Der litauische Doktorand Erik Ilkevič war zu Gast am Lehrstuhl für Kognitionspsychologie der Fakultät für Psychologie.

© RUB, Marquard

Internationalisierung

„Knüpft Kontakte und vernetzt euch“

Erik Ilkevič aus Litauen erhielt drei Wochen lang Einblicke in den Forschungsalltag am Institut für Kognitive Neurowissenschaft.

Zeit mit Forschenden verbringen, deren Publikationen man normalerweise zitiert – diese Chance bot sich Erik Ilkevič von der Universität Vilnius dank des deutsch-baltischen Kooperationsprojektes „Feelings in the Eyes: Toward Standardized Pupillometric Analysis in Emotion Regulation Research.“ Im Interview berichtet der Doktorand von seiner Forschung sowie den Grenzen und Möglichkeiten der Pupillometrie. Außerdem erzählt Ilkevič, was ihm so gut am Campus der RUB gefällt und warum er bestärkt abreist und solch einen Forschungsaufenthalt anderen Doktoranden nur empfehlen kann.

Herr Ilkevič, Sie haben drei Wochen am Institut für Kognitive Neurowissenschaft der Fakultät für Psychologie verbracht. Wie hat es Ihnen an der Ruhr-Universität gefallen?
Es war großartig. Die Wochen sind wie im Flug vergangen und ich wäre gerne noch länger geblieben. Ich habe hier all diese brillanten Köpfe getroffen, deren Paper ich sonst lese. Die Doktoranden waren alle sehr freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit. Ich bin Oliver Wolf und Katja Langer sehr dankbar, dass sie sich um mich gekümmert und mich hierher eingeladen haben, und natürlich hoffe ich, dass sich daraus weitere Kooperationen ergeben werden. 

Hat Sie irgendetwas überrascht?
Die Größe des Campus. Ich hätte nicht gedacht, dass er so riesig ist. In Litauen mögen vor allem die Älteren diese brutalistische Architektur nicht, da sie meist aus der Sowjetzeit stammt. Das kann ich verstehen. Aber ich finde diese Architektur hier auf dem Campus einfach wunderbar. Ich habe jede Menge Fotos von all den Pflanzen, die den Beton begrünen, gemacht. Das erinnert mich an die Science-Fiction-Filme von vor 20 Jahren.

Der Campus unterscheidet sich vermutlich stark von Ihrer Heimatuniversität, der Universität in Vilnius?
Die Universität von Vilnius ist etwa 450 Jahre alt. Unser Campus ist deutlich kleiner als der in Bochum. Allerdings sind viele verschiedene Gebäude und Fakultäten über die Stadt verstreut. 

Was führt Sie nach Bochum? Ihre Doktorarbeit?
Ja, in meiner Doktorarbeit untersuche ich, inwiefern die Emotionsregulation mit Hormonen, insbesondere Testosteron und Cortisol, zusammenhängt. Hier in Bochum am Lehrstuhl für Kognitionspsychologie führen Oliver Wolf und Katja Langer Studien zur Emotionsregulation mithilfe kognitiver Neubewertung durch – diesem Thema widmen wir uns auch in Vilnius. Und wie auch wir, nutzen die Bochumer die Pupillometrie als Messverfahren.

Wie ist der Kontakt zum Lehrstuhl von Oliver Wolf zustande gekommen?
Ich habe viele Artikel von Oliver Wolf und Katja Langer gelesen und wurde so mit ihrer Arbeit vertraut. Ihre Forschung ist für meine Dissertation äußerst relevant. Außerdem habe ich Katja im Juni letzten Jahres auf einer Tagung kennengelernt. Wir haben uns unterhalten und dann beschlossen, uns um eine Förderung zu bewerben. 

Kooperation

Das Projekt „Feelings in the Eyes: Toward Standardized Pupillometric Analysis in Emotion Regulation Research“ wurde von der Universität Vilnius über das Baltisch-Deutsche Hochschulbüro eingeworben. Es wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland gefördert. Neben der Universität Vilnius und der Ruhr-Universität Bochum beteiligt sich auch die Universität Tartu an dem Projekt. Das Projekt läuft vom 1. Juni 2026 bis zum 15. November 2026. Neben den Forschungsaufenthalten von Doktorandinnen und Doktoranden findet im Oktober in Vilnius ein Workshop („Minds in the Eyes“) statt, bei dem auch Oliver Wolf und Katja Langer von der Ruhr-Universität Vorträge halten werden.

Was war das Ziel Ihres Aufenthaltes?
Beim Lesen von Artikeln über Emotionsregulation und Pupillometrie fällt auf, dass jedes Labor eigene Methoden zur Datenanalyse entwickelt hat. Das führt zu Problemen hinsichtlich der Reproduzierbarkeit und Transparenz. Da jedes Labor die Methode wählt, die es für am besten geeignet hält, ist es schwierig zu bestimmen, welche Methode tatsächlich die beste ist. Mein Ziel hier in Bochum war es, mehr über Datenanalyse zu lernen. Unter der Anleitung von Katja habe ich während dieses Praktikums verschiedene Parameter und Datensätze experimentell untersucht. Vielleicht gelingt es uns, die optimalen Pupillenparameter speziell für den Bereich des cognitive reappraisal (kognitive Neubewertung) zu identifizieren und gemeinsam ein Paper dazu zu verfassen.

Was genau misst eigentlich die Pupillometrie?

