Um herauszufinden, welche Indikatoren auf selbst erlebte Erinnerungen hinweisen, konstruierten die Forschenden verschiedene Szenarien rund um Unglücke einer Oma in Begleitung ihres Enkels. 

© RUB, Kramer

Philosophie Versteckte Botschaften

Unsere Wortwahl verrät mehr, als uns bewusst ist. Zum Beispiel darüber, ob wir etwas, wovon wir erzählen, selbst erlebt haben, oder nicht. 

„Ich weiß noch, wie Oma letztes Jahr im Urlaub im Meer geschwommen ist.“ Steckt in diesem Satz die Information, ob derjenige, der ihn äußert, selbst dabei war? Prof. Dr. Kristina Liefke und Emil Eva Rosina von der Ruhr-Universität Bochum meinen, ja. Mit einer Online-Befragung haben sie belegen können, dass Menschen sehr feine Antennen dafür haben, welche Informationen neben der wörtlichen Aussage noch in Sätzen steckt. Darüber berichtet Rubin, das Wissenschaftsmagazin der Ruhr-Universität Bochum, in der aktuellen Ausgabe mit dem Schwerpunkt „Geheimnis“. 

Indizien der Sprache

In der Forschungsgruppe „Szenarien der Vergangenheit: Ein neuer theoretischer Rahmen für das generative episodische Gedächtnis“ befasst sich Kristina Liefke gemeinsam mit Kolleg*innen unter anderem mit in Sätzen versteckten Informationen. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei Schilderungen von Erinnerungen. „Wir haben die These, dass es in der Sprache Indizien dafür gibt, ob jemand von etwas berichtet, das er oder sie selbst erlebt oder als Augenzeuge beobachtet hat, oder ob es sich um eine Begebenheit handelt, die er oder sie nur erzählt bekommen hat“, erklärt die Forscherin. 

Ganz oben auf der Liste der aussagekräftigen Formulierungen steht dabei das Wörtchen 'wie'. „Angenommen, ich war im vergangenen Jahr im Urlaub und habe meine Oma beim Schwimmen im Meer beobachtet“, gibt Doktorand Emil Eva Rosina ein Beispiel. „Dann ist es wahrscheinlich, dass ich darüber in der Form berichte: ‚Ich weiß noch, wie Oma letztes Jahr im Meer geschwommen ist‘. Im Gegensatz dazu würde jemand, der die Episode nur erzählt bekommen hat, eher sagen ‚Ich weiß, dass Oma letztes Jahr im Meer geschwommen ist.‘“ Sätze mit 'wie' versus 'dass' sind für die Philosoph*innen ein Minimalpaar, das sich gut genauer untersuchen lässt. Da die Datenlage zuvor unklar war, führten Rosina und Liefke eine eigens entwickelte Online-Studie mit 60 Teilnehmenden durch. 

Ausführlicher Artikel im Wissenschaftsmagazin Rubin

Mehr über die Studie und ihre Ergebnisse lesen Sie im ausführlichen Beitrag zum Thema im Wissenschaftsmagazin Rubin mit dem Schwerpunkt „Geheimnis“. Für redaktionelle Zwecke dürfen die Texte auf der Webseite unter Angabe der Quelle „Rubin – Ruhr-Universität Bochum“ sowie Bilder aus dem Downloadbereich unter Angabe des Copyrights und Beachtung der Nutzungsbedingungen honorarfrei verwendet werden.

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Pressekontakt

Prof. Dr. Kristina Liefke
Philosophie der Information und Kommunikation
Institut für Philosophie II
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 32 23237
E-Mail: kristina.liefke@ruhr-uni-bochum.de 
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Veröffentlicht

Donnerstag
03. April 2025
09:03 Uhr

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