Die Forschenden haben sich für ihre Studie alle US-Präsidentschaftsdebatten aus den Jahren 1996 bis 2016 angesehen und abgeleitet, wie politische Entwicklungen in einem Land über Finanzmärkte auf andere Länder übertragen werden.
Wirtschaftswissenschaften
Wechselkurse reagieren sofort auf Androhung von Zöllen
Wechselkurse reagieren sofort darauf, wenn Politiker und Politikerinnen Zölle androhen. Jedoch sind manche Länder viel anfälliger für solche Schocks.
Wechselkurse sind mehr als nur abstrakte Zahlen. Sie bestimmen, wie viel ein mexikanischer Peso wert ist, wie teuer ein deutsches Auto in den USA wird oder ob ein argentinischer Bauer seine Schulden zurückzahlen kann. Prof. Dr. Jantke de Boer, Juniorprofessorin für International Monetary Macroeconomics an der Ruhr-Universität Bochum, hat untersucht, wie Erwartungen über zukünftige protektionistische Maßnahmen Wechselkurse beeinflussen. „Finanzmärkte warten nicht, bis eine politische Entscheidung tatsächlich umgesetzt wird. Sie versuchen, zukünftige Entwicklungen vorwegzunehmen. Wenn wahrscheinlicher wird, dass die USA künftig höhere Zölle erheben, kann sich das sofort in Wechselkursen widerspiegeln“, sagt Jantke de Boer. Besonders starke negative Auswirkungen erfahren dabei einige Schwellenländer. Ihre Währungen werten stärker ab als andere. Das Wissenschaftsmagazin Rubin der Ruhr-Universität berichtet ausführlich über die Ergebnisse.
US-Präsidentschaftsdebatten lösen Reaktionen aus
In ihren Studien analysierte de Boer, wie sich die Ankündigungen protektionistischer Maßnahmen in US-Präsidentschaftsdebatten auf Wechselkurse auswirkt. Dafür nutzte die Ökonomin die Live-Übertragungen der US-Präsidentschaftsdebatten vergangener Jahre, die immer zwischen 21 und 22.30 Uhr US-Ostküstenzeit stattfinden. In diesem kurzen Zeitfenster können andere marktrelevante Nachrichten ausgeschlossen werden, da die großen Börsen geschlossen sind. Parallel wertete de Boer Daten von Prognosemärkten aus, an denen Menschen auf den Wahlausgang wetten. „Die Wettpreise zeigen in Echtzeit, wie sich die Einschätzung zur protektionistischen Haltung eines Kandidaten während der Debatte verändert – und wir können gleichzeitig sehen, wie der Devisenmarkt darauf reagiert“, so de Boer.
Nicht alle Länder sind gleich betroffen
Besonders stark betroffen sind Länder mit engen Handelsbeziehungen zu den USA. „Je stärker ein Land in die USA exportiert, desto stärker reagiert seine Währung“, sagt de Boer. Ein Beispiel: Mexiko, das stark von Exporten in die USA abhängig ist, erlebt bei protektionistischen Ankündigungen einen Wertverlust des Pesos. Das macht Importe aus den USA teurer – etwa Maschinen für die Industrie.
Die Studie zeigt zudem, dass viele Schwellenländer anfälliger für solche Schocks sind. Allerdings wurde während ihrer Analyse deutlich, dass manche Schwellenländer besonders verwundbar und andere wiederum deutlich widerstandsfähiger sind. „Ein liquider Finanzmarkt wie zum Beispiel in Brasilien kann Kapitalabflüsse besser abfedern, und Währungsreserven ermöglichen es Zentralbanken, ihre Währung zu stützen“, erklärt de Boer. Ihre Forschung unterstreicht, wie eng Wirtschaft und Politik miteinander verwoben sind: Protektionistische Maßnahmen können zwar kurzfristig Vorteile bringen, langfristig aber zu Handelskonflikten und höheren Preisen führen.
Ausführlicher Artikel im Wissenschaftsmagazin Rubin