielräumen heraus, die jedoch nicht zu einem Verlust an Finanzmarktstabilität führen dürften. Auch müssten die Konsequenzen der jüngsten Reformvorschläge für die kreditwirtschaftlichen Verbundorganisationen bedacht werden.