Die Ausstellung, die derzeit in Warschau zu sehen ist, wird auf Deutsch und Polnisch gezeigt. Sie wird anschließend in weiteren Städten in Deutschland und Polen zu sehen sein.

© Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit

Eröffnung

Ausstellung zum deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag

Die Ausstellung ist das Ergebnis einer Wrocławer-Bochumer Zusammenarbeit im Rahmen einer Gastprofessur. Sie wird durch Deutschland und Polen touren.

Eine Ausstellung im polnischen Parlament (Sejm) beleuchtet seit dem 29. Juli 2026 die deutsch-polnischen Beziehungen. Entstanden ist sie im Rahmen des Forschungsaufenthalts von Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz, Universität Wrocław, an der Bochumer Professur für Zeitgeschichte. Die Ausstellung mit dem Titel „Nicht gegeneinander, sondern miteinander“ erzählt die Geschichte des deutsch-polnischen Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit von 1991 und seiner Bedeutung für die Entwicklung der Beziehungen zwischen beiden Ländern. Sie zeigt, wie nach Jahrzehnten von Krieg, Besatzung, Vertreibungen und gegenseitigem Misstrauen ein neuer Rahmen für Zusammenarbeit und Dialog entstand.

„Die Ausstellung versteht sich nicht als Feier einer Erfolgsgeschichte, sondern als Einladung, über den langen Weg nachzudenken, den beide Gesellschaften zurückgelegt haben – und über die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft der deutsch-polnischen Beziehungen“, sagt Krzysztof Ruchniewicz.

Die Ausstellungstafeln beleuchten nicht nur die politischen Verhandlungen und die Unterzeichnung des Vertrags. Sie machen auch sichtbar, welche Auswirkungen dessen Bestimmungen auf das tägliche Leben hatten – auf die Zusammenarbeit von Regionen und Kommunen, auf Wissenschaft, Kultur, Bildung, den Jugendaustausch sowie auf die wirtschaftlichen Beziehungen. Gleichzeitig verschweigt die Ausstellung Konflikte und Kontroversen nicht.

Die DAAD-Gastprofessur an der Ruhr-Universität Bochum hat mir hervorragende Bedingungen geboten.

— Krzysztof Ruchniewicz

Den Auftrag für die Konzeption der Ausstellung erhielt Ruchniewicz vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Oppeln. „Ich habe ihn sehr gerne angenommen“, sagt der Historiker. „Die DAAD-Gastprofessur an der Ruhr-Universität Bochum bietet mir hervorragende Bedingungen, um die Ausstellung zu konzipieren und auszuarbeiten. Ich kann wissenschaftliche Forschung und universitäre Lehre mit der Vermittlung von Geschichte in die Öffentlichkeit verbinden – im intensiven Austausch mit Studierenden sowie Kolleginnen und Kollegen über unterschiedliche historische und gegenwartsbezogene Aspekte der deutsch-polnischen Beziehungen. Ich freue mich sehr, diese Arbeit auch im kommenden Semester an der Ruhr-Universität Bochum fortsetzen zu können.“

Deutsch-polnischer Nachbarschaftsvertrag

Am 17. Juni 1991 unterzeichneten Polen und Deutschland den Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit. Er schuf die Grundlage für eine neue Phase der Beziehungen zwischen beiden Staaten nach den Erfahrungen von Krieg, nationalsozialistischer Besatzung, Vertreibungen und der Teilung Europas.

Der Vertrag war das Ergebnis der tiefgreifenden politischen Umbrüche der Jahre 1989 bis 1991: des Zusammenbruchs des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa, der deutschen Einheit sowie der Neuordnung Europas nach dem Ende des Kalten Krieges. Zu den wichtigsten Etappen dieses Prozesses gehörten die gemeinsamen Erklärungen von Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki und Bundeskanzler Helmut Kohl im November 1989, die Zwei-plus-Vier-Verhandlungen sowie der deutsch-polnische Grenzvertrag von 1990.

Der sogenannte große Vertrag von 1991 beseitigte die schwierige Vergangenheit nicht und löste auch die Konflikte der Erinnerungskultur nicht. Er schuf jedoch einen politischen und rechtlichen Rahmen, der Dialog, Vertrauensbildung und eine intensive Zusammenarbeit ermöglichte. In den folgenden Jahrzehnten entwickelten sich die deutsch-polnischen Beziehungen – in den Worten des Publizisten Stanisław Stomma – vom „Fatalismus der Feindschaft“ zu einer Partnerschaft im vereinten Europa.

Die politische Annäherung schlug sich rasch in einer intensiven Zusammenarbeit auf gesellschaftlicher, kultureller, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene nieder. Zu den zahlreichen Ergebnissen dieser Entwicklung gehört auch das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Oppeln, das sich seit vielen Jahren für den Dialog und die Verständigung zwischen beiden Gesellschaften engagiert.

Der Vertrag wurde zugleich zu einem wichtigen Fundament des polnischen Weges in die NATO und in die Europäische Union. Der damalige polnische Außenminister Krzysztof Skubiszewski sprach in diesem Zusammenhang von einer „deutsch-polnischen Interessen- und Wertegemeinschaft im sich vereinigenden Europa“.

Veröffentlicht

Freitag
31. Juli 2026
09:50 Uhr

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