2,5 Millionen Vertriebene und Hunderttausende Tote sind die traurige Bilanz des Darfurkonflikts.
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Diaspora- und Genozidforschung Darfur, der schillernde Konflikt

Völkermord oder nicht – scheinbar objektive Berichterstatter sind sich in dieser Frage zum Darfurkonflikt uneinig. Und das ist nicht die einzige überraschende Erkenntnis einer aktuellen Studie.

Vom Darfurkonflikt, bei dem im Westen des Sudan seit 2003 mehrere Hunderttausend Menschen ums Leben gekommen sind, hat jeder schon gehört. Bochumer Forscher vom Institut für Diaspora- und Genozidforschung haben jetzt die Deutung des Konflikts untersucht: Wie argumentierte das Regime? Was berichteten die Untersuchungskommissionen? Welche Rolle spielten Deutungsmuster bei der politischen Debatte? Sie zeigen, dass das Bild des Konflikts ein sehr schillerndes ist, das durch viele Akteure beeinflusst wurde.

Vorsicht mit vermeintlich objektiven Berichten

Besonderes Interesse der Forscher galt der Rolle der Untersuchungskommissionen, die vor Ort Informationen über den Konflikt einholen sollten und durch ihre Berichte das Handeln der internationalen Staatengemeinschaft stark beeinflussten.

Der Vergleich der Berichte zweier Kommissionen aus den USA und von den Vereinten Nationen förderte bedeutende Unterschiede zutage: So nennt die US-Kommission die Gewalttaten einen Völkermord, die UN-Kommission nicht. Auch in anderen Punkten wiesen die Berichte extreme Unterschiede auf. „Es ist also Vorsicht geboten im Umgang mit vermeintlich objektiven Berichten solcher Kommissionen“, unterstreicht Projektleiter Prof. Dr. Mihran Dabag.

Mehr als krude Propaganda

Unter anderem analysierten die Forscher ein bisher nur sehr wenig erforschtes Feld: die Argumentation des Regimes, das die Verantwortung für die Gewalttaten trägt. Sie konnten zeigen, dass die sudanesische Regierung sich in ihrer Öffentlichkeitsarbeit an international gängigen Deutungsmustern orientierte und damit auch erfolgreich war. So wurde die Gewaltsituation als komplex dargestellt, als Klima- oder Bürgerkrieg von persönlicher Verantwortung entkoppelt.

Um die internationale Gemeinschaft vom Eingreifen abzuhalten, warnte das Regime vor unbeabsichtigten Nebenwirkungen solcher Interventionen. „Die Rhetorik des Regimes ist keine krude Propaganda“, so Dabag, „man passt sich dem jeweiligen Adressaten an, und das erfolgreich.“ Die Verlautbarungen der Arabischen Liga zum Beispiel ähneln stark denen des sudanesischen Regimes.

Unveröffentlicht

Von

Meike Drießen

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