Im Fußball geht es nicht nur um den Sport. Die NRW-weite Meldestelle für Diskriminierung im Fußball hat viel zu tun.

© RUB, Marquard

Diskriminierung im Fußball „Besorgniserregende Enthemmungseffekte“

Die Meldestelle für Diskriminierung im Fußball zieht erneut Bilanz für das Sportland Nordrhein-Westfalen. Im Blickpunkt stehen Normalisierungsprozesse, aber auch Formate für ein besseres Miteinander.

Seit 2022 ist die Meldung von Diskriminierungsvorfällen im Fußball über ein landesweites Portal möglich. Im nun veröffentlichten zweiten Jahresbericht der Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in NRW (MeDiF-NRW) wurden Meldungen ausgewertet, die in den Jahren 2023 und 2024 über das Portal anonym eingegangen sind. Aktuell verzeichnet MeDiF-NRW knapp 2.500 Meldungen insgesamt zu diskriminierenden Vorfällen im Fußball in NRW (Stand: März 2025). Zum Vergleich. Im Berichtszeitraum des ersten Jahresberichts waren es rund 540 Vorfälle (Stand: Juni 2023).

Bei der Meldestelle handelt es sich um ein Kooperationsprojekt zwischen der Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte NRW (LAG) und dem Lehrstuhl für Ethnologie an der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. Das Projekt leitet der Bochumer Kultur- und Sozialwissenschaftler Dr. David Johannes Berchem gemeinsam mit Elena Müller. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen fördert die Meldestelle.

Der Rechtsruck führt auf und neben dem Platz, in der Stadionkurve, in der Eckkneipe und bei Social Media vermehrt zu besorgniserregenden Enthemmungseffekten.

— David Johannes Berchem

„Unsere Analysen zu den Diskriminierungsdynamiken im Fußball, die nun im zweiten Jahresbericht vorliegen, rücken verstärkt die Normalisierungsprozesse von Ungleichbehandlungen, dehumanisierenden Praktiken und Vorurteilsmustern in den Fokus“, erläutert Berchem. „Der unlängst beschriebene Rechtsruck führt auf und neben dem Platz, in der Stadionkurve, in der Eckkneipe und bei Social Media vermehrt zu besorgniserregenden Enthemmungseffekten.“

Menschen wird viel zu oft das Menschsein abgesprochen.

— David Johannes Berchem

„Menschen wird viel zu oft das Menschsein abgesprochen“, so Berchem. „Einen Schwerpunkt legen wir daher in unserem zweiten Jahresbericht auf die diskriminierungskritischen Sensibilisierungs-, Qualifizierungs- und Awarenessformate, die wir in Zusammenarbeit mit unseren Netzwerkpartner*innen konzipieren und umsetzen. Unser Ziel lautet: Die Umgestaltung des Fußballs zu einem Braver Space mit einer nachhaltigen Kultur des achtsamen Miteinanders, die durch Allyship, Empowerment, Solidarität und Toleranz charakterisiert ist."

Im neuen Jahresbericht der Meldestelle findet sich insgesamt ein komplexes Lagebild, das auf der Grundlage von wissenschaftlichen Dokumentations- und Auswertungsverfahren einen Überblick gibt über Diskriminierungstatbestände und Ausgrenzungsdynamiken im Sportland NRW.

Veröffentlicht

Donnerstag
03. April 2025
13:31 Uhr

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