Die Studie wurde an Mäusen durchgeführt.
„Absurdester Tierversuch“
Nominierte Studie klärt Fragen zur Versorgung von Brandwunden
In extremer Verkürzung wird eine Studie diskreditiert, die Fragen zur Behandlung Schwerbrandverletzter beantwortet.
Eine ältere Studie zur Wundheilung am Bergmannsheil, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, ist vom Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ für den absurdesten Tierversuch 2026 nominiert worden. In der bereits 2017 abgeschlossenen Arbeit ging es um Behandlungsmöglichkeiten für schwere Verbrennungen. Untersucht wurde, ob das bewährte medizinische Verfahren „remote ischemic conditioning“ den Heilungsprozess von Brandwunden unterstützt.
Komplizierte Verletzungen, wie Verbrennungen beim Menschen, lassen sich weder gezielt noch unter immer gleichen Bedingungen untersuchen. Um verlässliche und vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, braucht es daher standardisierte Modelle. Tiermodelle ermöglichen eine genaue Vergleichbarkeit unter klar definierten Bedingungen.
Entgegen der Darstellung des Vereins handelte es sich bei der erzeugten Verletzung um eine sehr kleine Verbrennungswunde im mikroskopischen Bereich, sprich: mit dem bloßen Auge kaum erkennbar. Diese wurde unter Inhalationsnarkose gesetzt und war bewusst so klein gehalten, dass sie wissenschaftlich untersucht werden kann, ohne unnötige Belastungen zu verursachen. Zudem wurde eine drittgradige Verbrennung gesetzt, die auch die Nervenenden zerstört und somit nahezu schmerzfrei ist.
Das sogenannte „Abbinden eines Beines“, das in der Darstellung kritisch hervorgehoben wird, ist ein bekanntes medizinisches Verfahren. Es heißt „remote ischemic conditioning“. Dabei wird die Durchblutung einer Gliedmaße für kurze Zeit unter Inhalationsnarkose, also komplett schmerzfrei, verringert. Es ist bekannt, dass es Heilungsprozesse im Körper positiv beeinflussen kann.
Genau das war auch das Ziel dieser Studie: herauszufinden, ob dieses Verfahren die Heilung von Verbrennungswunden verbessern kann. Solche Erkenntnisse sind wichtig, um langfristig bessere Behandlungsmöglichkeiten für Patientinnen und Patienten mit schweren Verbrennungen zu entwickeln.
Der Versuch war durch einen von der damals zuständigen Einrichtung genehmigten Tierversuchsantrag abgesichert und unterlag den strengen gesetzlichen Vorgaben für Tierversuche. Jeder Versuch, der von forschenden Mitarbeitenden der Klinik durchgeführt wird, durchläuft zuvor ein klar definiertes behördliches Genehmigungsverfahren nach strengen gesetzlichen und ethischen Leitlinien. Grundlagen bilden dafür das deutsche Tierschutzgesetz sowie die EU-Richtlinie 2010/63/EU. Tierversuche werden ausschließlich dann genehmigt, wenn es keine alternativen Möglichkeiten für die Gewinnung der Erkenntnisse gibt.