Donya Böcker entwickelt mit Benewis eine digitale Plattform für Autorinnen und Autoren.
EXIST-Gründungsstipendium
Eine Plattform erleichtert Schreibenden den Austausch
Autorinnen und Autoren stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen. Mit der Plattform Benewis will Donya Böcker ihnen Hilfestellung bieten. Das Projekt wird mit einem EXIST-Gründungsstipendium gefördert.
Donya Böcker entwickelt mit Benewis eine digitale Plattform für Autor*innen, Medienjurist*innen und Produktionsunternehmen. Die Idee dazu hatte sie schon lange, nun ermöglicht ihr ein EXIST-Gründungsstipendium die weitere Umsetzung. Die Förderung bietet neben einem monatlichen Stipendium von 2.500 Euro auch Sachmittel- und Coachingbudget.
EXIST-Gründungsstipendien
EXIST-Gründungsstipendien
„Von 2003 bis 2019 habe ich selbst von kreativer Arbeit gelebt – von Theaterproduktionen und Ticketverkäufen ebenso wie von der Verwertung meiner Arbeiten als Autorin und Übersetzerin“, erzählt Donya Böcker. „Es gab viele erfolgreiche Projekte und natürlich auch solche, die nicht funktioniert haben. Wenn Schwierigkeiten entstanden, stieß ich immer wieder auf dasselbe Muster: Fragen nach Urheberschaft, Rechten und fairer Verwertung.“ Weil sie in mehreren Sprachen arbeitet, erlebte sie zugleich, dass diese Probleme nicht an Ländergrenzen haltmachen.
Strukturelles Problem
2019 kam Böcker für ihr Masterstudium der Theaterwissenschaft an die Ruhr-Universität Bochum – mit einem ersten Prototyp für die Plattform im Gepäck. In ihrer Masterarbeit beschäftigte sie sich zunehmend mit dem Urheberrecht und sprach mit zahlreichen Autor*innen, die Ähnliches erlebt hatten. „Als 2023 die Drehbuchautorinnen und -autoren in Hollywood streikten, arbeitete ich gerade an der Weiterentwicklung von Benewis. Da wurde mir klar: Was ich über Jahre in verschiedenen Projekten und Sprachen erlebt habe, waren keine Einzelfälle, sondern Ausprägungen eines internationalen, strukturellen Problems“, so Böcker.
Unterschiedliche Herausforderungen
Die Herausforderungen von Autorinnen und Autoren sind sehr unterschiedlich, sie hängen unter anderem von Genre, Berufserfahrung, bestehendem Netzwerk und Zugang zu Produktions-, Verlags- und Verwertungsstrukturen ab. „Während weniger etablierte Autorinnen häufig bereits beim Zugang zu geeigneten Partnerinnen, rechtlicher Orientierung und der Präsentation ihrer Stoffe vor Hürden stehen, entstehen für professionelle Autorinnen andere Herausforderungen – etwa bei internationalen Co-Writing-Prozessen, Rechteklärung, Vertragsstrukturen und Verwertung“, sagt Donya Böcker. Sprache und Mehrsprachigkeit bilden dabei eine weitere wichtige Ebene: Sie können internationale Zugänge eröffnen, gleichzeitig aber neue Hürden für Zusammenarbeit, kulturellen Transfer und Rechteklärung schaffen.
Wenn Texte durch KI genutzt werden
Eine der größten aktuellen Herausforderungen entsteht zudem dort, wo menschliche Kreativität und Künstliche Intelligenz zunehmend miteinander verflochten sind. „Entscheidend wird, wie diese neue Realität vertraglich zwischen Menschen geregelt wird: Wer darf KI wie einsetzen, und wie werden kreative Leistungen, Rechte, Vergütungen und Verantwortlichkeiten zwischen Autorinnen, Co-Autorinnen, Produzent*innen und Studios geregelt?“, so Donya Böcker.
Wie drängend das Thema ist, zeigte sich im Oktober auch auf der Frankfurter Buchmesse: Mit dem „Frankfurter Appell“ forderten dort zahlreiche Verlage, dass KI-Unternehmen offenlegen, mit welchen Büchern sie ihre Programme trainiert haben, und die Urheberinnen angemessen vergüten. „Genau hier setzt Benewis an“, sagt Donya Böcker. „Wer belegen will, dass ein Text von ihm stammt, braucht eine saubere Dokumentation – von Anfang an, nicht erst im Streitfall.“
Gemeinsam handeln
„Die strukturellen Probleme der Kreativwirtschaft sind keineswegs neu. Der Streik in Hollywood 2023 machte sie international sichtbar, während der aktuelle Frankfurter Appell zeigt, wie dringend Fragen der Urheberschaft, der fairen Vergütung und des Umgangs mit künstlicher Intelligenz auch in Europa geworden sind“, so Donya Böcker. Für sie ist deshalb klar: „Nachhaltige Veränderungen können nur gelingen, wenn Kreative, Hochschulen, Förderinstitutionen, Verbände und Unternehmen gemeinsam handeln. Benewis soll einen praktischen Beitrag zu dieser notwendigen Zusammenarbeit leisten.“
Unterstützung bekommt sie dabei von ihrem Mentor Prof. Dr. Johannes Paßmann vom Lehrstuhl Medienwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum und vom Team der Worldfactory. „Alle haben die Entwicklung von Benewis mit großem Engagement begleitet und wertvolle Unterstützung geboten“, zeigt sich Donya Böcker dankbar.