Im April informierte die Ruhr-Universität Bochum an einem Stand über tierexperimentelle Forschung. 

© RUB, Kircher

Tierexperimentelle Forschung

Mehr Transparenz und Dialog über Tierversuche

Forschende der RUB suchen das Gespräch und ermöglichen Einblicke in ihre Arbeit.

Warum kann man in der Forschung auf Tierversuche noch nicht verzichten? Was tut die Ruhr-Universität Bochum, um deren Anzahl möglichst gering zu halten? Welche Maßnahmen werden ergriffen, damit es den Tieren gut geht? Diesen Fragen stellt sich die Ruhr-Universität offensiv: Sie hat ihre Grundsätze zur tierexperimentellen Forschung in einem neuen Leitbild festgehalten, das im April 2026 vom Rektorat verabschiedet wurde. Parallel setzt sie auf Transparenz und Austausch: Am 16. April 2026 standen Forschende und das Tierschutzteam erstmals an einem Infostand auf dem Campus für Fragen und Gespräche zur Verfügung. Am Tag des Versuchstiers am 24. April 2026 fand die Veranstaltung „Tierexperimentelle Forschung im interdisziplinären Dialog“ statt. 

Neue Leitlinie

In der neuen Leitlinie unterstreicht die RUB ihre ethische Verantwortung im Umgang mit Tierversuchen über das gesetzlich geforderte Maß hinaus. „Für die Sicherstellung des Wohlergehens der uns anvertrauten Tiere gelten ebenso hohe ethische Ansprüche wie an die wissenschaftliche Qualität unserer Arbeit“, heißt es unter anderem. Die Leitlinie ist verbindlich für alle Personen, die mit Versuchstieren umgehen. 

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Infostand auf dem Campus

Mitten auf dem Nordforum suchten Forschende und das Team Tierschutz der RUB am 16. April das Gespräch mit Passantinnen und Passanten über die Notwendigkeit und die Bedingungen von Tierversuchen in Grundlagen- und angewandter Forschung. Interessierte konnten sich Infomaterial mitnehmen und selbst Tests ausprobieren, an denen sonst Versuchstiere in Verhaltensversuchen teilnehmen. „Wir haben uns mit vielen Personen ausgetauscht und interessante Gespräche geführt, auch mit Personen, die Tierversuche kritisch sehen oder ablehnen. Nur auf diesem Weg lassen sich falsche Informationen, die in der Öffentlichkeit kursieren, richtigstellen und die Motivation von Wissenschaftler*innen für tierexperimenteller Forschung vermitteln“, so das Fazit von Matthias Schmidt, einem der Tierschutzbeauftragten der RUB. 

Einblicke in die Forschung

Am 24. April gaben Forschende Einblick in ihre Versuche mit Tieren. Verhaltensexperimente mit Vögeln können zum Beispiel Aufschluss darüber geben, wie sie lernen. Im Vergleich mit dem Menschen zeigen sich dadurch grundsätzliche Prinzipien des Lernens. Anhand der Gemeinsamkeiten und Unterschiede lässt sich beobachten, dass die Evolution auf zwei sehr verschiedenen Wegen zu sehr ähnlichen Ergebnissen gekommen ist. 

Lernprozesse stehen auch im Mittelpunkt der Arbeit mit Mäusen. Sie lernen zum Beispiel, einen Ton mit einem unangenehmen Reiz zu verbinden. Besonders interessant ist jedoch, wie sie diese Verknüpfung wieder verlernen, wenn der Ton häufiger erklingt, ohne dass der Reiz folgt. Denn dieses Verlernen ist bei Menschen mit Angststörungen und Traumata oftmals gestört. Die Versuche haben ergeben, dass ein bestimmter Serotoninrezeptor mit diesen Prozessen in Verbindung steht, und dass es dabei einen Zusammenhang mit dem Geschlecht gibt. Männliche Mäuse, denen der Rezeptor fehlt, verlernen Ängste leichter als diejenigen mit dem Rezeptor. Bei Weibchen lässt sich dieser Zusammenhang aber nicht feststellen. Das könnte Auswirkungen auf die Behandlung von Angststörungen bei Frauen haben. 

Mäuse werden auch in der Herz-Kreislaufforschung eingesetzt. Bestimmte Formen von Herzschwäche, die zum Beispiel durch einen Herzinfarkt ausgelöst werden können, führen bei sehr vielen Betroffenen binnen kurzer Zeit zum Tod. Was im Herzen mit der Zeit passiert, wenn die entsprechende Schädigung auftritt, lässt sich nur im Tiermodell untersuchen. Aus den Ergebnissen hoffen die Forschenden, Behandlungsmethoden ableiten zu können, die betroffenen Menschen das Leben retten können. Ebenso führten Tests an Mäusen mit einer erblichen Augenerkrankung zu Ergebnissen, die Menschen mit Retinitis pigmentosa helfen können, den durch die Krankheit verursachten Sehverlust aufzuhalten.

„Insgesamt haben das gezeigte Interesse und die positiven Reaktionen auf die verschiedenen Aktionen alle Beteiligten darin bestärkt, diesen Weg einer transparenten Kommunikation zu tierexperimenteller Forschung an der RUB weiterzugehen und auszubauen“, lautet das abschließende Fazit von Matthias Schmidt stellvertretend für alle Verantwortlichen.

Veröffentlicht

Dienstag
05. Mai 2026
15:08 Uhr

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