Hanns Hatt war seit 1992 an der Ruhr-Universität Bochum tätig (hier ein Foto aus dem Jahr 2018).

© RUB, Marquard

Nachruf

Die Ruhr-Universität trauert um Hanns Hatt

Der Biologe Hanns Hatt hat die Macht der Düfte erforscht und erheblich zum Renommee der RUB beigetragen.

Die Ruhr-Universität Bochum trauert um den bekannten Riechforscher Prof. Dr. Dr. Hanns Hatt. Als Inhaber des Lehrstuhls für Zellphysiologie an der Ruhr-Universität Bochum prägte er seit 1992 die internationale Forschung zum Geruchssinn bei Menschen und Tieren. Prof. Hatt ist im April 2026 im Alter von 78 Jahren verstorben.

„Mit Hanns Hatt verlieren wir einen der profiliertesten Forscher aus unseren Reihen. Durch seine unermüdliche Arbeit und die anschauliche Vermittlung seiner wissenschaftlichen Ergebnisse hat er maßbeglich zum Renommee unserer Universität beigetragen“, sagt Prof. Dr. Martin Paul, Rektor der RUB. „Als sehr engagierter und charismatischer Hochschullehrer, Doktorvater zahlreicher Absolvent*innen und als Dekan von 1999 bis 2003 hat er die Fakultät für Biologie und Biotechnologie in ganz besonderer Weise geprägt“, so Prof. Dr. Julia Bandow, Dekanin der Fakultät.

Bahnbrechende Erkenntnisse aus der Sinnesforschung

Hanns Hatt gilt als einer der bedeutendsten Sinnesforscher Deutschlands. Mit bahnbrechenden Erkenntnissen zur Funktionsweise von Riechrezeptoren machte er weltweit Schlagzeilen. Seine Forschungen haben gezeigt, dass Düfte nicht nur unsere Nase erreichen, sondern auch andere Organe im Körper beeinflussen können – mit erstaunlichen Effekten auf Gesundheit, Emotionen und Verhalten.

An der Ruhr-Universität Bochum arbeitete Hanns Hatt auf dem Gebiet der molekularen und zellulären Sinnesphysiologie und der Geruchs- und Geschmacksforschung. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er bekannt mit seinem Projekt „Macht der Düfte: Vom Molekül zur Wahrnehmung“. Mit seinem Team identifizierte er menschliche Riechrezeptoren und wies nach, dass diese auch außerhalb der Nase vorkommen. Beispielsweise können Spermien Duftlockstoffe wahrnehmen, die ihnen den Weg zur Eizelle weisen. Wie wichtig Düfte für unser Leben und Überleben sind, zeigte der Zellphysiologe und Duftforscher Hanns Hatt zuletzt gemeinsam mit der Autorin Regine Dee im Sachbuch „Die Lust am Duft. Wie Gerüche uns verführen und heilen“, das 2023 erschienen ist.

Präsident der Akademieunion

Hanns Hatt war von 2015 bis 2022 Präsident der Akademienunion der deutschen Wissenschaftsakademien. Zuvor war er von 2010 bis 2015 Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Als „Botschafter des Riechens“ wurde der promovierte Biologe und Mediziner 2010 mit dem Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet.

Wussten Sie schon, dass …

... das Wissen aus zwei Jahrzehnten Riechforschung in das Parfüm „Knowledge by RUB“ eingeflossen ist, mit dem die RUB als erste Universität der Welt einen eigenen Duft herausgebracht hat? „Knowledge“ entspannt, fördert geistige Frische und Konzentration und beeinflusst die zwischenmenschliche Kommunikation. Das Team um Hanns Hatt hat an vielen der Komponenten von „Knowledge by RUB“ selbst geforscht und die Expertise in den Entwicklungsprozess eingebracht.

Zur Person

Hanns Hatt wurde am 8. Juli 1947 in Illertissen geboren. Nach dem Abitur in München 1967 studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München zunächst Biologie und Chemie. Er schloss sein Studium 1972 mit dem Staatsexamen ab und schrieb anschließend seine Doktorarbeit an der LMU. 1975 begann er parallel ein Medizinstudium. 1976 wurde Hanns Hatt in Zoologie promoviert, 1981 erhielt er die Approbation in Medizin. Zwei Jahre später wurde er auch in Medizin promoviert, 1984 folge die Habilitation in Physiologie sowie die Weiterbildung als Arzt für Naturheilverfahren. 1991 wurde er zum Professor am Physiologischen Institut der Medizinischen Fakultät der TU München berufen. Ein Jahr später folgte er einem Ruf auf die Professur für Zellphysiologie an der Fakultät für Biologie und Biotechnologie der Ruhr-Universität Bochum, die er bis 2015 innehatte. Seitdem war er in der Fakultät als Seniorprofessor tätig.

Veröffentlicht

Mittwoch
29. April 2026
09:40 Uhr

Teilen