SERIE Neu ernannt

Johannes Karges arbeitet an der Ruhr-Universität an der Schnittstelle zwischen vielen verschiedenen Disziplinen. 

© RUB, Kramer

Medizin

„Man kann alles lernen, wenn es einen interessiert“

Johannes Karges vereint in seiner Arbeitsgruppe die Expertise aus Chemie, Biologie, Physik und Medizin.

Prof. Dr. Johannes Karges entwickelt im Labor hergestellte neue Wirkstoffe gegen Krebs, die sich gezielt durch physikalische Signale aktivieren lassen. Dadurch sollen sie erst dann ihre Wirkung entfalten, wenn sie den Tumor erreicht haben, und gesundes Gewebe möglichst geschont werden. Zum 1. April 2026 wurde Karges zum Professor für Biophysik mit Schwerpunkt Spatial Biology in Translationaler Medizin ernannt. 

Sein Ziel ist es, die Erkenntnisse der biophysikalischen Grundlagenforschung in die Medizin zu bringen. Im Fokus stehen erstens neue Wirkungsmechanismen zur Überwindung von Wirkstoffresistenzen in Tumoren, zweitens die präzise Aktivierung von Wirkstoffen direkt am Zielort, um Nebenwirkungen zu reduzieren, und drittens die Aktivierung des Immunsystems um gestreute Tumormetastasen nachhaltig zu bekämpfen. „Beim Menschen sind wir da noch nicht, das muss man ehrlich sagen“, schränkt er ein. Die bisherigen Arbeiten seines Teams lassen jedoch hoffen; allein in den vergangenen drei Jahren wurde er mit vier hochkarätigen Preisen ausgezeichnet. 

„Gerade an den Schnittstellen zwischen den Disziplinen lässt sich viel erreichen“, ist seine Erfahrung. „Dort eröffnen sich neue Forschungsfelder, weil früher häufig in voneinander getrennten Schubladen gearbeitet wurde.“ Er selbst vereint in seiner Arbeitsgruppe Expertise aus Biologie, Chemie, Physik und Medizin. „Wir sind offen für alles, und ich bin überzeugt, dass man alles lernen kann, wenn es einen interessiert“, sagt der Forscher.

Mit seinem Team zieht er gerade um in den Forschungsbau Prodi auf dem Gesundheitscampus. Dort arbeiten sechs Arbeitsgruppen auf vier Etagen, sämtliche Labore sind bereits vorhanden. „Ein perfekter Fit“, freut sich Karges. Die Zusammenarbeit mit anderen Gruppen, darunter auch klinischen, wird im Prodi durch die räumliche Nähe einfach sein. „Das Netzwerk funktioniert hier einfach prima.“

Zur Person

Johannes Karges (Jahrgang 1992) studierte Chemie an der Philipps-Universität Marburg. Nach dem Bachelorabschluss setzte er sein Studium mit einem Erasmus-Stipendium zunächst am Imperial College London (England) fort, seinen Master erwarb er 2016 in Marburg. Anschließend arbeitete Karges an der Universität Paris Sciences & Lettres (Frankreich) an seiner Doktorarbeit in medizinischer anorganischer Chemie. Einen Teil dieser Arbeit absolvierte er an der Sun Yat-Sen University (China). 2020 ging Johannes Karges an die University of California San Diego (USA). Ab November 2022 leitete er als Liebig Fellow des Fonds der Chemischen Industrie seine eigene Forschungsgruppe an der Ruhr-Universität Bochum. Zuletzt war er Juniorprofessor für Anorganische Biochemie an der Fakultät für Chemie der Ruhr-Universität Bochum. 

Veröffentlicht

Donnerstag
02. April 2026
09:09 Uhr

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