Die Pupillometrie ist ein Verfahren zur Erfassung des Durchmessers der Pupille. Bei emotionalen oder kognitiven Anstrengungen zeigt sich eine verzögerte Pupillenreaktion. Emotionale Reize eignen sich besonders gut für solche Untersuchungen, da sie eine gewisse emotionale Erregung auslösen. In unseren Experimenten präsentieren wir negative Reize – wie beispielsweise Bilder von Unfällen, Verletzungen, Armut – und bitten die Versuchsperson, entweder diesen Reiz nur anzuschauen oder die dargestellte Situation positiv umzudeuten – beispielsweise mit einem positiven Ausgang. Das Präsentieren des emotionalen Reizes ruft eine erhöhte Pupillenausweitung hervor, was eine Reaktion auf die emotionale Erregung darstellt. Die kognitive Neubewertung erfordert allerdings auch zusätzlich mentale Anstrengung, die sich ebenfalls in der Pupillenausweitung widerspiegelt. Somit lassen sich sowohl die Erregung durch den Reiz als auch die kognitive Anstrengung während der Emotionsregulation in der Pupille beobachten.

Es geht also darum, Empfehlungen für eine standardisierte Datenanalyse für die Pupillometrie zu entwickeln?
Ganz genau. Unser Wunsch ist es, einen standardisierten Ansatz zu entwickeln, der auf verschiedene Datensätze anwendbar ist und konsistente Ergebnisse liefert. Wie bereits erwähnt, besteht bei Studien zur Emotionsregulation die Herausforderung darin, mithilfe der Pupillometrie zu unterscheiden, welcher Teil der Pupillenerweiterung auf die emotionale Erregung durch Reize zurückzuführen ist und welcher durch kognitive Anstrengung verursacht wird. Dies ist ein zentrales Thema für uns, und wir suchen nach Methoden, um diese Komponenten klarer voneinander zu trennen.

Inwiefern unterscheiden sich denn die bisherigen methodischen Ansätze voneinander?
Die verschiedenen Labore untersuchen oft unterschiedliche Zeitabschnitte, wenn sie Experimente mit Versuchspersonen durchführen: Einige analysieren die frühe Pupillenreaktion auf Reize, andere konzentrieren sich auf die späte Reaktion, obwohl beide für die Emotionsregulation relevant sind. Manche Labore differenzieren gar nicht und betrachten einfach die gesamte Amplitude der Pupillenveränderung. Zudem gibt es verschiedene statistische Methoden, wie etwa die Messung der Fläche unter der Kurve oder differenziertere Analysemethoden. Kurz gesagt: Es existiert eine Vielzahl von Parametern, die auf unterschiedliche Weise eingesetzt werden.

Es wäre schön, die optimalen Parameter zu identifizieren, die die verschiedenen Aspekte der Pupillenreaktionen erklären.

Was hoffen Sie, standardisieren zu können? 
Es wäre schön, die optimalen Parameter zu identifizieren, die die verschiedenen Aspekte der Pupillenreaktionen erklären: welche mit der emotionalen Reaktivität, welche mit der Anstrengung zur Regulierung und welche schließlich mit der Erregung nach der Regulierung zusammenhängen. Theoretisch lassen sich diese drei Phasen unterscheiden, in der Praxis sind sie jedoch oft schwer voneinander abzugrenzen. Sobald wir diese Parameter bestimmt haben, können wir sie auf andere Studien übertragen.

Wie würde Ihnen die Erkenntnis bei Ihrer Forschung weiterhelfen?
In meiner Doktorarbeit untersuche ich, wie eingangs erwähnt, inwiefern die Hormone Testosteron und Cortisol mit der Emotionsregulation zusammenhängen. Dafür ziehe ich Selbstauskünfte von Teilnehmenden, die Pupillometrie und die Elektroenzephalografie (EEG) heran. Interessanterweise deuten Studien darauf hin, dass Cortisol mit einer effizienteren Emotionsregulation verbunden ist, während Testosteron eher das Gegenteil bewirkt. 

Pupillometrische Daten könnten als Indikator für den Erfolg der Emotionsregulation dienen.

Nun möchte ich untersuchen, ob sich diese Zusammenhänge auch in den Pupillenreaktionen widerspiegeln. Pupillometrische Daten könnten als Indikator für den Erfolg der Emotionsregulation dienen. Mit dieser Methode ließe sich überprüfen, ob die hormonellen Einflüsse auch in den Pupillenreaktionen sichtbar sind und ob sie mit meinen EEG-Messungen übereinstimmen.

Abseits der Forschung, welche persönlichen Erkenntnisse nehmen Sie mit?
Es ist wirklich inspirierend, die Publikationen dieser bewundernswerten Forscher zu lesen und sie dann vor Ort zu treffen und zu erleben, dass sie genau wie wir sind – das gibt einem enormen Rückhalt. Ich habe mich so willkommen gefühlt. Und hier vor Ort kann man über Dinge sprechen, die in den Artikeln nie erwähnt werden, die tägliche Arbeit, gescheiterte Ansätze. Das ist unglaublich bereichernd. 

Besonders wertvoll war für mich, das Labor zu besuchen und die Arbeitsweise der verschiedenen Forschungsgruppen kennenzulernen. 

Besonders wertvoll war für mich, das Labor zu besuchen und die Arbeitsweise der verschiedenen Forschungsgruppen kennenzulernen. Ich war voll in den Alltag integriert, habe an Kolloquien und Journal Clubs teilgenommen und werde einige Herangehensweisen sicher zu Hause umsetzen. Mein Rat an alle Doktoranden: Knüpft Kontakte und vernetzt euch!

Veröffentlicht

Montag
13. Juli 2026
09:22 Uhr

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